Kritik an ĂuĂerungen aus dem Landesgesundheits- und Arbeitsministerium von Minister Karl-Josef Laumann zur Leiharbeit in der Pflege ĂŒben die TrĂ€ger der katholischen Altenhilfe im Erzbistum Paderborn. In einer Stellungnahme hatte das Ministerium Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege NRW nach einer Begrenzung der Zeitarbeit zurĂŒckgewiesen.
âDie TrĂ€ger von Altenhilfe-Einrichtungen werden stattdessen aufgefordert, neue Konzepte zu erarbeiten, ohne zu klĂ€ren, wer das eigentlich alles zahlen sollâ, kritisiert Tobias Berghoff, Vorsitzender der Diözesan Arbeitsgemeinschaft Gesundheits- und Altenhilfe im Erzbistum Paderborn, die rund 210 Altenheime und Tagespflegen sowie 125 Sozialstationen mit insgesamt ĂŒber 13.000 BeschĂ€ftigten vertritt. âLetztendlich stiehlt sich die Politik damit aus der Verantwortung und schiebt die Lösung des Themas Personalmangel in die alleinige ZustĂ€ndigkeit der TrĂ€ger, die in einem stark reglementierten Bereich arbeiten. Der Versorgungsauftrag liegt aber nicht bei den TrĂ€gern, sondern bei der Politikâ, sagt Berghoff.
Mut zu Reformen
Aufgrund des Fachkraftmangels nehme der Anteil von Zeitarbeit in der Pflege stetig zu, obwohl Zeitarbeit nur als LĂŒckenbĂŒĂer gedacht sei, etwa um hohe KrankenstĂ€nde auszugleichen. Etwa in der HĂ€lfte aller Einrichtungen der Alten- und Gesundheitspflege ist Leiharbeit nach EinschĂ€tzung der Caritas-TrĂ€ger inzwischen an der Tagesordnung, wobei Arbeitgeber fĂŒr die Leiharbeit etwa das doppelte wie fĂŒr Festangestellte zahlen mĂŒssen. Die Mehrkosten werden allerdings nicht durch die Krankenkassen aufgefangen. Als Alternative zur Leiharbeit bleibt TrĂ€gern von Altenheimen sonst nur die SchlieĂung von Stationen.
âGute QualitĂ€t zu gewĂ€hrleisten, wird unter diesen Bedingungen immer schwierigerâ, sagt Tobias Berghoff, zugleich Vorstand des Caritasverbandes Dortmund. Da Zeitarbeit auch aus Sicht des Ministeriums kein geeignetes Instrument zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege sei, mĂŒssten auch entsprechende Konsequenzen gezogen werden, meint Berghoff. Wenn die Politik nicht fĂŒr bessere Rahmenbedingungen sorge, werde der kostspielige Einsatz von Leiharbeit letztlich zu Lasten der Altenheim-Bewohnenden und der SozialhilfetrĂ€ger gehen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Gesundheits- und Altenhilfe im Erzbistum Paderborn ruft daher zu einem gemeinsamen Vorgehen auf. âAbblocken und Verschieben von Verantwortung ist nicht hilfreich. Am Ende steht: Wir brauchen auch in der Politik Mut, endlich eine Reform der Pflegeversicherung anzugehen, die die Steigerung des Eigenanteils verhindert â unabhĂ€ngig von Legislaturperioden. Wir sind bereit, daran mitzuarbeitenâ.
Kernforderung der Freien Wohlfahrtspflege ist die Deckelung der Höhe der Bezahlung fĂŒr Leiharbeit, beispielsweise auf das eineinhalbfache Gehalt einer festangestellten Kraft, wobei die höheren Kosten von den Krankenkassen ĂŒbernommen werden sollten. ZusĂ€tzliche VermittlungsprĂ€mien mĂŒssten untersagt oder eingeschrĂ€nkt werden. Wenn es nach der Caritas gehe, mĂŒssten die Zeitarbeitsfirmen zudem dazu verpflichtet werden, mit ihren KrĂ€ften auch unbeliebte Arbeitszeiten abzudecken. Derzeit diktieren LeiharbeitskrĂ€fte ihre Wunscharbeitszeiten, sodass die Festangestellten zusĂ€tzlich durch Wochenendarbeit und Nachtschichten belastet werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert mittelfristig das Verbot der Leiharbeit in Pflege und Ă€rztlichem Dienst.