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Erzbistum Paderborn
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© Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Kirche beauftragt zu Bildung und Verkündigung

50 Religionslehrerinnen und Religionslehrer erhalten Missio Canonica / Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz beauftragt und sendet erstmals im Paderborner Dom

50 Lehrerinnen und Lehrer von verschiedenen Schulen im Erzbistum Paderborn empfingen am Freitag, 26. April 2024, aus den Händen von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ihre offizielle Beauftragung, zukünftig im Namen der Kirche katholischen Religionsunterricht zu erteilen. Der neue Paderborner Erzbischof überreichte zum ersten Mal Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen im Paderborner Dom jeweils eine Urkunde mit der kirchlichen Unterrichtserlaubnis als offizielle Grundlage für ihre Arbeit als Religionslehrerin und Religionslehrer sowie der Missio Canonica, die kirchliche Beauftragung zum Dienst der Verkündigung im katholischen Religionsunterricht.

© Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn
Das Erzbistum Paderborn freut sich über 50 Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die am Freitag in Paderborn die Kirchliche Unterrichtserlaubnis und Missio Canonica aus der Hand von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz erhalten haben.

„Religion“ ist an Schulen in Deutschland ein ordentliches Unterrichtsfach. Lehrerinnen und Lehrer studieren an staatlichen Universitäten Theologie, um das Fach unterrichten zu können. Im Erzbistum Paderborn – von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Höxter im Osten bis nach Herne im westlichen Ruhrgebiet – besuchen rund 185.000 katholische Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen den Religionsunterricht, wöchentlich werden 18.500 Stunden katholischer Religionsunterricht an 1.550 Schulen von 5.300 katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern erteilt – Religionslehrkräften, die die kirchliche Unterrichtserlaubnis sowie die Missio Canonica erhalten haben.

Warum Religionslehrerin oder -lehrer?

„Kinder bestärken, ihnen helfen, zu sich selbst zu finden, eigene Stärken zu entdecken“, das ist Linda Finke in ihrem Religionsunterricht wichtig. Sie ist tätig an der Katholischen Grundschule Am Burghof in Marsberg. Der Religionsunterricht bietet ihr besondere Möglichkeiten, Beziehungen zu den Kindern aufzubauen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihre „Geschichten“ zu hören. „Kreatives Arbeiten ist im Religionsunterricht möglich“, unterstreicht Linda Finke. „Die Kinder sind neugierig und erfahren zugleich viel Neues. Kinder bringen ihre Vorstellungen ein, und das ist für mich selbst bereichernd, denn ich lerne neue Sichtweisen kennen“, erklärt Linda Finke und denkt dabei daran, dass Kinder unterschiedlicher Konfessionen und Religionen, aber auch ohne Bekenntnis an ihrem Unterricht teilnehmen.

Anna-Katharina Baldus unterrichtet an der Hickengrund Grundschule in Burbach Holzhausen. Ihr ist es ein besonderes Anliegen, nicht nur über Religion zu sprechen, sondern Religion erfahrbar zu machen. Wichtig sind Anna-Katharina Baldus Gemeinschaft und Kreativität im Religionsunterricht. Mit ihren Schülerinnen und Schülern besucht sie beispielsweise Kirchengebäude, besichtigt und erschließt die besonderen Räume. „Kinder bringen religiöse Erfahrungen mit in den Unterricht ein, Erfahrungen aus dem Elternhaus aber auch durch das Mitleben in der Kirchengemeinde“, sagt Anna-Katharina Baldus. Sie möchte gute Erfahrungen weitergeben, Erfahrungen, die sie in ihrer Herkunftsfamilie aber auch durch das eigene Engagement in der Kirche gewonnen hat.

Alleinstellungsmerkmal des Religionsunterrichts

Am Theodorianum in Paderborn unterrichtet Dr. Kristin Sander-Steinert Religion, zugleich ist sie Dozentin für Musikpädagogik an der Universität Bielefeld. Für sie hat der Religionsunterricht ein „Alleinstellungsmerkmal“ im schulischen Fächerkanon: „Der Religionsunterricht bietet Raum für Gemeinschaft sowie ästhetische und kulturelle Bildung“, unterstreicht Dr. Kristin Sander-Steinert. Er gehöre zur Persönlichkeitsbildung dazu. „Wenn ich mit einem Stapel Bibeln in eine Klasse komme, höre ich in der Regel zunächst ein Schnaufen, ich habe aber Freude daran, die Schülerinnen und Schüler abzuholen und manchmal für die Bibel und ihre Geschichten und Botschaften zu gewinnen.“

Artur Bernhardt berichtet, dass Kirche in seiner Kindheit und Jugend nur eine geringe Rolle gespielt haben, ihm Religion und Glaube aber lebenslang wichtig seien. „Sie geben mir Halt und Orientierung“, sagt Artur Bernhardt, der an der Gesamtschule Paderborn-Elsen tätig ist. „Ich möchte für die Kinder und Jugendlichen eine authentische Ansprechperson sein“, unterstreicht Artur Bernhardt. Er denkt dabei an Kinder und Jugendliche, die Religion ablehnen, aber auch an Schülerinnen und Schüler, die gut religiös sozialisiert sind. „Kinder und Jugendliche sind auf der Suche nach Sinn, der Religionsunterricht ermöglicht Erfahrungen und schenkt Orientierung“, weiß Artur Bernhardt.

Lebens-Relevanz

Im Münster hat Lea Behrenberg Englisch und Theologie studiert, unterrichtet am Städtischen Gymnasium Beverungen diese beiden Fächer. Die im Religionsunterricht möglichen Gespräche mit den Schülerinnen und Schüler tragen zu einer besonderen Verbindung in der Schule bei, sagt Lea Behrenberg. Sie seien hier auf einer anderen Ebene erreichbar. Dass die Schülerinnen und Schüler mehr Fragen als Vorwissen in den Religionsunterricht mitbringen, trage zu einem lebendigeren Unterricht bei. „Es sind Fragen, die sie selbst betreffen, und so kann ich einen maßgeschneiderten Unterricht machen.“ Lea Behrenberg hat in ihrem Religionsunterricht ein Lieblingsthema: „Christliche Werte, besonders Nächstenliebe“ sind für sie und die Schülerinnen und Schüler spannende Unterrichtsinhalte. „Die haben dann auch Konsequenzen für das Schulleben.“

An der Realschule Altenbeken unterrichtet Helena Kreimeyer die Fächer Geschichte und Religion. „Der Religionsunterricht bietet Freiraum, Schülerinnen und Schüler auf einer anderen Ebene kennen zu lernen, Freiraum auch für Begegnung und Begleitung abseits von Leistungsaspekten.“ Helena Kreimeyer schätzt es, Schülerinnen und Schüler in ihren Erfahrungen und ihrer Lebenswelt abzuholen und ihnen zu zeigen, dass Religionsunterricht authentische Unterstützung und Begleitung auf dem Lebensweg ist. Das Thema „Gottesbilder“ ist Helena Kreimeyer wichtig, da sie so „kindliche Gottesvorstellungen“ durchleuchten und weiten kann. „Schülerinnen und Schüler sollen ihre Einstellungen und Haltungen kritisch überdenken und zu einem eigenen, fundierten Urteil kommen im Blick darauf, ob sie glauben oder nicht glauben“, sagt Helena Kreimeyer im Blick auf ihre Arbeit als Religionslehrerin.

Die Fächer Wirtschaft und Religion unterrichtet Stefan Schlepphorst am Reinhard-Mohn-Berufskolleg in Gütersloh. Ihm ist der Dialog im Religionsunterricht ein besonderes Anliegen, „ein wertschätzender Dialog, der andere Meinungen akzeptiert“. Am Berufskolleg ist der Religionsunterricht freiwillig, es gebe eine überschaubare Abmelde-Quote von ein bis zwei Schülerinnen und Schülern, sagt Stefan Schlepphorst. Er nimmt die hohe Motivation der Schülerinnen und Schüler war, am Religionsunterricht teilzunehmen, denn hier können sie diskutieren, offen sprechen, die Mitschülerinnen und Mitschüler besser kennen lernen, was mitnehmen. Als Thema des Religionsunterrichts liegt im der „interreligiöse Dialog“ am Herzen. „Schülerinnen und Schüler haben da die Möglichkeit, als ‚Zeugen‘ aus ihrer Religion zu berichten und können zugleich in fremde Religionen eintauchen, sich authentisch informieren, kennenlernen und Toleranz einüben.“ Auch das Thema „Sterbehilfe“ ist ihm wichtig – „es betrifft jeden, ist politisch aktuell, wird in der Gesellschaft diskutiert, im Religionsunterricht kann ich dazu beitragen, dass jeder und jede eine eigene Position findet und diese stärkt“.

Weg-Gemeinschaft bei der Suche nach der Wahrheit

„Gerade in Fragen des Lebens, gerade wenn es um die Wahrheit des Lebens und damit auch um Wahrhaftigkeit geht, kann ich keine kühle und unbeteiligte Antwort geben“, betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seiner Predigt im Paderborner Dom. Im Religionsunterricht gehe es nicht um kühles Wissen, Floskeln oder gestanzte Antworten. Vielmehr müsse eine Antwort so sein, dass ein junger Mensch befähigt werde, seiner eigenen Antwort auf die Spur zu kommen. „Das meint ‚Zeugnis geben‘ im Religionsunterricht, teilen, wovon ich überzeugt bin. Aber in einer Art und Weise, damit mein Gegenüber in Freiheit gesetzt wird, zu seiner Überzeugung zu finden“, erläuterte der Paderborner Erzbischof.

„Als diejenigen, die Religion unterrichten, ist es eine ihrer wichtigsten Aufgaben, sich mit jungen Menschen auf den Weg zu machen, mit ihnen nach der Wahrheit zu fragen, mit ihnen nach der Wahrheit zu suchen und mit ihnen der Spur der Wahrheit zu folgen“, sagte Erzbischof Dr. Bentz zu den Religionslehrerinnen und Religionslehrern. „Wir können junge Menschen locken und fördern, der Wahrheit ihres Lebens für sich ein Stück näher zu kommen, sie befähigen, ihre persönliche Wahrheitsspur und Wahrheitsgeschichte mit Gott für immer in diese Welt einzugraben.“ Im Blick darauf warnte der Paderborner Erzbischof davor, dass Erwachsene durch „langweiliges, abstraktes und leidenschaftsloses Reden über Gott und die Kirche“ Kindern den Weg zur Wahrheit verbauen. „Kinder haben ein Recht darauf, dass man ihnen hilft und sie befähigt, ihrer Sehnsucht nach Glück und Wahrheit des Lebens zu folgen. Kinder haben ein Recht darauf, der Wahrheit in Jesus Christus auf die Spur zu kommen“, betonte Erzbischof Dr. Bentz zum Abschluss seiner Predigt.

Begegnung und Vernetzung

Dompropst Monsignore Joachim Göbel unterstrich als Leiter des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat die Bedeutung der Religionslehrerinnen und –lehrer: „Als Erzbistum Paderborn sind wir uns sehr bewusst, dass Religionslehrkräfte für Schülerinnen und Schüler oftmals die anfänglichen und wesentlichen Kontaktpersonen zum Glauben und zur Kirche sind.“ Daher sei es dem Erzbistum Paderborn ein Anliegen, seinen 5.300 Religionslehrkräften ein breites Portfolio an Unterstützung anzubieten, bekräftigte Dompropst Göbel. Der Gewinn eines regelmäßigen Religionsunterrichts sei insbesondere in Zeiten der Veränderung, der Verunsicherung und der Krise für Schülerinnen und Schüler hoch. Dieser „Mehrwert des Religionsunterrichts“ dürfe nicht durch andere Zwänge, beispielsweise durch den Mangel an Lehrkräften für den Unterricht in anderen Fächern, beeinflusst werden.

Die teilnehmenden Religionslehrerinnen und -lehrer lernten an ihrem „Missio-Tag“ im Bildungs- und Tagungshaus Liborianum in Paderborn das Angebot der Abteilung Religionspädagogik kennen, erhielten Informationen über das Medienzentrum, das Erzbischöfliche Diözesanmuseum sowie über die Abteilungen Schulpastoral und Berufungspastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat. Sie hatten zudem die Möglichkeit zum Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen zur eigenen Rolle als Religionslehrkraft. Ein schulformbezogener Austausch, die Vorstellung der durch das Erzbistum Paderborn bereitgestellten Unterstützung für den Religionsunterricht, sowie Führungen durch den Paderborner Dom rundeten ihren Einführungstag ab, der schließlich mit der Feier der Eucharistie und der feierlichen Überreichung der Missio-Canonica-Urkunde im Hohen Dom zu Paderborn endete.

Missio Canonica

Aus der Kompetenz der Kirche für den Inhalt des Religionsunterrichts ergibt sich die Notwendigkeit einer kirchlichen Beauftragung von Religionslehrkräften. Religionslehrerinnen und -lehrer leisten einen Dienst für die Kirche, die Gesellschaft und für die heranwachsende Generation: Sie stehen mit ihrer Person für den Glauben der Kirche und werden in der Schule als Repräsentanten des christlichen Glaubens und der Kirche angesehen und angesprochen.

Religionslehrerinnen und Religionslehrer sind Brückenbauer zwischen Kirche und Schule. Eine Berufstätigkeit als Religionslehrkraft setzt neben der theologischen und pädagogischen Befähigung die volle Eingliederung und aktive Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche voraus.

Ein Beitrag von:
Team Presse

Thomas Throenle

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