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Erzbistum Paderborn
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Hohe Austrittszahlen – klarer Handlungsauftrag

Im Jahr 2018 haben im Erzbistum Paderborn 9.369 Menschen die katholische Kirche verlassen.
Unser Glaube
24. Juli 2019

Hohe Austrittszahlen – klarer Handlungsauftrag

Im Jahr 2018 haben im Erzbistum Paderborn 9.369 Menschen die katholische Kirche verlassen.

“Hören, was die Menschen suchen und brauchen”

Kirchliche Statistik 2018 für das Erzbistum Paderborn: Generalvikar Alfons Hardt im Interview

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 19. Juli 2019 die Statistik der katholischen Kirche in Deutschland für das Jahr 2018 veröffentlicht – darunter auch die Zahlen für das Erzbistum Paderborn. Etwa 1,49 Millionen Menschen im Erzbistum Paderborn sind katholisch – 25.514 weniger als im Vorjahr. Gründe für diesen Rückgang sind nicht nur die demografische Entwicklung oder Wanderungsbewegungen der Bevölkerung, sondern auch Kirchenaustritte: Im Jahr 2018 haben im Erzbistum Paderborn 9.369 Menschen die katholische Kirche verlassen. Das sind 2.022 Austritte mehr als im Vorjahr – eine signifikant hohe Zahl, die vergleichbar hoch auch in den anderen deutschen Bistümern Anlass zur Sorge gibt.

Was bewegt Menschen dazu, der katholischen Kirche den Rücken zu kehren? Diese Frage ist essenziell, um eine Antwort auf die umgekehrte Frage zu finden: Was kann Menschen überzeugen, Teil der Gemeinschaft der Kirche zu bleiben? Die Motivation, die Kirche zu verlassen, lässt sich nicht für jeden Einzelfall klären. Vielfach dürfte der entscheidendste Grund für einen Kirchenaustritt auf der persönlichen Ebene liegen: in einem schleichenden Prozess der Entfremdung. Diese Erkenntnis kann ein Ansatzpunkt für die Kirche sein – um statt Entfremdung eine bleibende Glaubens-Heimat anzubieten.

Zahlen der kirchlichen Statistik im Erzbistum Paderborn

 

Drei Fragen an: Generalvikar Alfons Hardt

Herr Generalvikar, wie ordnen Sie die aktuellen Austrittszahlen ein?

Generalvikar Hardt: Die vielen Austritte schmerzen natürlich sehr – nicht nur mich allein, sondern auch alle, die sich in unserer kirchlichen Gemeinschaft beheimatet fühlen und in dieser Gemeinschaft mit der Kirche leben, denken und fühlen. Jede und jeder Einzelne, der die Kirche verlässt, ist für uns als Gemeinschaft ein Verlust.

Mit den vorhandenen Realitäten müssen wir leben. Umso mehr kommt es darauf an, unseren spezifischen Auftrag zu erfüllen: das Evangelium freudig zu verkünden und zu leben.

Wie groß schätzen Sie den Einfluss der Missbrauchsstudie in Bezug auf die Austrittszahlen ein und wie geht die Kirche damit um?

Generalvikar Hardt: Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass wir die Gründe für jeden einzelnen Austritt letztlich nicht kennen – denn jeder Austritt ist eine persönliche Einzelentscheidung. Gründe gibt es sicher viele. Aber gerade für das Jahr 2018 ist davon auszugehen, dass die hohe Zahl der Austritte auch auf den Missbrauchsskandal zurückzuführen ist, der im vergangenen Herbst durch die so genannte MHG-Studie belegt worden ist.

Ich kann die mit dem Missbrauchsskandal verbundene Verletzung und Enttäuschung nur allzu gut verstehen. Wir müssen als Kirche glaubwürdig deutlich machen, dass wir auf der Seite der Opfer sexueller Gewalt stehen und auf der Grundlage der geltenden Leitlinien mit den staatlichen Behörden zusammenarbeiten. Auch im Bereich der Prävention sind wir seit Jahren engagiert. Dies muss durch uns weiter umgesetzt und kommuniziert werden, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Im Kontext der MHG-Studie sind weitere drängende Zukunftsfragen für die Kirche deutlich geworden – der Umgang mit Macht, der Zölibat, Fragen der Sexualmoral oder die Rolle der Frau. Ich bin dankbar, dass diese Fragen von uns jetzt durch die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einem Synodalen Weg konkret angegangen werden.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um der „Austritts-Welle“ etwas entgegenzusetzen?

Generalvikar Hardt: Wir müssen den Menschen vermitteln, dass Kirche eine Heimat sein kann. Dafür müssen wir die Menschen ansprechen, sie begleiten und immer wieder neu einladen, gemeinsam auf die frohmachende Botschaft Gottes für uns Menschen zu hören – und diese Botschaft mitten in unserer Welt lebendig machen. Hierfür arbeiten wir weiter an Ideen und Projekten auf allen Ebenen des Erzbistums, insbesondere in den Pastoralen Räumen und den Kirchengemeinden vor Ort.

Wir wollen unsere Kommunikation miteinander und den Austausch mit allen Menschen, die auf dem Gebiet unseres Erzbistums leben, intensivieren. Wir wollen vor allem hören, was die Menschen suchen und brauchen und was sie von uns als Kirche erwarten. Wir wollen alle Menschen erreichen und dafür gewinnen, den Weg des Glaubens in der großen Gemeinschaft der Kirche mitzugehen. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir als Christen eine Lebens-Botschaft haben, die für alle attraktiv sein kann.

Einordnung der Mitglieder- und Kirchensteuerprojektion

Dirk Wummel leitet die Hauptabteilung Finanzen im Erzbischöflichen Generalvikariat.

Im Mai 2019 wurde vom Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Universität Freiburg, von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine in dieser Form erstmalige koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die katholische und evangelische Kirche in Deutschland vorgestellt. Für die 27 (Erz-)Bistümer der katholischen Kirche und die 20 evangelischen Landeskirchen war vom Forschungszentrum ermittelt worden, wie sich die Kirchenmitgliederzahlen und das Kirchensteueraufkommen langfristig bis zum Jahr 2060 entwickeln werden.

Dirk Wummel, Leiter der Hauptabteilung Finanzen im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, äußerte sich Anfang Juni 2019 in einem Interview zu dieser Projektion.

 
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