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Erzbistum Paderborn
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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

„Gemeinsam mit den Gläubigen Gottes Ruf wahrnehmen“

Der ernannte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz im Interview über Glauben, Herausforderungen und Hoffnung

Im ersten Interview spricht der ernannte Erzbischof von Paderborn, Dr. Udo Markus Bentz, über seine Emotionen seit der Wahl durch das Domkapitel und die Verbundenheit mit dem Bistum Mainz und seiner Heimat, der Pfalz. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Wechsels nach Paderborn spricht er im Gespräch mit Dirk Lankowski, Redaktionsleiter in der Kommunikationsabteilung des Erzbistums, über die Herausforderungen, die auf die Kirche von Paderborn zukommen, und teilt seine persönlichen Sorgen sowie seine Hoffnungen für die Zukunft der Kirche.

Wie fühlen Sie sich heute am Tag der offiziellen Bekanntgabe Ihrer Ernennung als Erzbischof von Paderborn?

Ich bin angespannt und aufgeregt. Und trotzdem spüre ich jetzt auch eine innere Ruhe, das war die vergangenen Tage nicht so. Ich bin hier sehr herzlich und sehr schön aufgenommen worden.

In einigen Wochen ziehen Sie nach Paderborn um. Fällt Ihnen das leicht?

Mainz war 35 Jahre lang mein Lebensbiotop. Mein soziales und kirchliches Leben findet bisher dort statt. Und es heißt ja nicht nur ‚Mainz bleibt Mainz, sondern auch Mainz bleibt meins‘. Für mich ist das eine riesige Zäsur und ich muss loslassen, dass ich in Paderborn ankommen kann.

Was müssen Sie loslassen?

Meine Eltern, die mittlerweile sehr alt sind, wohnen in meiner Heimat Rülzheim. Ich habe zwei Brüder, ich bin das Sandwich-Kind. Mein älterer Bruder hat eine Behinderung, deshalb habe ich für ihn die Betreuung übernommen. Ich frage mich, wie ich nun meiner Verantwortung für meine Familie gerecht werden kann. Ich möchte mich dem nicht entziehen.

Aus Mainz habe ich gehört, dass Sie ein guter Gastgeber, leidenschaftlicher Koch und der beste Kunde auf dem Wochenmarkt sind.

Ich kann mir schon denken, dass Bischof Kohlgraf das erzählt hat (lacht).

Was ist an den Gerüchten dran?

Mir liegt viel an Gemeinschaft, ich bin ein geselliger Mensch und genieße das Zusammensein mit Freunden. Mit der Zeit habe ich immer mehr Spaß am Kochen gefunden. Wenn ich manchmal abends um halb zehn nach Hause komme, kann ich beim Gemüse schnippeln gut abschalten. Ich bin auch gerne draußen in der Natur und lese viel, nicht nur theologisches, sondern auch Belletristik.

„Als neugieriger Mensch freue ich mich darauf, neue Erfahrungen zu machen, vor allem die Menschen kennenzulernen, die hier leben und ihren Glauben bezeugen.“

 

Dr. Udo Markus Bentz,
designierter Erzbischof von Paderborn

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an Ihre neue Aufgabe denken?

Es ist der Beginn eines neuen Kapitels, was immer spannend ist. Als neugieriger Mensch freue ich mich darauf, neue Erfahrungen zu machen, vor allem die Menschen kennenzulernen, die hier leben und ihren Glauben bezeugen. Ich bin auch gespannt auf die Herausforderungen, die Begegnungen mit denen bringen, die sich mit Kirche, Glaube und Gott schwer tun. Es ist die Möglichkeit, etwas zu gestalten und zu bewirken.

Was ist das Erste oder vielleicht Wichtigste, was Sie als neuer Erzbischof den Gläubigen im Erzbistum sagen oder verkündigen wollen?

Es geht nicht nur darum, was mir wichtig ist, sondern was uns allen wichtig ist. Ich möchte gemeinsam mit den Gläubigen Gottes Ruf wahrnehmen und die Botschaft des Evangeliums in unserem Leben verankern. Wir sollten gemeinsam Kirche verantworten und uns der gesamten Wirklichkeit stellen, auch wenn das Kraft kostet. Es ist wichtig zu wissen und darauf zu vertrauen, dass Gott unsere Wege mit uns geht.

Was ist Ihr Wunsch für die Kirche von Paderborn?

Mein größter Wunsch ist, dass wir als Kirche von Paderborn mit offenen Augen durch die Welt gehen und die Lebenskraft unseres Glaubens wahrnehmen, nicht nur für uns selbst, sondern grundsätzlich für das Zusammenleben der Gesellschaft. Und dass wir den Mut haben, dazu gemeinsam zu stehen!

Was haben Sie an Ihrem Vorgänger Hans-Josef Becker geschätzt?

Ich kenne ihn noch nicht gut, aber seine Herzlichkeit und Offenheit sind mir aufgefallen. Er war in der Bischofskonferenz direkt und unkompliziert, kein Freund endloser Diskussionen. Ich bin gespannt, viel von ihm über das Erzbistum zu lernen.

Worauf schauen Sie mit Respekt? Und was hilft Ihnen dabei, Mut zu fassen?

Die Größe und die Dimensionen des Bistums sind respekteinflößend, und ich muss mir bewusst sein, dass hier alles mindestens doppelt so groß ist wie gewohnt. Ich bin beeindruckt von den bereits begonnenen Wegen der Erneuerung im Erzbistum und möchte mich gerne daran aktiv beteiligen. Für mich persönlich ist es wichtig, zuzuhören, zu lernen und verstehen zu lernen. Was mir Mut macht, ist die Erfahrung, dass man gemeinsam viel erreichen kann.

„Es geht nicht nur darum,
was mir wichtig ist,
sondern was uns allen wichtig ist.“

Dr. Udo Markus Bentz,
designierter Erzbischof von Paderborn

Wie können die Gläubigen Sie in Ihrer Aufgabe unterstützen?

Begegnungen und der Austausch mit Menschen inspirieren mich. Ich bin neugierig darauf, was die Menschen antreibt, was sie stört, was sie ärgert und was sie freut. Dieser offene Dialog, auch wenn er manchmal anstrengend ist, ist notwendig und hilfreich. Ich glaube, ich kann dann ein guter Bischof sein, wenn die Menschen bereit sind, mit mir gemeinsam Christ zu sein, wie es einmal der heilige Augustinus formuliert hat.

Wie würden Sie auf eine Frage, die uns schon lange beschäftigt, antworten: „Wozu bist du da, Kirche von Paderborn?“

Die Kirche von Paderborn ist da, um Gott glaubwürdig in der Gegenwart zu bezeugen und den Menschen in ihrem Leben zu dienen.

Wen sollte die Kirche von Paderborn besonders in den Blick nehmen?

Besonders am Herzen liegen mir junge Menschen und diejenigen, die in Not sind.

Warum nennen Sie zuerst die jungen Menschen?

Sie sind Gegenwart und Zukunft der Kirche. Ich konnte viele junge Menschen in ihrem Leben begleiten, ihrer Berufung nachzuspüren. Junge Menschen suchen einen Weg in dieser Zeit, einen Platz und eine Aufgabe. Und das ist für junge Menschen manchmal sehr schwer. Junge Menschen geben unserer Kirche ein wunderbares Bild von Vielfalt, sie engagieren sich in Verbänden, Pfarreien und geistlichen Gemeinschaften. Fantastische Erfahrungen sind auch die internationalen Begegnungen bei Weltjugendtagen oder der Ministrantenwallfahrt.

Was würden Sie Kindern oder jungen Menschen sagen, die fragen: Wie kann ich heute als Christ leben?

Vertraue fest darauf, dass es kein Zufall ist, dass du existierst. Gott hat dir viel gegeben, was dein Leben sinnvoll und reich machen kann. Mach dich auf die Suche, stelle Fragen, und geh auf Entdeckungsreise, aber nie allein. Es gibt viele andere, die dieselben Fragen haben. Bringe dich in die Kirche ein, mit deinen Überzeugungen, Fragen und Zweifeln, und höre darauf, was die anderen beitragen. Entdecke die Kraft, die in Gottes Wort steckt.

Wenn Sie anhand eines Evangeliums die Botschaft Jesu entfalten sollten, welches würden Sie wählen?

Ganz klar die Emmaus-Erzählung, sie war schon als Theologiestudent für mich einer der spannendsten Texte im Neuen Testament. Vielleicht ist sie auch ein Bild für unsere Zeit, denn ich erlebe in unserer Kirche und in der Gesellschaft so ein ‚dahin schlurfen‘. So träge, wie sich die Jünger nach Emmaus geschleppt haben. Wir stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen – und schlurfen dahin. Wir erleben Antisemitismus in einer Dynamik, die ich mir nicht hätte vorstellen können. Und auch bei Mitarbeitenden in der Kirche erlebe ich dieses ‚schlurfen‘. Vielmehr müssen wir uns aufmachen und uns fragen: Habe ich etwas erfahren, das mir Kraft gibt? So wie den Jüngern in der Emmaus-Erzählung. Die Erfahrung: Gott geht mit!

Wo spüren Sie, dass Gott mit Ihnen geht?

Wenn ich auf lange Sicht auf mein Leben blicke, dann dass manche Zumutung im Leben zu einer Fügung wurde. Mein Gemütszustand am vergangenen Samstag nach der Nachricht aus Paderborn war katastrophal. Doch nach Gesprächen mit Mitgliedern des Domkapitels fand ich neuen Mut. Ein Zitat von Nelson Mandela, das ich auf der Website des Erzbistums gelesen habe – ‚Mögen deine Entscheidungen deine Hoffnung widerspiegeln, nicht deine Ängste‘ – hat mir Hoffnung gegeben. In solchen Situationen erahne ich, dass ich geführt werde. Dazu gehört sicher auch, dass ich jeden Abend das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit bete und versuche, Gottes Wirken zu entdecken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview-Setting

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
"Das Interview haben wir so kurz vor der Sendung geführt" - diese Aussage hört man oft in den Nachrichten im Fernsehen. Und so ist auch dieses Interview geführt worden, am frühen Samstagmorgen. Der neue Erzbischof von Paderborn, Dr. Udo Markus Bentz, stellt sich im ersten Interview den Fragen von Dirk Lankowski, Redaktionsleiter in der Abteilung Kommunikation.

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