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Erzbistum Paderborn
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Für den Online-Betrieb im Notfall gerüstet

Interview mit Prof. Dr. Kai G. Sander, Dekan Fachbereich Theologie an der katho NRW in Paderborn
Neubau Katho - Rückseite© Katho
Unsere Nachrichten
17. Dezember 2021
Paderborn

Für den Online-Betrieb im Notfall gerüstet

Interview mit Prof. Dr. Kai G. Sander, Dekan Fachbereich Theologie an der katho NRW in Paderborn

Paderborn ist ein Standort der Katholischen Hochschule in Nordrhein-Westfalen (katho). Im Interview gibt Prof. Dr. theol. Kai G. Sander, Dekan Fachbereich Theologie, Einblicke über die momentane Situation vor Ort, die Lage der katho zu den Pandemie-Zeiten und Hoffnungen für die Zukunft der Studierenden, Dozierenden und der katholischen Hochschule.

Redaktion

Wie ist momentan die Stimmung bei Studierenden und Personal?

Prof. Dr. Kai G. Sander

Im Sommer waren wir noch ganz zuversichtlich, dass die lange Zeit der Hochschulschließung nun endlich hinter uns liegt. Und als wir im September wieder in den Präsenzbetrieb einsteigen konnten, war die Freude über das „leibhafte“ Wiedersehen bei den Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden groß. Mittlerweile machen sich aber wieder Sorgen breit wegen der steigenden Infektions- und Hospitalisierungszahlen. Auch eine gewisse Enttäuschung, dass „das alles“ immer noch nicht überwunden ist, ist nicht zu leugnen. Aber wir versuchen, konstruktiv mit der Situation umzugehen, niemandem aus dem Blick zu verlieren, rücksichtsvoll zu sein – und wir haben ja auch schon ein bisschen Routine im „Pandemie-Betrieb“. Bisher konnten wir ermöglichen, dass alle unsere Studierenden im Fachbereich Theologie alle geplanten Studienziele und -abschlüsse erreichen konnten.

Redaktion

Im Bundesschnitt war die Impfbereitschaft der Studierenden sehr hoch. Können Sie dies für die KatHo Paderborn bestätigen?

Sander

Unter den Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden des Fachbereichs Theologie der katho NRW ist die Impfung annähernd vollständig. Nur bei nicht einmal einer Handvoll der Studierenden ist die Impfung noch nicht ganz vollständig, die meisten bemühen sich aber zurzeit schon um das „Boostern“. Deshalb fällt uns die Einhaltung der „3G-Regel“ auch leicht, weil faktisch bei allen Anwesenden der Impfstatus eindeutig feststeht.

Redaktion

Impfen ist für Sie?

Sander

Für mich ist das Impfen der einzige Ausweg aus dieser Pandemie! Ich habe ein hohes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der modernen Medizin und des Gesundheitswesens und es gibt meiner Meinung nach keine begründeten Zweifel an der Impfung. Diese Einschätzung teilen auch die Studierenden, die es auch als eine Maßnahme der gesellschaftlichen Solidarität und Nächstenliebe ansehen, sich impfen zu lassen, um so auch andere zu schützen. Gerade für der Mitarbeit in Seelsorge und Gemeinde ist die Impfung der einzige verantwortbare Weg, um den Menschen wirklich nahe sein zu können.

 

„Für mich ist das Impfen der einzige Ausweg aus dieser Pandemie! Diese Einschätzung teilen auch die Studierenden, die es auch als eine Maßnahme der gesellschaftlichen Solidarität und Nächstenliebe ansehen, sich impfen zu lassen, um so auch andere zu schützen.“

 

Prof. Dr. Kai G. Sander, Dekan Fachbereich Theologie an der katho NRW in Paderborn

 

Redaktion

Wie gut fühlen Sie sich an der KatHo vor Covid 19 geschützt? Welche Maßnahmen haben Sie in Absprache mit allen Beteiligten getroffen?

Sander

Auf der Ebene der gesamten Abteilung Paderborn der katho haben wir in enger Abstimmung beider Fachbereiche ein Hygiene-Konzept erarbeitet, das die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen genau umsetzt. Der Zugang zum Gebäude ist nur mit 3G-Nachweis möglich, Atemschutz und Händehygiene sowie Abstandsregeln werden umsetzt und Lehrveranstaltungen sind nur bis zur Obergrenze von 99 Personen erlaubt. Unser Konzept wurde durch die örtlichen Gesundheitsbehörden geprüft und bestätigt. Deshalb können wir uns in der Hochschule bei den Tätigkeiten der Lehre, der Verwaltung und der Forschung gut geschützt fühlen. Bedenklicher sind da eher die Anreise mit dem ÖPNV, die Praxis-Tätigkeiten im Umfeld des Studiums und die anderen „Außenkontakte“.

Redaktion

Wie funktioniert der Lehrbetrieb im Wintersemester?

Sander

Bisher konnten wir im Fachbereich Theologie die Lehrveranstaltungen noch in Präsenzform anbieten, da wir ja nur überschaubare Gruppengrößen haben. Trotzdem werden viele Lehrveranstaltungen zugleich auch live im Internet gestreamt und Vorlesungen auch aufgezeichnet. Da unser gesamter Bachelorstudiengang „Angewandte Theologie“ auch als Fernstudium verfügbar ist, können wir denjenigen unter den Studierenden, die wegen ihrer eigenen Gesundheit oder wegen Angehörigen aus der vulnerablen Gruppe lieber zuhause bleiben, auch eine aktive Teilnahme in räumlicher Distanz anbieten.

Redaktion

Gibt es an der KatHo in Paderborn – im Vergleich zu anderen Universitäten oder Hochschulen – Besonderheiten?

Sander

Für den Fachbereich Theologie gilt natürlich, dass in der besonderen Situation der Pandemie unsere überschaubare Größe ein echter Vorteil ist. Wir kennen alle Studierenden, so dass wir überhaupt nie eine Ausweiskontrolle durchführen mussten, wie dies an großen Hochschulen teilweise unverzichtbar ist. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die uns alle verbindende soziale, humane und christliche Grundhaltung zur gegenseitigen Rücksichtnahme führt. Deshalb habe ich keine Sorge, dass jemand um des eigenen Vorteilswillen andere in Gefahr bringen würde. Und ich hoffe, dass wir auch trotz aller Corona-Probleme keinen unserer Fachbereichsangehörigen aus dem Blick verlieren.

Redaktion

Was würde ein Lockdown für die Hochschulen bedeuten?

Sander

Wenn es soweit kommen sollte, dass wir die zweite Hälfte des Wintersemesters wieder ausschließlich „online“ lehren müssten, dann wären wir dazu bereit. Vor allem, wenn wir dadurch einen Beitrag zur allgemeinen „Kontaktreduzierung“ leisten könnten, würden wir dieses Opfer – denn das ist der Verzicht auf persönliche Begegnung, auf gemeinsame Gottesdienste, auf Treppenhaus- und Kaffeemaschinen-Gespräche etc. in jedem Fall – bringen. In unserem kleinen Fachbereich kommt noch dazu, dass unsere Studierenden sich auf die gesamte nördliche Hälfte Deutschlands verteilen (16 der 27 Diözesen), so dass für nicht wenige auch die Frage nach der Studentenwohnung in Paderborn bzw. der Rückkehr in die Heimat erhebliche finanzielle Konsequenzen hat. Ebenso stehen viele Studierenden-Jobs auf dem Spiel… Aber rein im Blick auf die Lehre können wir auch wieder komplett in den „Online-Betrieb“ gehen.

Redaktion

Die fünf (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen sind die Gesellschafter der Katholischen Hochschule NRW. Fühlen Sie sich durch die Träger gut unterstützt?

Sander

Seit dem 1.1.21 hat sich die Trägerschaft geändert, denn das Bistum Essen ist kein Gesellschafter mehr, dafür konnte die katho NRW das Bistum Osnabrück als neuen Träger gewinnen. Was sich aber nach wie vor bewährt, ist die sehr solide Ausstattung der Hochschule – gerade auch des Fachbereichs Theologie, der ohne staatliche Unterstützung auskommen muss und allein durch die kirchlichen Gesellschafter unterhalten wird. In der Pandemie hat sich erneut gezeigt, wie hervorragend unsere Hochschul-IT arbeitet und wie herausragend die technische Ausstattung ist. Die Lehrenden und Studierenden mussten manche Technik neu erlernen, aber die Träger haben immer ganz kurzfristig und zuverlässig geholfen und uns so durch diese schwierige Zeit geholfen.

Redaktion

Mit welchen Hoffnungen und Wünschen blicken Sie auf die neue Bundesregierung? Sind die Interessen der Hochschulen und Studierenden – im Besonderen auch der katholischen – ausreichend im Blick?

Sander

Bezüglich der „Corona-Lage“ kommt der Regierungswechsel meiner Meinung nach zur Unzeit, denn es entstand der Eindruck längerer Untätigkeit auf der Steuerungsebene in einer Phase der Pandemie, in der beherztes und sofortiges Eingreifen dringend nötig (gewesen) wäre. Ein „Schwarzer-Peter-Spiel“, bei dem jede Seite versucht, die unangenehmen Entscheidungen der anderen Seite zuzuschieben, bringt uns nicht weiter. Denn auch Untätigkeit kann nicht von der Verantwortung befreien, um die sich doch alle beworben hatten, die zur Wahl angetreten sind. Eine besondere Verpflichtung sehe ich hier bei den Personen, die sowohl der jetzigen wie der künftigen Regierung angehören.

Ansonsten ist ja von den Plänen der neuen Regierung bisher nur recht viel Papier bekannt, in dem ein Zukunftsbild von Deutschland entworfen wird, bei dem auf den ersten Blick wichtige soziale und ökologische Weichenstellungen vorgenommen werden, wenn auch manche bezweifeln, ob das schon ausreichend für eine Gesellschaft der Zukunft ist. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Kirchen und die christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft in diesen Entwürfen keine herausragende Rolle spielen. Man wird sehen, ob und wie das dann wirklich alles umgesetzt wird. Aber eine Konsequenz könnte sein, dass – gerade im Blick auf unsere Hochschule, unsere Forschung und unsere Studierenden – der Bedarf an sozialen, kulturellen und seelsorglichen Kompetenzen in einer Gesellschaft der Zukunft noch viel höher wird, auch wenn die Kirche als Träger solcher Dienste vielleicht weniger staatliche Wertschätzung erfahren wird. Aber wir sind und bleiben eine Hochschule, die aus christlicher Überzeugung arbeitet und eine kritische Zeitgenossenschaft wahrnimmt.

Hintergrund

An den vier Standorten der katho – Katholische Hochschulen in NRW – sind insgesamt sechs Fachbereiche mit ihrem jeweils individuellen Studienangebot angesiedelt: In Aachen, Köln, Münster und Paderborn gibt es jeweils den Fachbereich Sozialwesen, in Köln zudem das Gesundheitswesen und in Paderborn die Theologie. Die Gesellschafter der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen sind die (Erz-)Bistümer Aachen, Köln, Münster, Osnabrück und Paderborn. Sie stellen die Gesellschafter der Katholischen Fachhochschule Gemeinnützige Gesellschaft mbH. Die Organe dieser Gesellschaft sind die Gesellschafterversammlung, der Verwaltungsrat sowie die Geschäftsführung.

Ein Beitrag von:
Redakteur

Ronald Pfaff

 
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