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Erzbistum Paderborn
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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Ehre Gott Friede den Menschen

Die Predigt von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz anlässlich der Feier seiner Amtseinführung im Hohen Dom zu Paderborn am 10. März 2024. Lesen Sie die Predigt hier im Volltext

Wie fing alles an? Zu meiner Berufung gehört die Erfahrung, dass wir uns in einer kleinen Gruppe von Jugendlichen regelmäßig zum Bibelgespräch getroffen haben. Für manche meiner Freunde war das damals schon „komisch“. Wir aber teilten in unserer Gruppe miteinander, was wir während der Woche erlebt hatten. Unsere Frage war: Was hat unser erlebter Alltag mit einem Bibelwort konkret zu tun? Ich fand es faszinierend, mit Gleichaltrigen in dieser Art miteinander das Leben zu teilen. Das prägt mich bis heute. Und wenn Sie mich fragen: Nun, trägt dich denn das Evangelium tatsächlich über die Höhen – und entlang der Abgründe – deines Lebens? Auch vierzig Jahre nach diesen Erfahrungen als Jugendlicher kann ich sagen: Ja! Mich hat das Evangelium bisher getragen. Zwar habe ich gerungen, weil Gott mir in mancher Situation fremd und geheimnisvoll blieb. Dennoch: Wie oft wurde ich von der Kraft dieser Botschaft überrascht! Manche biblischen Worte sind mir auf meinem Lebensweg kostbar wie Edelsteine geworden – auch andere Worte begleiten mein Leben, wie zum Beispiel eines vom heiligen Ignatius von Loyola: „Handle so, als ob alles von dir und nichts von Gott abhängt. Zugleich aber vertraue so, als ob nichts von dir, sondern alles von Gott abhängt.“

Der Blick zurück auf das bisherige Leben sagt mir: Das Vertrauen in Gott ersetzt keinesfalls die eigene Anstrengung! Und umgekehrt: Von der eigenen Anstrengung hängt längst nicht alles ab. Ja, ich erkenne im Rückblick viel Fügung – Spuren Gottes. Zugleich weiß ich: Mein Lebensweg ist nicht nur Fügung, sondern auch Folge meines Handelns – und: Folge des Handelns der anderen. Manchmal zum Glück. Manchmal zum Leid. Aber ich kann dankbar sagen: „Gott wirkt mit!“ (Mk 16,20) Wieder so ein biblisches Wort, das mir kostbar geworden ist. Es steht am Ende des Markusevangeliums. Es ist mein bisheriges bischöfliches Leitwort. Gott wirkt mit. Mit dieser geistlichen Erfahrung komme ich nun zu Ihnen, hierher nach Paderborn. Ich möchte meine neue Aufgabe in diesem Vertrauen annehmen: Gott wirkt auch hier mit!

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Ich freue mich auf die Begegnungen mit Ihnen im Erzbistum, denn ich bin sicher: Auch Sie haben solche Erfahrungen gesammelt, wie Gott in ihrem Leben mitwirkt. Vielleicht haben Sie aber diese Erfahrungen auch nicht gemacht. Auch darüber können wir ins Gespräch kommen, wenn Sie wollen. Teilen wir miteinander die Erfahrungen, die uns tragen und Mut geben. Papst Franziskus ist der Überzeugung: „Das Gute neigt immer dazu, sich mitzuteilen.“ (EG Nr. 9) Als Kirche sind wir eine „Erzähl- und Ermutigungsgemeinschaft“. Also: Teilen wir miteinander, wie Gott in unserem Leben mitwirkt! Oder auch, wo wir sein Mitwirken vielleicht schmerzlich vermissen. Das tun wir oft zu wenig. Aber er gab den Jüngern nach Ostern Kraft und darin verspürten sie Freude: Sie haben einander erzählt, was sie mit dem lebendigen und auferstandenen Jesus erfahren haben. Sie haben erlebt: Gott wirkt mit! Das Wort des Evangelisten Markus zur Aussendung der Jünger damals macht Mut für unsere Sendung heute: Gott hält sich nicht raus! Er geht mit seinem Volk durch Hoch und Tief! Auch wenn wir als Kirche oft genug dahinstolpern und manchmal ungläubig auf der Stelle treten. Aber Angst und Verzagtheit sind keine Gaben des Gottesgeistes! Sie können dem Wirken Gottes sogar im Wege stehen! Vertrauen, Mut, Offenheit, Barmherzigkeit, Freude am Evangelium und eine gute Unterscheidung der Geister werden uns erleben lassen, dass Gott in dem mitwirkt, was wir in seinem Namen wirken! So bin ich also gespannt, welche Erfahrungen wir gemeinsam auf unserem künftigen Weg in dieser Spannung von Selbstwirksamkeit und Gottvertrauen machen werden.

Zwar verliert mein bisheriges bischöfliches Leitwort für mich nichts an Bedeutung, dennoch habe ich mir für meinen Neuanfang in Paderborn ein neues Leitwort gewählt: „Gloria Deo – Pax hominibus!“ (Lk 2,14) Gott die Ehre – Frieden den Menschen! Das Wort der Engel auf den Feldern von Bethlehem bei der Geburt Jesu. Auch das ist ein „Wort des Lebens“ für mich. Weshalb? Über Gott ins Gespräch zu kommen, wird immer schwerer. Gott spielt im Leben vieler, auch mir persönlich nahestehender Menschen keine Rolle mehr. Wahrscheinlich ergeht es ihnen ähnlich mit Familie oder Freunden: Man teilt so vieles miteinander im Leben, aber eben nicht mehr den Glauben. Es fehlt die Erfahrung, dass Gott in unserem Alltag seine Finger im Spiel haben könnte. Und für die, die diese Erfahrung machen, ist es oft ganz ungewohnt, auch darüber zu sprechen. Da gibt es eine große Sprachlosigkeit. So ist das heute: Ein Leben mit Gott ist nur eine Option, nur eine Möglichkeit unter vielen anderen, auf das Leben zu schauen (Hans Joas). Aber: Weil ein Leben ohne Gott eine Option ist, ist es eben auch eine Option, mit Gott zu leben! Und wer diese Erfahrung macht, für den wird Gott die unverzichtbare Option des Lebens.

Ich bin überzeugt, inmitten dieser Gesellschaft Gott wachzuhalten, das wird in den kommenden Jahren die eigentliche Herausforderung für uns sein. Gott also so die Ehre zu geben, dass es dem Frieden der Menschen dient. Und Friede meint hier das biblische Verständnis von „shalom“. Es geht um einen umfassenden Frieden von innen her, der vor allem in versöhnten Beziehungen wurzelt: zwischen Gott und den Menschen, innerhalb des Gottesvolkes, Versöhnung der Menschen untereinander in der Gesellschaft und in der Völkergemeinschaft, Versöhnung mit der Schöpfung. Unser Dienst als Kirche muss ein Dienst der Versöhnung sein. Hier hat die christliche Botschaft, hier haben die Kirchen mit ihrer Verkündigung, ihren seelsorglichen und caritativen Diensten, aber auch in ihrem gesellschaftlichen Engagement ein unverzichtbares Potenzial. Dafür sollten wir uns in die Pflicht nehmen lassen. Ein Dienst der Versöhnung, ein Dienst, Menschen zusammenzuführen, ein Dienst der Einheit, ein Dienst der Heilung, des Heils.

Kirche ist ein „Werkzeug der Einheit“. So verstehe ich auch meinen bischöflichen Dienst: Ich kann hoffentlich ein nützliches Werkzeug in der Hand Gottes sein für diese Einheit. Hört sich hochtrabend an. Das hat es aber in sich! Tatsächlich ist unsere Berufung als getaufte Christen in dieser Kirche keine geringere: Kirche ist nicht mehr als ein Werkzeug, Zeichen, Sakrament der Einheit zwischen Gott und den Menschen (LG 1). Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Das Werkzeug ist nicht um seiner selbst willen da. Wenn die Kirche Werkzeug ist, dann muss dieses Werkzeug auch brauchbar sein. Ein Werkzeug, das seinen Zweck nicht (mehr) erfüllt, wäre nutzlos. Und die Erfahrung der Nutzlosigkeit lastet oft wie Mehltau auf vielen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf ehrenamtlich Engagierten und anderen Gläubigen. Darüber werden wir reden – und darum ringen. Wir werden ausprobieren und verwerfen. Wir werden bewahren, aber auch erneuern. Was dient am meisten der Ehre Gottes mit all unseren Möglichkeiten, die wir als Kirche haben und wie wir als Kirche sind?

Deshalb bin ich auch schon gespannt auf die Begegnungen im Erzbistum, wenn ich bis zum Sommer alle neunzehn Dekanate besuche: Ich bin gespannt zu hören und zu lernen, welche Fragen die Menschen zum Beispiel in Dortmund umtreiben. Und das werden vielleicht andere sein als im Sauerland oder in den Diaspora-Gemeinden in Lippe oder in Herford. Darüber möchte ich mit ihnen ins Gespräch kommen: Was hilft am meisten, Gott inmitten unserer Gesellschaft wach zu halten, um als Kirche nützliches Werkzeug sein zu können? Und was macht es uns schwer, ein solches Werkzeug zu sein?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Wir dürfen nicht so tun, als hätten wir Gott immer „wissend in der Tasche“. Kirche als Werkzeug dafür, Gott inmitten der Menschen lebendig zu halten, das heißt: aufeinander hören, was die Menschen umtreibt und was das Leben ihnen heute zumutet; gemeinsam zu fragen, wie eine Antwort, von Jesus Christus und seinem Evangelium her aussehen könnte; es aushalten können, dass es an verschiedenen Orten auch zu verschiedenen Antworten kommen kann und kommen darf; aber auch in Bescheidenheit aushalten, dass Gott nicht immer nur die Antwort ist, sondern selbst eine Frage bleibt, weil er der geheimnisvolle, uns unverfügbare Gott ist – gerade auch an der Seite der leidenden Menschen.

Schwestern und Brüder, das sind nur ein paar Gedankensplitter aus all dem, was mich die letzten Wochen bewegt hat. In Mainz konnte ich mich dankbar verabschieden. Jetzt bin ich hier: noch nicht zuhause, aber ich habe hier viel Herzlichkeit erfahren und viele Menschen erlebt, die sich freuen und sich engagieren wollen für den gemeinsamen, vor uns liegenden Weg. Ganz ehrlich: bei aller Anspannung, allem Respekt und einer gewissen Unsicherheit dennoch – ich freue mich wirklich auf Sie und den vor uns liegenden gemeinsamen Weg!

Es gilt das gesprochene Wort.

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