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Erzbistum Paderborn
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Der faszinierende Blick in den Himmel

Der Evangelist Matthäus erzählt, dass ein Stern die „Sterndeuter aus dem Osten“ zu Jesus führte. Hält der Blick in den Himmel tatsächlich Erkenntnisse parat - auch heute?
Belish / Shutterstock.com
Unser Glaube
04. Januar 2022

Der faszinierende Blick in den Himmel

Der Evangelist Matthäus erzählt, dass ein Stern die „Sterndeuter aus dem Osten“ zu Jesus führte. Hält der Blick in den Himmel tatsächlich Erkenntnisse parat - auch heute?

Ein Blick in den Himmel kann erstaunliche Folgen haben. Das sieht man zum Beispiel an den Sterndeutern aus dem Osten, die im Matthäusevangelium den neugeborenen Jesus aufsuchen (vgl. Mt 2, 1-12). Den Männern, so erzählt es Matthäus, fiel beim Blick in den Himmel ein besonderer Stern auf. Sie schlossen daraus, dass der „König der Juden“ geboren worden war und machten sich auf den weiten Weg, der sie schließlich nach Betlehem führte – wo sie auf Jesus trafen.

Nun steht das Fest dieser Sterndeuter, die als „Heilige drei Könige“ Berühmtheit erlangten, kurz bevor. Grund genug zu fragen, warum Menschen heute in den Himmel blicken – und was sie heute dort sehen.

Ein unglaublicher Anblick

Einer dieser Menschen ist Frank Bewermeyer von der Volkssternwarte Paderborn in Schloß Neuhaus. Er blickt regelmäßig durch große Teleskope in den Nachthimmel und ist fasziniert: „Diese unzähligen leuchtenden Punkte sind einfach ein unglaublicher Anblick“, sagt er. „Und wenn man dann noch weiß, was man da sieht und wie weit das alles weg ist, ist die Faszination noch größer.“

Ein unendliches Nichts?

Dr. Werner Sosna vom Bildungs- und Tagungshaus Liborianum teilt diese Faszination. „Als Theologe stellt sich mir dabei natürlich auch die Frage, wie man den Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls mit dem Glauben an die Schöpfung zusammenbringt.“ Um solchen Fragen auf den Grund zu gehen, hat er im Herbst gemeinsam mit Frank Bewermeyer einen Bildungstag im Liborianum angeboten. Der Titel: „Der Mensch im Kosmos – verloren im All?“

Faszination sei eben nicht das einzige, was man beim Blick ins Universum empfinden könne, so Werner Sosna. „Diese gewaltigen Dimensionen können ja auch verstörend wirken“, sagt er. „Man fragt sich ja schon, was es mit dem Menschen macht, wenn er begreift, dass er aus kosmischer Perspektive im Grunde bedeutungslos erscheint.“ Der Philosoph Friedrich Nietzsche habe dazu die passenden Worte gefunden: „Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an?“

„Die Verbindung der Menschen zum Nachthimmel war zur Zeit Jesu enger“

Den Sterndeutern aus dem Osten seien solche Gefühle der Verlorenheit fremd gewesen, vermutet Frank Bewermeyer. „Die Menschen zur Zeit Jesu kannten die wahren Dimensionen des Universums nicht und hatten eine viel engere Verbindung zum Nachthimmel als wir es heute haben. Es gab ja auch viel weniger Ablenkung als heute.“ Diese enge Verbindung könne vermutlich auch erklären, wieso man Himmelserscheinungen direkt auf tatsächliche Ereignisse auf der Erde bezogen habe – etwas, was heute nur schwer nachzuvollziehen sei.

„Man wird einfach demütiger“

Trotzdem ist Frank Bewermeyer der Meinung, dass der Blick in den Himmel auch heute noch das Verhalten beeinflussen könne. „Man wird einfach demütiger“, sagt er. „Wenn ich mir durch den Blick in den Nachthimmel immer wieder vor Augen führe, wie klein und bedeutungslos die Erde letztlich ist, wirkt sich das auch auf das eigene Handeln aus. Man sieht eben alles in anderen Relationen.“

Die Erhabenheit von Welt und Kosmos

Löst der Blick in den Himmel heute also vor allem die Erkenntnis aus, dass der Mensch kosmisch gesehen bedeutungslos ist? Nicht unbedingt. „Der Blick ins Universum kann uns auch die Erhabenheit von Welt und Kosmos bewusst machen“, meint Werner Sosna. „Wir können uns von der Schönheit des Universums berühren lassen. Wir können darüber staunen und uns darüber dem Glauben nähern, dass Gott das alles geschaffen hat.“

„Gott ist bei uns“

Psalm 8 sei ein ausdrucksvolles Beispiel für dieses Staunen, so Werner Sosna. Und auch dafür, wie die grandiose Schöpfung den Menschen Gott näher bringe. Im Psalm heiße es: „Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Ps 8, 4-5)

Solche Worte machten deutlich, dass der Mensch sich trotz der gewaltigen Dimensionen nicht allein und verloren im riesigen Universum fühlen müsse, ist Werner Sosna überzeugt. „Im Gegenteil: Wir können nachempfinden, dass Gott bei uns ist.“

Waren Jupiter und Saturn der „Stern von Bethlehem“?

Bleibt die Frage, was die Sterndeuter aus dem Osten am Himmel eigentlich gesehen haben könnten, als sie aufbrachen, um den „neugeborenen König der Juden“ zu suchen. „Es gibt mehrere Theorien“, so Frank Bewermeyer. „Am wahrscheinlichsten ist es, dass Jupiter und Saturn damals sehr nah beieinander standen – natürlich von der Erde aus gesehen.“ So erschien eine sehr auffällige Konstellation am Himmel, welche die Blicke der Menschen auf sich zog.

„Dieser ungewöhnliche Stern ist für die Sterndeuter dann zum Zeichen geworden, dass etwas ganz Außergewöhnliches geschehen sein musste“, ergänzt Dr. Werner Sosna. „Und was das ist, hat der Evangelist Matthäus schon zuvor erklärt: Jesus ist der Immanuel, was nichts anderes heißt als ‚Gott mit uns‘ (Mt 1,23). Diese Zusage gilt ganz unabhängig davon, wie groß das Universum ist.“

aus Psalm 8

Seh ich deine Himmel,
die Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.

(Ps 8, 4-6)

Ein Beitrag von:
Redaktion

Dr. Claudia Nieser

 
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