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Erzbistum Paderborn
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„Der Anreiz zum Umdenken kommt zur richtigen Zeit“

Diözesanbaumeisterin Carmen Matery-Meding zieht positives Zwischenfazit zur Umsetzung der Immobilienstrategie
© SewCream/Shutterstock.com
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22. November 2022
Paderborn

„Der Anreiz zum Umdenken kommt zur richtigen Zeit“

Diözesanbaumeisterin Carmen Matery-Meding zieht positives Zwischenfazit zur Umsetzung der Immobilienstrategie

Viele Gläubige blicken mit gemischten Gefühlen auf die Immobilienstrategie des Erzbistums Paderborn. Bei der geplanten Anpassung der kirchlichen Gebäudeflächen auf zukünftige Bedarfe paaren sich hohe Erwartungen mit teils großen Befürchtungen. Im Interview spricht Diözesanbaumeisterin Carmen Matery-Meding über den aktuellen Stand der Umsetzung, die Beteiligung der Pastoralen Räume und die Installierung eines zweiten Beratungsteams.

Frau Matery-Meding, wie läuft’s mit der Immobilienstrategie?

Es läuft gut.

Haben Sie die Kritiker beruhigen können?

Direkte Kritik hält sich in Grenzen. Wichtig ist es, den Gläubigen mögliche Befürchtungen und Ängste zu nehmen. Das Vorhaben berührt Emotionen, besonders der Menschen vor Ort in den Städten und Dörfern.

Wie stellen Sie das an?

Mit vielen Beteiligten aus den Bereichen Bauen, Finanzen und Seelsorge des Erzbischöflichen Generalvikariates klären wir über die Hintergründe der Immobilienstrategie auf. Wir sind ansprechbar, beantworten den Menschen ihre Fragen und gehen auf die Belange der Kirchengemeinden ein. Dann begegnet uns Verständnis für die Notwendigkeit, sich in diesen Zeiten der Veränderung des kirchlichen Lebens über die insgesamt mehr als 3000 Bestandsimmobilien und ihre künftige Nutzung verbindlich Gedanken zu machen. Das erste Ziel ist und bleibt, dass die Kirchengemeinden als Eigentümer der vorhandenen Gebäude – ob sakrale oder profane – prüfen, wie sie diese in Zukunft sinnvoll verwenden und unterhalten möchten.

Trotzdem wollen Sie mit der Immobilienstrategie die Kirchengemeinden zu deutlichen Einsparungen bewegen?

Die Immobilienstrategie will einen Anreiz schaffen, dass sich Kirche vor Ort ebenso wie vernetzt im ganzen Erzbistum für die Zukunft aufstellt und fit macht. Wichtig ist dabei, sich zu vernetzen. So können zusätzlich Synergien entstehen, die für alle pastoral, finanziell und immobilientechnisch positive Effekten bringen. Die finanziellen Möglichkeiten, der tatsächliche Bedarf an kirchlichen Gebäuden und vor allem die Ausrichtung der seelsorglichen Arbeit sind natürlich jeweils mit zu bedenken. Das haben die Kirchengemeinden auf Ebene der Pastoralen Räume längst im Blick. Jedem ist klar, einfach weiter zu machen wie bisher, Augen zu und durch, wird nicht funktionieren. Warum dann nicht jetzt die Chancen nutzen, die sich bieten?

Aber kommt dieser Anreiz nicht zu spät?

Das denke ich nicht. Wenn ich mir die derzeitigen Entwicklungen aufgrund von Pandemie, Energiekrise und Wirtschaftslage ansehe – das alles hat auch erhebliche Auswirkungen auf das kirchliche Leben – dann, würde ich sagen, kommt der Anreiz zum Umdenken zur richtigen Zeit. Er baut auf die bisherigen Veränderungserfahrungen von Kirche auf und unterstützt die Neuausrichtung über die Gegenwart hinaus auf die Zukunft hin. Zu beobachten ist jedenfalls, dass die Immobilienstrategie gut angenommen wird. Viele Pastorale Räume beteiligen sich. Die Nachfrage ist groß. Wir müssen sehen, dass wir hinterher kommen. Ich halte das jetzt für den richtigen Zeitpunkt.

Wie reagieren Sie auf die starke Nachfrage, damit es zu keinen Verzögerungen kommt?

Ein Prozess mit vielen Beteiligten benötigt eine gute Planung und professionelle Moderation. Hier bieten wir Unterstützung durch Experten an. Für die Fachberatung ist ein vierköpfiges Team aus Immobilien-, Finanz- und Seelsorgefachleuten im ganzen Erzbistum unterwegs. Es berät und begleitet die Kirchengemeinden in den Pastoralen Räumen auf dem je individuellen Weg. Um das Team zu entlasten und mehr Kirchengemeinden intensiver zu unterstützen, werden wir in Kürze ein zweites Beratungsteam installieren. Damit werden wir weiter gut vorankommen und die Zeit gemeinsam nutzen können.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Kirchengemeinden?

Das ist unterschiedlich und wir sind noch am Anfang. Es gibt ein gutes Miteinander. Die Beraterinnen und Berater profitieren von direkten Rückfragen, Anmerkungen oder Hinweisen. Da geht es darum, was für die Anwendung der Immobilienstrategie noch an Informationen fehlt, was benötigt wird, auch was bei der Umsetzung praktisch besser gemacht werden kann. Umgekehrt signalisieren Kirchengemeinden häufig Dankbarkeit für die nun anstehende Unterstützung, weil sie sich zum Beispiel überfordert fühlen, fachlich oder auch emotional. Das betrifft nicht nur hauptamtlich Tätige, sondern auch ehrenamtlich Engagierte. Gerade durch das Beratungsteam fühlen sich Kirchengemeinden nicht alleine gelassen. So kann der Austausch beidseitig zur weiteren Professionalisierung führen.

„Das Geld, das zur Verfügung steht, wird weiterhin ausgeschüttet. Aber nicht irgendwie mit der Gießkanne, sondern überlegt und zielgerichtet. Für die Verteilung der Ressourcen braucht es Kriterien. Diese Kriterien haben wir. Dabei produziert die Immobilienstrategie keine Gewinner und Verlierer. Wir alle sitzen im selben Boot.“

 

Carmen Matery-Meding

Was entgegnen Sie, wenn Ihnen vorgehalten wird, mit der Immobilienstrategie würde die Verantwortung von der Bistumsleitung auf die Kirchengemeinden abgeschoben werden?

Diese Meinung begegnet mir nur selten. Ich denke, dass dieser Vorwurf unberechtigt ist. Im Gegenteil. Es ist klug und um ein Vielfaches besser, dass nicht zentral für alle entschieden wird, sondern die Kirchengemeinden ohne Bevormundung selbst entscheiden, wie sie Kirche vor Ort sein können und wollen. Aus meiner Sicht wird hier Verantwortung nicht abgeschoben. Hier werden vielmehr Selbstbestimmung, Beteiligung und Mitnahme stark gemacht. Die Musik spielt nun mal vor Ort in den Kirchengemeinden. Sie sind eigenverantwortlich und treffen die Entscheidungen. Das ist ja nicht neu und auch richtig so. Nur wird es jetzt noch einmal deutlich.

Allerdings hört Selbstbestimmung offenbar dort auf, wo es um Geld geht. Denn das soll ja eingespart und gekürzt werden.

Zuschüsse werden nicht gestrichen. Das Geld, das zur Verfügung steht, wird weiterhin für Baumaßnahmen der Kirchengemeinden verwendet. Aber nicht irgendwie mit der Gießkanne, sondern überlegt und zielgerichtet. Für die Verteilung der Ressourcen braucht es Kriterien. Diese Kriterien haben wir. Dabei produziert die Immobilienstrategie keine Gewinner und Verlierer. Wir alle sitzen im selben Boot.

Wie wollen Sie dann als gemeinsame Herausforderung mit den zunehmenden Kostensteigerungen im Handwerk und im Bau umgehen?

Engpässe beim Material oder erhöhte Energiekosten kann es geben. Starke Teuerungen erleben wir ja gerade auch in der Baubranche. Solche Preisexplosionen können dann zu verzögerten Fertigstellungen und teilweise zu Auseinandersetzungen um vereinbarte Preise führen. Besonders bei laufenden Bauvorhaben ist das ein großes Problem. Allerdings kann das immer nur individuell für jede Baumaßnahme im Einzelnen betrachtet werden. Allgemein gilt, dass das zur Verfügung stehende Bau-Budget nicht beliebig ausweitbar ist. Wie in anderen Bereichen auch, kann nur das Geld verausgabt werden, was zur Verfügung steht. Wenn die einzelnen Baumaßnahmen mehr kosten, wird es in Zukunft weniger Projekte geben können.

Was können Kirchengemeinden tun, wenn sich jetzt oder später Finanzierungslücken auftun?

Ein Puffer für Unvorhergesehenes sollte in jeder Kostenkalkulation berücksichtigt werden. Zudem sollte der Haushalt nie bis an die belastbare Grenze ausgeschöpft werden. Da unterscheidet sich eine Pfarrei nicht von dem privaten Haushalt. Sollte sich wirklich einmal eine Finanzlücke auftun, dann ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen. Aber auch hier kann ich keine pauschale Empfehlung geben. Jeder Einzelfall ist anders und benötigt eine individuelle Lösung.

Dürfen Kirchengemeinden Kooperationspartner einbinden oder auf Investoren zurückgreifen, um Finanzierungen zu sichern?

Kooperationspartner bzw. Investoren einzubinden, ist mit ein Ziel der Immobilienstrategie. Viel hängt hier natürlich von der Suche nach einem passenden Partner ab. Unsere Beratung unterstützt auch an dieser Stelle die Kirchengemeinden und gibt Anregungen im Hinblick auf mögliche Partner. Optimal wäre es, wenn vor Ort schlecht genutzte Fläche abgegeben werden könnte und eine neue Nutzung mit hohem Mehrwert an dieser Stelle entsteht. Hier können passende Kooperationspartner eine große Chance sein.

Markiert die Immobilienstrategie den Anfang vom Rückzug der Kirche aus der Fläche?

Nein. Die Immobilienstrategie ist kein politisches Positionspapier für eine bestimmte Gestalt kirchlichen Lebens. Sie bildet einen Rahmen, der das Überprüfen zukünftiger Bedarfe fördert und eine Besitzstandswahrung um jeden Preis wenigstens in Frage stellt.

Welchen Einfluss auf die Umsetzung der Immobilienstrategie haben aktuelle Maßnahmen zur Bewahrung der Schöpfung oder zum nachhaltigen Einsatz von Energie?

Nachhaltiges Handeln beginnt mit der wichtigen Fragen danach, was langfristig mein wirklicher Bedarf an Fläche ist. Wenn einmal klar ist, welche Gebäude ich zukünftig weiter für die seelsorgliche Arbeit benötige, erst dann stehen die Überlegungen zu alternativen Energien an. Nicht umgekehrt. So ergibt es ja auch überhaupt keinen Sinn, hohe Betriebskosten für ein schlecht genutztes Gebäude aufzuwenden. Hohe Betriebskosten belasten die gemeindlichen Haushalte, können aber auch die Ermittlung des wirklichen Flächenbedarfs beschleunigen.

Ein Beitrag von:
© ThF-PB

Benjamin Krysmann

 
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