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29
Juni
2020
29.Juni.2020

Wie der neue Alltag in den katholischen Kitas jetzt aussieht

Eingeschränkter Regelbetrieb seit Anfang Juni: Drei Erzieherinnen aus den katholischen Kitas im Erzbistum erzählen, wie das klappt

In der Kita St. Kilian in Paderborn gibt es nun jeden Morgen das Lied „Happy Birthday“ zu hören – und das mehrfach. Das Erzieherinnen-Team um Leiterin Lioba Thonemann hat mit den 45 Kindern eingeübt, den Text während des Händewaschens zu singen. Das ist nun täglich der erste Schritt, wenn die Kinder in die Kita kommen, sagt Thonemann. „Die Kinder machen das wirklich verantwortungsbewusst“, fügt sie hinzu und erzählt mit einem Lachen von Kindern, die die ausgehängten Anleitungen zum Händewaschen teils haargenau studieren und alle Schritte nachmachen.

Hygiene wird seit der Wiedereröffnung der Kitas noch größer geschrieben, als ohnehin zuvor schon. Vor und nach Frühstück und Mittagessen werden Tische und Stühle desinfiziert, Besucher dürfen die Kita nur mit Mundschutz betreten und Kinder aus verschiedenen Gruppen werden strikt voneinander getrennt. Doch genau das war für die Kita St. Kilian besonders schwierig, erzählt Lioba Thonemann.

Normalerweise setze man nämlich auf das Prinzip der offenen Werkstattarbeit. Ob Kreativ-, Musik, Bau-, Spiele- oder Bewegungswerkstatt: Kinder können dort spielen, wo sie wollen und mit wem sie wollen. Feste Gruppen gab es nicht – jetzt gezwungenermaßen schon. Das Vogelnest – also Räumlichkeiten, in denen die Unter-Dreijährigen miteinander in Sicherheit und in ihrer eigenen Umgebung spielen konnten – wurde sozusagen aufgelöst. „Wir mussten alles zurückbauen“, sagt Thonemann. „Für uns ist das, als wären wir eingesperrt. Am Anfang hatten die Kinder, weil sie es ganz anders gewohnt sind, wirklich Schwierigkeiten damit und haben gefragt, warum sie nicht zu den anderen Kindern rüber gehen dürfen.“

Vorkehrungen in den Kitas

Absperrung in Kita
Absperrung sorgen dafür, dass die beiden Gruppen sich nicht begegnen. Foto: Till Kupitz
Flatterband im Außenbereich
Flatterband auf dem Außengelände weist den Weg, damit bei den Abhol- und Bringzeiten die Eltern direkt vom Hintereingang des Geländes zur Tür gehen. Foto: Till Kupitz

Dankbar, dass es endlich wieder los geht

Die Kita Mariä Königin im sauerländischen Hallenberg war hingegen teiloffen: Es gab schon vor der Corona-Pandemie feste Gruppen, doch die Kinder konnten auch zusammen auf den Fluren spielen. Darauf müssen sie nun genauso verzichten wie auf das Bällebad oder Spielzeug von Zuhause, das nicht mehr mitgebracht werden darf. „Das alles fehlt den Kindern schon“, bemerkt Jennifer Schauerte, Leiterin dieser katholischen Kita. Auch hier ist Händewaschen nun noch öfters an der Tagesordnung. Die Kinder verständen meist sehr gut, dass es durch das Corona-Virus gewisse Einschränkungen gibt, erklärt Schauerte.

100 Kinder besuchen die Mariä Königin, für jede der fünf Gruppen gibt es einen eigenen Ein- und Ausgang und ein Bad, sodass Berührungspunkte nie bestehen. Für die Nutzung des Außenbereichs spräche man sich unter den Erzieherinnen immer ab. „Das klappt bislang total super“, sagt Jennifer Schauerte. „Auch mit den Eltern haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Alle waren dankbar, dass es endlich wieder losgeht.“

Monika Fritz, Leiterin der Kita Herz Jesu in Paderborn, berichtet ebenfalls von einer großen Erleichterung bei den Eltern, seitdem am 8. Juni der eingeschränkte Regelbetrieb eingeführt wurde. Die gebuchte Stundenanzahl (45, 35 oder 25 Stunden) wurde jeweils um zehn Stunden reduziert. Die Zahlen zeigen hier: 39 der 42 Kinder, die die Kita besuchen, waren direkt wieder da – und sorgten für eine kleine Überraschung beim Erzieherinnen-Team: „Wir waren total erstaunt, wie toll die Kinder drauf waren“, berichtet Fritz. „Auch Kinder, die über längere Zeit während der Phase der Notbetreuung gar nicht bei uns waren, hatten fast durch die Bank kein Problem damit, dass die Eltern sie an der Tür abgeben und direkt wieder gehen.“ In der recht kleinen Kita, mitten in Paderborn, laufe es soweit wirklich gut. „Bis auf die strikte Trennung der beiden Gruppen schaffen wir es, den Kindern einen möglichst normalen Kita-Alltag zu bieten“, sagt Monika Fritz.

„Die Kinder gehen mit allem lockerer um als wir Erwachsene. Vor allem die Großen freuen sich, dass sie wieder zusammen sind. Am Ende machen es alle Kinder ganz toll.“

– Lioba Thonemann, Leiterin der Kita St. Kilian

Eine enorme Herausforderung

Auch in Herz Jesu arbeite man normalerweise teiloffen, doch jetzt sind die Kinder ausschließlich in ihren Stammgruppen. Wegen der Nutzung der Funktionsräume und des Außengeländes stimme man sich immer ab, so Fritz: „Die Kinder machen da überall ganz toll mit und sind fantastisch. Sie wussten schon viel über das Virus und dass manche Dinge nun eben zurzeit nicht möglich sind. Für unsere Kita ist es auch deshalb wirklich sehr entspannt verlaufen bislang.“ Das häufige Händewaschen sei ohnehin fest verankert. „Für uns waren die Hygieneauflagen nicht ganz so dramatisch.“ Dennoch ist die ganze Situation schon auch anstrengend, beschreibt Monika Fritz, weil eben auf so viel mehr geachtet werden muss.

Diese Belastung spürt auch Lioba Thonemann von der Kita St. Kilian. Die 54-Jährige musste schon vor dem eingeschränkten Regelbetrieb oft nach Feierabend oder am Wochenende noch arbeiten, weil für Bürotätigkeiten im gegenwärtigen Kita-Alltag durch Krankheitsausfälle und dem Ausfall des Internets viel weniger Zeit blieb. „Ich bin schon an meine Grenzen gekommen, weil der Spagat zwischen Leitungsaufgaben und Kinderbetreuung oftmals schwierig war.“

Kinder sind ausgeglichener

Das gesamte Personal ist aufgrund der strengen Trennung der beiden Gruppensettings zeitlich stark eingespannt, sagt Thonemann. Bei den Kindern sei davon aber nichts zu spüren: „Die gehen mit allem lockerer um als wir Erwachsene. Natürlich gibt es immer den einen oder anderen, der mehr Betreuung und Zuwendung benötigt – gerade die Kleinen verstehen die Situation manchmal nicht so ganz. Aber die Großen freuen sich, dass sie wieder zusammen sind. Am Ende machen es aber alle Kinder ganz toll.“

Auch Lioba Thonemann hatte sich eigentlich schon darauf vorbereitet, dass am ersten Tag der Wiederöffnung viele Tränen fließen würden und Kinder neu eingewöhnt werden müssten. „Das hat aber alles prima geklappt. Damit habe ich nicht gerechnet.“ Gleiches gilt für die Kinder in Hallenberg. Es sei der Wahnsinn, wie sich die Kinder entwickelt und was sie für Sprünge gemacht haben, sagt Leiterin Jennifer Schauerte. „Auch Kinder, die vorher Schwierigkeiten hatten, tauen jetzt mehr auf. Viele Eltern sind einfach froh, dass sie entlastet werden und sagen, dass ihre Kinder nun wieder glücklicher und ausgeglichener sind.“

Ein Beitrag von:

Till Kupitz
Freier Journalist
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