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18
Mai
2020
18.Mai.2020

Welterbestätte öffnet an acht Tagen

Restauratorische Arbeiten sind hinter den Kulissen zügig vorangekommen

Die Welterbestätte Corvey öffnet am langen Himmelfahrtswochenende und zu Pfingsten an insgesamt acht Tagen. Auf diesen gemeinsamen Weg haben sich die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus und das herzogliche Haus verständigt. Es gelten Maskenpflicht, Hygienebestimmungen und Abstandsregeln. Kirche, Friedhof und Westwerk sind von Mittwoch, 20., bis einschließlich Sonntag, 24. Mai, sowie vom 30. Mai bis zum 1. Juni jeweils von 10 bis 18 Uhr für Einzelbesucher geöffnet. An Christi Himmelfahrt, 21. Mai, feiert die Gemeinde wieder einen öffentlichen Gottesdienst in der ehemaligen Abteikirche. Beginn ist um 8.30 Uhr.

Der wegen der restauratorischen Arbeiten noch eingerüstete Johanneschor bleibt geschlossen. „Die Enge des Treppenhauses lässt eine Öffnung nicht zu“, begründet Josef Kowalski, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, diese Vorsichtsmaßnahme vor dem Hintergrund der Abstandsregeln. Die Mindestabstände sind auch der Grund dafür, dass maximal 20 Besucher gleichzeitig in der Kirche sein dürfen. Zwei Aufsichten, von denen eine am Eingang steht, behalten die Gästezahlen im Blick. Am Kirchenportal können sich die Besucher an einem Aufsteller über die coronabedingten Regelungen informieren.

Von Monat zu Monat

Während der Saisonbeginn sich bedingt durch die Corona-Pandemie verzögert – „wir schauen von Monat zu Monat“, sagt Josef Kowalski -, liefen hinter den Kulissen der prachtvollen Westwerk-Fassade das ganze Frühjahr über die restauratorischen Arbeiten wie am Schnürchen. In der Erdgeschosshalle stehen sie kurz vor dem Abschluss. Die Balganlage der Orgel ist auch bereits in den Dachraum über dem barocken Kirchenschiff eingezogen.

Spektakulärer Einsatz in Corvey: Die Elemente der Balganlage der restaurierten Orgel fliegen an den Türmen des Westwerks vorbei in den Dachraum der Kirche.
Ein Handwerker auf dem Dach gibt Zeichen und nimmt das schwebende Element in Empfang.

Einen halben Meter tiefes Loch

Es geht also voran im Welterbe am Weserbogen. Und das auf durchaus spektakuläre Art und Weise: In der quadratischen Erdgeschosshalle des Westwerks mit ihrem Kreuzgratgewölbe bewegten sich Menschen in Schutzanzügen zwischen Behelfswänden und verhüllten Kapitellen. An der Nahtstelle zur Kirche versteckte sich hinter einer Einhausung aus atmungsaktiver Folie auf einer Fläche von einem Meter Länge und 80 Zentimetern Breite ein Loch, das fast einen halben Meter tief blicken ließ. Diese Szenerie könnte einem Fantasy-Film entsprungen sein, ist sie aber nicht. Die Menschen in Schutzanzügen sind Restauratoren. Sie nahmen sich der Säulen und Pfeiler an. Die Natursteinoberflächen der mittleren Rundsäulen waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einem halbtransparenten, gering rosafarbenen Anstrich versehen worden. Diesen haben die Restauratoren mit einem sehr weichen Strahlgut auf Kunststoffbasis abgestrahlt.

„Mit dem gleichen Verfahren sind auch die durch Alterungsprozesse entstandenen Gipskrusten in den Sockelzonen der Stützen im Erdgeschoss des Westwerks entfernt worden“, erläutert Karen Keller, die die restauratorische Fachbauleitung im Westwerk innehat. Die schmucken korinthischen Kapitelle und Kämpfergesimse haben von all dem nichts mitbekommen. Sie „schlummerten“ zum Schutz vor Staub hinter Hussen. Das war auch der Fall, als Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) kürzlich eine Stelle im Boden zwischen Westwerk und Kirche in Augenschein nahmen. Die Wissenschaftler wollten prüfen, ob die Fundamente und die Stahlträger für die denkmalrechtlich bereits genehmigte Glaswand zur Abtrennung des Kirchenraums im Boden karolingische Substanz tangieren.

Ursprungsbestand wird nicht angetastet

„Das ist nicht der Fall“, fasst Architekt Albert Henne aus Höxter, der imAuftrag der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey die laufenden Baumaßnahmen im Westwerk betreut, die Ergebnisse der Sondage zusammen. „Das karolingische Fundament ist tief genug. Zwischen ihm und der Unterkante der Betonsohle liegen 45 Zentimeter“, konstatierte der Architekt, während er mit der Taschenlampe in das Loch im Boden hineinleuchtete. Der Glastrennwand steht also auch aus archäologischer Sicht nichts mehr im Wege.

Damit die Wissenschaftler in die Tiefe blicken konnten, mussten Fachhandwerker zunächst den Boden öffnen. Steinmetze lösten vorsichtig die Sandsteinplatten aus ihrem Mörtelbett. Mittels Kernbohrung wurden dann Teile der darunter liegenden, zehn Zentimeter starken Betonsohle heraus gefräst.Zum Vorschein kamen eine Sand- und Kiesfüllung und darunter schließlich das Fundament aus karolingischer Zeit. Dieser Ursprungsbestand wird nicht angetastet – so wie es bei sämtlichen Baumaßnahmen zum Erhalt und zur Erschließung des Westwerks oberste Maxime ist.

Architekt Albert Henne leuchtet in das Loch für die archäologische Sondierungen im Boden zwischen Westwerk und Kirche.
Architekt Albert Henne leuchtet in das Loch für die archäologische Sondierungen im Boden zwischen Westwerk und Kirche. Foto: Kirchengemeinde Corvey
Die Fachleute bringen die insgesamt vier Bälge der Orgel an Ort und Stelle.

300 Kilogramm schwere Elemente

Diese Arbeiten in der Eingangshalle des Westwerks stehen kurz vor dem Abschluss. Der Raum erstrahlt in Kürze wieder in ursprünglichem Licht. Für die Glaswand sind als nächster Schritt die Ausschreibungen an der Reihe. Vorher loten Experten noch mit Hilfe eines Dummys aus, wie sich die etwa 300 Kilogramm schweren Elemente unter die Gewölbescheitel bewegen lassen. Dabei greifen der Architekt und die weiteren Fachleute auf die Folienwand zurück, die sie im Zuge der Luftstrommessungen im Westwerk konstruiert hatten.
Nach der Saison, die immer Anfang November endet, soll dann die „echte“ Wand eingebaut werden. Sie stellt in erster Linie die Integrität des Sakralraums als Ort der Liturgie und des Gebets sicher und dient außerdem als Projektionsfläche für die multimediale Inszenierung der monastischen Geschichte Corveys.

Bevor ihr Einbau ausgeschrieben wird, schließen die Orgelbauer der niederländischen Fachfirma Flentrop den technischen Einbau des bedeutenden Barockinstruments ab. Die Balganlage ist in den Dachraum über dem Kirchenschiff eingezogen. „Damit ist ein großer Schritt getan“, freuen sich Architekt Albert Henne und Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek. Der Einzug war spektakulär: Mit Hilfe eines Krans sind die Elemente schwebend – auf dem Luftweg – zu einer geöffneten Stelle im Dach transportiert worden. Dort nahmen Fachhandwerker sie in Empfang und brachten die vier Bälge à 240 Kilogramm in der eigens errichteten Tragkonstruktion an Ort und Stelle.

Sakralraum ist Herzkammer des Welterbes

In den nächsten Tagen geht der technische Einbau weiter. Die Pfeifen der restaurierten Springladenorgel müssen noch warten, bis die Arbeiten im Johanneschor abgeschlossen sind. In dem bedeutenden Sakralraum – der Herzkammer des Welterbes – werden Putzflächen gereinigt und stellenweise ausgebessert. An der gut erhaltenen Stuckdecke sind nur Reinigungsarbeiten nötig. Auch sie werden dazu beitragen, dass das karolingische Westwerk in seiner außergewöhnlichen Strahlkraft neu erblüht. In der Erdgeschosshalle werden die Besucherinnen und Besucher schon sehr bald diesen erbaulichen Eindruck gewinnen können.

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