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14
Juni
2021
14.Juni.2021

Positive Akzente setzen

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns wöchentlich mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Bedingung der Zusammenkunft: Das Meeting endet, sobald der Kaffeebecher geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Propst Meinolf Kemper aus Marsberg getroffen.

Während draußen die Sonne strahlt, wirft das Medienecho zur Katholischen Kirche dieser Tage bei Propst Meinolf Kemper eher Schatten auf: wenig Positives, viel Negatives, so sein Gefühl, was täglich über die Arbeit der Kirche berichtet werde. „Alles wird vom Thema Missbrauch überschattet, das ohne Zweifel eine Katastrophe und ein Tiefpunkt der Kirchengeschichte ist. Die Verbrecher gehören verurteilt, ganz klar. Verantwortung muss übernommen und den Opfern geholfen werden. Die umfangreichen Präventionsmaßnahmen sind weiter zu intensivieren“, sagt Propst Kemper. Dann führt er aus: „Was in der Kirche und in den Gemeinden an Positivem geschieht, wird leider kaum wahrgenommen – das finde ich schade für unsere vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die oft unbemerkt so viel Gutes tun. Nach wie vor haben viele Menschen großes Vertrauen zu uns.“

Ob bei der Negativität bei manch einem Zweifel am Glauben aufkämen? Zweifel kennen wohl alle Glaubenden, schließlich hätten selbst die Apostel nach der Auferstehung Jesu noch Zweifel gehabt, so Kemper: „Wichtig ist nur, mit anderen Menschen über die Erfahrungen zu sprechen und von Gott weiterhin Kraft, Trost und Freude zu erbitten.“

Der Schnee von gestern – das Wasser für morgen

Jetzt stellt sich Tag für Tag die Frage: Wie kann Kirche die Frohe Botschaft und das Gute in den Mittelpunkt stellen? Propst Kemper denkt an die Schulen und Kitas des Erzbistums Paderborn, die hoch angesehen sind und tolle Arbeit leisten. An die Messdiener- und Jugendarbeit, wo „so viel an sozialem Lernen, Freundschaft und Begeisterung“ passiere. An caritative Initiativen für die „Eine-Welt“ und für die Menschen vor Ort. Die Arbeit in den kirchlichen sozialen Einrichtungen, den Hospizvereinen, Beratungsstellen u. v. a. m. Dieses Positive sollte Kirche noch viel mehr in die Welt hinaustragen, ist er sich sicher.

Denn dass die Sehnsucht nach Glaube und Gott da ist, bemerkt Propst Kemper auch während der Pandemie. In der Kirche brennen viel mehr Opferkerzen als sonst. Den ganzen Tag über kommen immer wieder Menschen, um zu beten. „Die Kirche ist nach wie vor ein heiliger Ort, wo uns der Himmel nahe ist, wo ich mein Herz ausschütten und mit Gott ins Gespräch kommen kann.“ Und überhaupt ist er überzeugt, dass es stimmt, was Peter Hahne einmal so ausdrückte: „Wir sollten nie vergessen, dass der Schnee von gestern das Wasser für morgen ist!“

Ein Beitrag von:

Till Kupitz
Redakteur