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24
Oktober
2020
24.Oktober.2020

Morgenandachten im DLF von Weihbischof Matthias König

Weihbischof Matthias König. Foto: Besim Mazhiqi
Weihbischof Matthias König. Foto: Besim Mazhiqi

Morgenandachten im Deutschlandfunk
19. – 24. Oktober 2020
von Weihbischof Matthias König, Paderborn

Die Aufgabe: Versöhnung und Frieden schaffen

Gerade dort in Papua-Neuguinea gehört es zu den Aufgaben der Christen im Land, Versöhnung und Frieden zu schaffen, damit die Menschen ihr Dasein auf einer verlässlichen Grundlage aufbauen können.

Das gilt übrigens für viele Teile der Welt. Schon immer wollte die christliche Mission Menschen Hilfe für ein besseres Leben bringen, und zwar in einem umfassenden Sinn – für Leib und Seele. Ein Bemühen dabei war immer auch, Frieden zu stiften, Menschen, die traditionell verfeindet waren, zur Erkenntnis zu führen, dass der ständige Kampf gegeneinander nur Leid und Unglück bringt. Dabei sollten sie auch erkennen, welche Wege aus Konflikten führen.

Der tiefste Grund solchen Mühens war und ist der Glaube an einen Gott, der in seinem Sohn Jesus Christus ein Gott des Friedens ist. Durch ihn hat er Frieden in die Welt getragen und stiftet ihn immer wieder. Es ist ein Gott, der in Jesus Christus gelehrt hat, dem Mitmenschen zu verzeihen, erlittenes Unrecht nicht mit Unrecht zu vergelten, sondern die Kette der Gewalt zu durchbrechen.

In der berühmten Bergpredigt, die so etwas ist wie die Grundbotschaft seiner Verkündigung, prägt Jesus den Satz „Selig, die Frieden stiften“. Das ist in diesem Jahr das Motto des Monats Oktober, der in der Weltkirche als Monat der Weltmission gefeiert wird. Es macht darauf aufmerksam, dass dies der eigentliche Sinn christlicher Mission ist: Menschen ein besseres Leben dadurch zu eröffnen, dass sie im Frieden mit sich und mit anderen leben können.

Plakat: missio

Dem Frieden (D)ein Gesicht geben

Elf lachende Gesichter schauen mich an – von dem großen Plakat, das auf den Sonntag der Weltmission am 25. Oktober hinweist. Er liefert in der katholischen Kirche für diesen ganzen Monat Oktober eine Überschrift, die sich an einem wichtigen Wort aus der Bergpredigt Jesu orientiert: „Selig, die Frieden stiften.“ (Mt 5,19).

Darunter liest man: „Solidarisch für Frieden und Zusammenhalt“.

Die elf Gesichter stammen von Menschen aus Westafrika und sind so zusammengestellt, dass sie einen Olivenzweig bilden. Die einzelnen Personen erscheinen auf den Blättern dieses Zweiges, dem Friedenssymbol schlechthin. Ihr Blick richtet sich auf den Betrachter, ihr Lächeln geht ins Herz.

Mir erschließt das eine wunderbare Botschaft. Sie ist in einem der neueren geistlichen Lieder gut gefasst. Sein Titel: „Ich möchte gerne Brücken bauen“. Die Quintessenz: „Ob Frieden wird, das liegt an mir“.

Ob Frieden wird, das liegt an mir

Wirklich ein bedenkenswertes Wort. Es macht mich darauf aufmerksam, dass Frieden in der Welt immer bei mir selbst anfängt. Denn wenn ich voller Groll und innerem Unfrieden bin, dann geht dieser Unfriede von mir aus. Andere leiden unter meiner Laune, werden davon angesteckt. Manchmal werden sie aggressiv, weil ich es auch bin. Das kann Kettenreaktionen auslösen, die nicht gut sind.

Wenn ich dagegen mit mir im Gleichgewicht bin, dann kann ich Frieden ausstrahlen, so wie das die freundlichen und lachenden Gesichter auf den Olivenblättern tun, die das Friedenssymbol bilden.

Solche Menschen tun uns gut. Man kommt mit ihnen zusammen und fühlt sich angenommen, verstanden und bei ihnen gut aufgehoben. Das innere Gleichgewicht, in dem sie sich befinden, bringt auch mich aus aller Unruhe in ein Gleichmaß, das mir inneren Frieden ins Herz senkt. Solche Menschen sind wichtig für die Welt. Sie sind wichtig für das Miteinander der Menschen. Sie verändern im Kleinen, was dann im Großen Wirkung zeigt. Es sind zum Teil große Namen, die immer wieder in den Medien auftauchen, und die bis heute Vorbilder sind, auch wenn sie längst gestorben sind: Mahatma Gandhi wird immer wieder genannt, Albert Schweitzer oder Mutter Teresa aus Kalkutta. Glücklicherweise gibt es aber auch heute viele Menschen in allen Religionen, die sich der Aufgabe, Versöhnung zu schaffen, verpflichtet wissen und nach dem Motto leben: „Selig, die Frieden stiften“.

Dem Frieden das eigene Gesicht geben

Ein hoher Anspruch der Christen ist es, diesem Frieden ein Gesicht zu geben, und zwar das jeweils eigene Gesicht.
Auf den Blättern des angedeuteten Olivenzweiges sind Beispiele dafür zu sehen: Es sind Frauen und Männer, Bischöfe, Priester, Ordensschwestern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus afrikanischen Ortsgemeinden, die auf ihre Weise und mit großem Einsatz zu den Menschen gehen, um ihnen die Botschaft vom Frieden ins Herz zu geben. Sie tun es indem sie das Evangelium verkünden. Sie tun es aber auch ganz praktisch, indem sie Menschen zu Bildung verhelfen, für bessere Gesundheit arbeiten, sowie elementare Bedürfnisse und Not erkennen und entsprechend handeln.

Mir fällt die Gemeinschaft Sant’Egidio ein, die im ostafrikanischen Mosambik vor Jahrzehnten hinter den Kulissen mit den verschiedenen verfeindeten Parteien eines Bürgerkrieges Verhandlungen geführt hat, sodass daraus ein Friede wurde, der bis heute hält. Mir fällt einer unserer Missionare aus dem Erzbistum Paderborn ein, der als einziger europäischer Missionar bei seinen Leuten in der Zentralafrikanischen Republik, einem völlig zerrütteten Land, geblieben ist. Dadurch will er Hoffnung schenken. Durch sein Wirken und seine Gegenwart zeigt er den Menschen: Frieden ist möglich.

Jeder Mensch hat eine Mission

Die Botschaft solcher Beispiele an jeden Menschen guten Willens: Jeder Mensch hat eine Mission, eine Sendung in die Welt hinein. Ich bin berufen, dem Frieden mein Gesicht zu geben. Damit andere Menschen Frieden ins Herz nehmen, damit Friede sich ausbreitet – wie der sprichwörtliche Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht.

Denn – wie sagt das moderne Lied: „Ob Frieden wird, das liegt an mir“.

Frieden fängt im Kleinen an

„Ich kann doch auch nichts daran ändern! Wer bin ich schon?“

Das ist eine beliebte Formel, um unsere eigene Untätigkeit in schwierigen Situationen zu rechtfertigen. In der Aussage steckt die Empfindung, keinerlei Einfluss zu haben, keine Hausmacht, keine Anhängerschar. Darum die Schlussfolgerung: „Was kann ich schon bewirken? Ich habe keine Rednergabe, kein Durchsetzungsvermögen, keine Führungsqualitäten, wie soll ich da etwas verändern?“

Dabei lebt die Welt und die Menschheit von Personen und Persönlichkeiten, die genau die Blockade überwinden, die in dem Satz steckt: „Ich kann doch auch nichts daran ändern“. Schritt für Schritt tasten sie sich vor, und erreichen etwas. Es sind jene Menschen, die dadurch auf Dauer Veränderung anstoßen, weil sie einfach etwas wagen, auch wenn es zunächst aussichtslos erscheint.

Mit Gelassenheit und Zuversicht

Solch einen Menschen durfte ich vor drei Jahren während der Kampagne zum Monat der Weltmission in unserem Erzbistum Paderborn kennenlernen: Er heißt Abbé Charlemagne Sawadogo und stammt aus dem westafrikanischen Land Burkina Faso. Wer ihm begegnet, ist beeindruckt von der Gelassenheit und Zuversicht, die er ausstrahlt. Und das, obwohl er in einem Umfeld lebt und arbeitet, wo einem das vergehen kann. Abbé Charles ist in einem Gebiet tätig, in dem es viele illegale Goldminen gibt und Menschen durch lebensgefährliche Arbeit versuchen, etwas für ihr alltägliches Auskommen zu erwirtschaften. Sie graben Löcher in die Erde, die nicht abgesichert und darum in höchstem Grad einsturzgefährdet sind. Sie setzen zum Auswaschen des Goldes Quecksilber ein und atmen die Dämpfe ungeschützt ein – mit all den Konsequenzen, die das für ihre Gesundheit hat. Immer und immer wieder kommt es zu Einbrüchen dieser Minen, die Todesopfer fordern. Und jetzt kommt noch Corona hinzu: Viele leugnen das Virus, es gibt keinerlei Vorsicht, weswegen sich die Krankheit ungehemmt ausbreiten kann.

Goldgräber in Burkina Faso. Foto: Gilles Paire / Shutterstock.com
Goldgräber in Burkina Faso. Foto: Gilles Paire / Shutterstock.com

Abbé Charlemagne hat in diesem schwierigen Umfeld eine Anlaufstelle für die vielen Kinder und Jugendlichen aufgebaut, die in den Goldminen arbeiten. Er ist dort präsent, sorgt für etwas zu essen, berät, hört zu, vermittelt Schulausbildung als Schlüssel für ein besseres Leben. Damit zeigt er eine Zukunftsperspektive auf, die viele bislang nicht hatten. Denn die Kinder und Jugendlichen arbeiten ja nicht aus Vergnügen dort, sondern weil sie ums schiere Überleben kämpfen. Er selbst sagt zu seiner Motivation: „Gott sorgt sich um unser Leben, weil er will, dass wir immer glücklich und erfüllt sind. Er hat uns für das Leben geschaffen. Er hat uns nicht als Sklave eines Virus geschaffen. Lassen wir uns also nicht entmutigen. Verzweifeln wir nicht.“ (Missio Materialheft 2020, S. 6)

Ein Tun, das letztlich auch Frieden schafft

Hinter Abbé Charles‘ Worten steckt eine Hoffnung, die tatsächlich den Teufelskreis des „Ich kann doch auch nichts tun!“ durchbricht. Es ist ein Tun, das letztlich auch Frieden schafft. Die Region, in der er arbeitet, ist unruhig. Immer wieder verüben Islamisten Anschläge. Tausende sind bereits geflohen. Indem er Kindern und Jugendlichen hilft, aus der Arbeitssklaverei herauszukommen, gibt er ihnen eine Perspektive. Wer die Schule absolviert und dadurch eine vernünftige Arbeit findet, der lässt sich nicht radikalisieren und für Terror oder Verbrechen anwerben.

In der jetzigen Corona-Krise kommt noch die Aufklärung hinzu, die er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Krankheit und die Schutzmöglichkeiten in diesem Zusammenhang bieten. Mit Geduld und Beharrlichkeit bringt Abbé Charles – wie so viele Missionare – die Botschaft zu den Menschen, dass ein anderes Leben möglich ist. Langsam, so sagt er selbst, kommt sie an.

So geht es mit Friede und Veränderung. Beides braucht Geduld und die Beharrlichkeit, immer und immer wieder neu anzufangen. Beides braucht das Vorbild, damit der Gedanke Kreise ziehen kann: „Ich kann etwas tun!“ Denn: Wie so vieles Gute in der Welt fängt auch der Friede im Kleinen an.

Missio@home

Wundertüte – manche aus meiner Generation werden sich daran erinnern, dass es das in unserer Kindheit und Jugend gab. Man ging zu einem Kiosk, zahlte dort 20 oder 50 Pfennige, und bekam eine bunte Tüte, die den Inhalt noch verhüllte. Wenn man dann Glück hatte, war außer bestimmten Süßigkeiten in der Tüte eine begehrte Sammelfigur oder ein Bildchen, das man in ein Album kleben konnte. Aber oft hatte man enttäuscht Sachen vor sich, mit denen man nichts anfangen konnte.

Eine Wundertüte für Solidarität in Corona-Zeiten

An die Wundertüte aus meiner Kindheit habe ich denken müssen, als ich von einer Aktion des Hilfswerks missio erfahren habe. „Missio@home“ – so heißt eine Art Wundertüte, die das katholische Hilfswerk für Zuhause verteilt, da die üblichen Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Weltmissionsmonat Oktober nun nicht öffentlich stattfinden können. Es ist eine interessante Zusammenstellung, wie der Gedanke der Solidarität und der Hilfe in der Weltgemeinschaft in Corona-Zeiten zu möglichst vielen Menschen kommen kann. So befinden sich in der Tüte z.B. Rezepte für typische Mahlzeiten aus Westafrika für ein Solidaritätsessen zuhause, dazu passend gestaltete Freundschaftsbändchen und Vorschläge für Kurzandachten.

Normalerweise lebt die Arbeit unserer kirchlichen Hilfswerke vom persönlichen Austausch und intensiver Begegnung. Das hat Corona in diesem Jahr weitgehend durchkreuzt. Missio „at home“, also zu Hause, heißt dann trotzdem „nahe dran“. Das möchte die Tüte des Hilfswerks letztlich erreichen. Sie bringt Beispiele frei Haus, wie Menschen aus ihrem Glauben heraus handeln, wie sie Botinnen und Boten des Friedens und der Gerechtigkeit werden.

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