Kontakt Presse & Medien Für Mitarbeitende Karriere & Jobs
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
12
Oktober
2021
12.Oktober.2021

Maria und Elisabet – Halt und Heimat

Vor 100 Tagen wurde das Geistliche Zentrum Kohlhagen im südlichen Sauerland eingeweiht

An den Tag, an dem er das erste Mal auf den Kohlhagen kam, kann sich Siegfried Modenbach noch gut erinnern. „Es war ein herrliches Sommerwetter. Die schmucke Kirche und die Atmosphäre hatten es mir sofort angetan. Es war Liebe auf den ersten Blick“, lächelt der Pallottinerpater. Das ist nun schon einige Jahre her. Heute ist Siegfried Modenbach SAC – neben seinem Mitbruder Jürgen Heite SAC – Leiter des neuen Geistlichen Zentrums, das Anfang Juli von Erzbischof Hans-Josef Becker eingeweiht wurde – vor genau 100 Tagen.

Pater Modenbach in seinem Büro
Pater Siegfried Modenbach (SAC) ist einer der Leiter des Geistlichen Zentrums Kohlhagen Copyright: Erzbistum Paderborn
Pater Siegfried Modenbach (SAC) ist einer der Leiter des Geistlichen Zentrums Kohlhagen Copyright: Erzbistum Paderborn

Ein hohes weißes Bücherregal, voll mit Titeln, die von Gott, Glaube und Seelsorge handeln, steht hinter dem Schreibtisch im Büro von Pater Modenbach. Das einzige Foto im Raum zeigt Papst Franziskus. Der Blick aus dem großen bodentiefen Fenster reicht über den frisch gesäten Rasen in die weiten Wälder des Sauerlandes. Es riecht nach Farbe, nach Leim und nach Putz.

So wie überall in dem modernen, lichtdurchfluteten Neubau aus Stahl, Holz und Glas. Sein Eingang liegt unmittelbar gegenüber der Wallfahrtskirche, die den Namen Mariä Heimsuchung trägt. Das zentrale Ereignis ihres Patroziniums ist die Begegnung zwischen Maria und ihrer Kusine Elisabet. Beide Frauen sind schwanger. Maria mit Jesus, Elisabet mit Johannes dem Täufer. „Wir wollten eine direkte Verbindung und eine Sichtachse“, erklärt Modenbach. „So, wie diese beiden Frauen sich gegenseitig ermutigt, gestärkt und Halt und Heimat gegeben haben, möchten auch wir hier oben stärken, ermutigen und in Gemeinschaft beten.“

Viel Ruhe, aber auch viel Leben

Bei aller Stille und Ruhe, die man auf dem Kohlhagen findet, kommen hier täglich viele Menschen vorbei. Wanderer, Spaziergänger, Fahrradfahrer, Touristen, Einheimische. Manche kommen auch mit dem Auto. Für eine kurze Viertelstunde, für eine kleine Auszeit. Wenn er sich samstags oder sonntags vor die Kirche stellen würde, so Modenbach, dann hätte er viel Unterhaltung. „Manchmal brennen schon mittags 70 Kerzenlichter in der Kirche. Das muss man sich mal vorstellen.“ In der Maiandacht, die er in diesem Jahr erstmals gehalten habe, sei er mehr als erstaunt gewesen. „Ich kenne Andachten, da stehen kaum 15 Leutchen vor einem. Hier waren es viel mehr. Das Interesse war riesig.“ Besonders bewegend sei es gewesen, als sich die Menschen ihren Einzelsegen vor dem Gnadenaltar haben geben lassen. „Sie kamen nach vorne und trugen direkt ihr Anliegen vor. Ich legte ihnen meine Hände auf und gab ihnen den Segen. Dabei flossen auch Tränen.“

Das Konzept mit Leben füllen

In den Wochen nach der offiziellen Einweihung des Geistlichen Zentrums am 4. Juli anlässlich des Patronatsfestes der Wallfahrtskirche hat Modenbach viel Zeit am Schreibtisch verbracht. Es gab und es gibt jede Menge Organisatorisches zu erledigen, um das Konzept mit Leben zu füllen und offene Inhalte zu entwickeln: Gottesdienste und die Begleitung von Wallfahrten und Pilgern sowie die Vernetzung der Wallfahrtsorte und Pilgerwege in der Region, Exerzitien, Einkehrtage, Glaubenskurse und spirituelle Angebote aus dem Erleben von Kunst und Natur. Zielgruppen sind engagierte Menschen, Führungspersönlichkeiten, Arbeitskreise und Gruppen, die neue Impulse suchen oder Leben und Glauben in Erfahrungs- und Deutungsräumen reflektieren möchten.

Pastorale Teams, Pfarrgemeinderäte, Katholische Frauengemeinschaften, Caritaskonferenzen, Seniorengemeinschaften, Katecheten, Messdiener, Firmlinge und Kommunionkinder: Die Liste der geplanten Veranstaltungen für Gremien, Verbände, Gemeinschaften und Interessensrunden ist lang. „Jetzt geht es rund. Die Anfrage an unser Haus ist groß. Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, so der Pater, der unter den vielen Beispielen zwei rauspickt.

So fand Ende September ein Besinnungswochenende unter dem Thema „Konsequent glauben“ für Lesende des Bistumsmagazins „Der Dom“ statt. Im Mittelpunkt stand der „tote Punkt“ der Kirche, den Kardinal Marx in seinem Rücktrittsangebot anführte und der auf den Jesuiten Alfred Delp (1907-1945) zurückgeht. „Wir haben nach Parallelen zur Kirche heute geschaut. Und danach, was man tun kann.“ Ein Angebot, das für den November geplant ist und sich an Einheimische richtet, lautet „Exerzitien im Alltag“. Mit Zeit für Gott, Zeit zum Innehalten und Durchatmen. Modenbach: „Täglich gibt es einen Impuls auf dem Kohlhagen. Mitten in den Alltag der Menschen hinein, denn sie bleiben abseits von dem Impuls dort, wo sie leben, also in ihrem Beruf, ihrer Familie, ihrem sozialen Gefüge.“

Küsterhaus und Neubau
Unterhalb des alten Küsterhauses wurde der Neubau errichtet. Mit seinem Flachdach schmiegt er sich unaufgeregt in die Landschaft und hält die Sicht auf die Wallfahrtskirche frei. Copyright: Erzbistum Paderborn
Unterhalb des alten Küsterhauses wurde der Neubau errichtet. Mit seinem Flachdach schmiegt er sich unaufgeregt in die Landschaft und hält die Sicht auf die Wallfahrtskirche frei. Copyright: Erzbistum Paderborn

Zeit für persönliche Lebens- und Glaubensfragen

„Mitten in den Alltag der Menschen hinein“ ist ein gutes Stichwort, wenn es um die Gesprächs- und Beichtseelsorge geht: „Weil das Leben, der Glaube und geistliches Wachstum Begleitung benötigen, möchten wir Zeiten und Gespräche für persönliche Lebens- und Glaubensfragen anbieten“, so Modenbach. „Menschen kommen auf uns zu mit dem, was sie beschäftigt.“ Gut kann er sich noch an den ersten Sonntag erinnern, den er auf dem Kohlhagen verbrachte. Ein älterer Herr kam auf ihn zu. Er hatte seit 40 Jahren nicht mehr gebeichtet und wollte eine Lebensbeichte ablegen. „Das ist sehr viel Vertrauen, das sich da zeigt.“

Mehr als vier Millionen Euro hat Paderborn auf dem Kohlhagen investiert. Das neue Gebäude, das sich mit seinem begrünten Flachdach unauffällig in die Landschaft schmiegt, misst rund 500 Quadratmeter. Hier befinden sich neben Büros eine Küche, Seminar- und Gesprächsräume sowie ein Zimmer für Meditation und Gebet. Ausgestattet mit Altar und Ambo aus feinstem Holz, schlicht, stumpf verleimt und glatt gehobelt. „Darauf bin ich besonders stolz“, sagt Modenbach und lässt seine Hände langsam über die gradlinige Oberfläche gleiten.