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12
Februar
2021
12.Februar.2021

Es zeichnet sich ein erstes Gesamtbild ab

Rückblick von Erzbischof Hans-Josef Becker auf die Online-Tagung des Synodalen Weges

Am 4. und 5. Februar 2021 fand mit einer Online-Konferenz eine weitere Etappe auf dem Synodalen Weg statt. Im Mittelpunkt des ersten Tages stand die Debatte um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Schwerpunkt des zweiten Konferenztages bildeten Berichte und Aussprachen zur Arbeit in den vier Synodalforen. Erzbischof Hans-Josef Becker war einer der knapp 400 Teilnehmenden. In einem Interview blickt er zurück.

Redaktion

Herr Erzbischof Becker, wie sieht Ihre erste Bilanz der Online-Tagung des Synodalen Weges Ende vergangener Woche aus?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ich bin zunächst einmal sehr froh, dass diese große digitale Konferenz funktioniert hat. Zwischenzeitlich waren meines Wissens bis zu knapp 400 Teilnehmende zusammen geschaltet. Die Tagung war gut vorbereitet und wurde auch zielführend moderiert. Es war richtig, sie stattfinden zu lassen und nicht zu warten, bis ein Präsenzformat wieder möglich ist.

Redaktion

Es wurde kritisiert, dass wiederum keine Abstimmungen vorgesehen waren…

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ja, aber das ist auch noch zu früh! Dafür stand die inhaltliche Debatte im Mittelpunkt, für die vier thematischen Hearings gab es vorbereitete und auch veröffentlichte Texte. Das war eine große Erleichterung der Arbeit und ein Fortschritt gegenüber den Regionenkonferenzen im September. Wer über den Synodalen Weg und mögliche Ergebnisse redet, hat mit diesen Texten und den Veränderungen, die nun nach der Konferenz eingearbeitet werden, eine gute Grundlage. Das ist aus meiner Sicht hilfreich, denn es gibt ja genug Stimmen, die der Meinung sind, dass da am Ende sowieso nichts dabei herauskommt.

Redaktion

Was hat Sie bei der Tagung am stärksten beeindruckt?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Grundlage für die Tagung war das Zeugnis von drei Mitgliedern des Betroffenenbeirats, den die Bischofskonferenz im Oktober eingerichtet hat. Diese drei Zeugnisse haben meiner Meinung nach der Konferenz zu einer Tiefe verholfen, die uns bislang gefehlt hat. Die Stimmen der Betroffenen zu hören, ihre Aussagen zu den vier Themen des Synodalen Weges wahrzunehmen und warum der Synodale Weg mit seinen Themen aus ihrer Sicht wichtig sind, war sehr beeindruckend. Ich habe großen Respekt vor diesen drei Betroffenen, sie haben sich in ein nicht einfaches Terrain gewagt – und das in einer empathischen wie klaren Art und Weise. Es wurde somit noch einmal  in den Fokus gerückt, dass der Anlass für den Synodalen Weg  die MHG-Studie ist.

“Ich bin zuversichtlicher als vor der Konferenz, dass es am Ende wirklich gehaltvolle Beschlüsse geben kann. Die Ernsthaftigkeit der meisten Beiträge hat sich aus meiner Sicht positiv von manchen plakativeren Statements bei der Regionenkonferenz abgesetzt. Ich möchte ausdrücklich meine Anerkennung sagen für die Co-Präsidenten der vier Foren und ihre integrative Arbeit sowie für alle, die an der Texterstellung beteiligt waren.”

Erzbischof Hans-Josef Becker

Redaktion

Es sind auch Beobachter des Synodalen Weges zu Wort gekommen…

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ja, drei Statements von externen Beobachtern haben die Konferenz am Freitagmittag bereichert. Bischof Czeslaw Kozon aus Kopenhagen, Erzpriester Radu Constantin Miron von der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und Josian Caproens vom Laienrat flämischer Bistümer haben deutlich gemacht, dass der Synodale Weg  nicht nur spezifisch deutsche Themen bewegt. Vielmehr haben uns alle drei signalisiert, dass der Synodale Weg ein Dienst an der Weltkirche ist. Mir persönlich hat das sehr gut getan, denn ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass unser Weg eingebettet sein muss in die Weltkirche. Der Kopenhagener Bischof machte in seinem Statement klar, dass die Themen in der Kirche des Nordens zwar auch diskutiert, aber keinesfalls mit dieser hohen Bedeutung für die Zukunft der Kirche verknüpft werden wie bei uns. Aber weil  derzeit auch in anderen Ortskirchen synodale Prozesse beginnen oder zumindest überlegt werden, stimmen mich diese Rückmeldungen zuversichtlich.

Redaktion

Was ist Ihnen deutlich geworden für die weitere Arbeit des Synodalen Weges?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Ich bin zuversichtlicher als vor der Konferenz, dass es am Ende wirklich gehaltvolle Beschlüsse geben kann. Die Ernsthaftigkeit der meisten Beiträge hat sich aus meiner Sicht positiv von manchen plakativeren Statements bei der Regionenkonferenz abgesetzt. Ich möchte ausdrücklich meine Anerkennung sagen für die Co-Präsidenten der vier Foren und ihre integrative Arbeit sowie für alle, die an der Texterstellung beteiligt waren. Das sind sehr anspruchsvolle Prozesse, die im Verborgenen stattfinden, für die man sehr viel Energie braucht, um hinterher nicht selten kritisiert zu werden.

Redaktion

Außerdem gibt es jetzt einen festen Rahmen für die künftige Arbeit an den Texten…

Erzbischof Hans-Josef Becker

Genau. Das Gemeinsame Präsidium hat diesen Rahmen entwickelt und ich halte das für sehr hilfreich. So wird es Grundlagentexte und Anwendungstexte geben, Voten an Rom wie Textabschnitte, die wir in den Bistümern weiter denken können. Und dann ist  von einer Art Präambel die Rede, die den Synodalen Weg einordnet und sein Verhältnis zu Schrift, Tradition, Lehramt und zu den „Zeichen der Zeit“ darlegt. Durch die vielen Auseinandersetzungen zeichnet sich  mittlerweile also ein erstes Gesamtbild ab.

Redaktion

Aber die Auseinandersetzungen werden bleiben, oder?

Erzbischof Hans-Josef Becker

Davon ist auszugehen. Es geht ja auch um wirklich grundlegende Fragen, die theologisch und praktisch nach wie vor unterschiedlich bewertet werden. Aber ich denke, dass wir im Dialog zwischen den Bischöfen, den Theologielehrenden und den vielen weiteren Synodalen eine neue Form finden, über Themen zu sprechen, die nun einmal anstehen. Diese Qualität des Diskurses wird sich weiter entwickeln und stilbildend für die Kirche in Deutschland werden. Ein Ringen wird bleiben zwischen denen, die nichts und denen, die sehr viel erwarten, zwischen denen, die mit dem Blick auf mögliche Beschlüsse eine Zerstörung der Kirche befürchten  und denen, die ohne Beschlüsse eine völlige Marginalisierung der Kirche erwarten. Aber wie gesagt: Ich bin nach dieser Online-Tagung wirklich zuversichtlich, dass wir die vor uns liegenden Auseinandersetzungen zu einem guten und von vielen getragenen Ergebnis führen können. Außerdem dürfen wir  mit der Regie von oben rechnen, die uns in  unserem menschlichen Urteilen manchmal etwas zu wenig bewusst ist. Je mehr Synodale sich wirklich auf einen Weg einlassen – und das war bei der Konferenz zu spüren – desto mehr Vertrauen wächst.