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25
Juni
2020
25.Juni.2020

„Ein ganz anderes Level“

Wie Lernen und Arbeiten an katholischen Schulen digitalisiert wird

André Wrede ist Lehrer am Mariengymnasium Arnsberg. Fächer: Mathe und Informatik. Seit fast einem Jahr, sagt er, habe er im Unterricht nicht mehr auf eine Tafel geschrieben. Im Matheunterricht zum Beispiel wirft Wrede die Rechnungen vom Tablet per Beamer an die Wand. Die Mitschrift der Stunde sowie die Hausaufgaben speichert er in der Cloud „Schulportal“ ab. Zuhause können die Schülerinnen und Schüler den Tafelanschrieb – und die Anschriebe der vergangenen Wochen – nochmal anschauen und nachvollziehen.

Digitalisierung an Schulen – ein Begriff, mit dem alles Mögliche gemeint sein kann. Das Mariengymnasium in Arnsberg zeigt, wie es gehen kann. Alle Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, bis auf die, die im kommenden Jahr Abitur schreiben, lernen seit den vergangenen Wochen mit iPads. Die Lehrenden sind schon länger mit den Geräten ausgestattet. Das Gymnasium ist einer der Vorreiter.

Damit an allen Schulen die Möglichkeiten der digitalen Welt genutzt werden, hat das Erzbistum Paderborn 2017 das Medienrahmenkonzept erarbeitet. Damit ist festgelegt, dass jede Schule in Trägerschaft des Erzbistums in einem eigenen Medienkonzept festlegt, wie Digitalisierung gelebt wird. Schnelles Internet und flächendeckendes WLAN – damit wurden schon alle Schulen ausgestattet.

Benedikt Bohn.
Benedikt Bohn.

Auf dem Weg zur papierlosen Schule

Doch die Frage ist auch: Bedeutet mehr Digitalisierung auch besseren Unterricht? Bessere Organisation? Bessere Qualität der Schule? André Wrede, der am Mariengymnasium Arnsberg die Informationstechnologie koordiniert, sagt: „Für Lehrer ist das ein ganz anderes Level. Es ist absolut notwendig, dass iPads in  der schulischen Infrastruktur vorhanden sind.“ Als Beleg dafür nennt er knappe Schlagworte und konkrete Beispiele.

Eines der Schlagworte lautet zum Beispiel papierlose Verwaltung der Schule. Eltern könnten Einverständniserklärungen auf den iPads ihrer Kinder unterschreiben. Die Schulbücher können neben der gedruckten Version auch heruntergeladen werden. Das entlastet den Rücken der Schülerinnen und Schüler – außerdem vergisst niemand mehr sein Buch. „Das Gleiche gilt für Mitschriften und Hausaufgaben“, sagt Wrede. „Man hat sie immer dabei.“ In den Oberstufenklassen könne er dank eines Computer-Algebra-Systems, das das Kalkulieren übernimmt, realitätsnähere Mathematik leisten, sagt Wrede. „Dann können wir uns darauf konzentrieren, den Sachverhalt wirklich zu verstehen und die Ergebnisse  interpretieren.“

André Wrede.
André Wrede.

Digitale Klassenräume, die mitwachsen

Auch in den anderen Fächern informiere sich das Kollegium, welche Lern-Apps für den Unterricht geeignet seien. Sinnvoll sei zum Beispiel, dass die Lehrenden ein Quiz erstellen, um am Ende einer Unterrichtsstunde den Lernerfolg zu testen.

Doch von 0 auf 100 geht es auch in Arnsberg nicht. Das Medienkonzept des Mariengymnasiums sieht einen Dreischritt in der Nutzung vor. Eine Erprobungsstufe, in der die Kinder das Gerät kennenlernen. Eine zweite Phase, in der sie selbst mehr produzieren und zum Beispiel Videos drehen oder Präsentationen bauen. Drittens die Möglichkeit, den Schulalltag zu koordinieren und im Unterricht zu kollaborieren. „Da gehen wir schon in Richtung Universität, wo man solche Kompetenzen an den Tag legen muss“, sagt Wrede.

Das Schulportal biete die Möglichkeit, die Schule digital abzubilden. Die Klassen erhalten digitale Klassenräume, die über die Jahre mitwachsen. Eltern könnten in einem separaten Raum miteinander kommunizieren. Lerngruppen oder die Schülervertretung können sich in Gruppen selbstständig organisieren.

Manchmal ein Fass ohne Boden

Während André Wrede am Mariengymnasium Arnsberg die Digitalisierung vorantreibt, arbeitet Benedikt Bohn im Generalvikariat daran, dass dies auch in den anderen 18 Schulen in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn möglich ist. Es sei notwendig, einen Rahmen zu schaffen, damit nicht jede Schule in ihrem eigenen Sandkasten spiele. Das könnte man dann nicht mehr betreuen. „Das bedeutet, dass wir manches reglementieren müssen, um ein System zu schaffen, das man nach oben skalieren kann und das auch in Zukunft anschlussfähig ist für neue Hard- und Software.“ Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, welche Apps zum digitalen Lernen gebraucht werden, ob die datenschutzkonform sind und wer die eigentlich bezahlt. „Das scheint manchmal wie ein Fass ohne Boden”, kommentiert Bohn.

Eine weitere Frage ist, wie es sich die Familien leisten können, ihren Kindern die iPads für den Schulunterricht zu kaufen. „Wir haben rund 10.000 Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen. Leider ist es momentan noch nicht möglich Tablets für die 1:1 Ausstattung aus Fördermitteln, wie dem Digital Pakt zu finanzieren. Daher sind wir auf die Bereitschaft der Eltern angewiesen, diesen Schritt im Bereich der Digitalisierung mitzutragen“, sagt Bohn. Auch keine Option sei es, eigene Geräte zu nutzen. Alle müssten denselben technischen Stand sowie eine bestimmte Software integriert haben. Diese ermöglicht es, auf dem Gerät einen schulischen Bereich zu eröffnen. Gleichzeitig können die Lehrenden den privaten Bereich der Geräte für die Zeit in der Schule sperren. Um dennoch Kinder aus finanziell schwachen Familien zu unterstützen, hat das Erzbistum Paderborn einen Fonds für Härtefälle aufgelegt.

Eine Herausforderung sei auch, alle Lehrenden mit in Richtung digitale Schule zu nehmen. Sie zu schulen, um mit den Geräten umzugehen und die neuen Spielräume zu gestalten. „Der Mehrwert ist besonders groß, wenn es alle Lehrenden nutzen“, sagt Bohn. „Es ist für Lehrende durchaus eine neue Denke, digital und damit ganz transparent zu arbeiten – und auch von den Kindern und Jugendlichen Tipps zu bekommen, um mit der Technik umzugehen.“

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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