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4
Mai
2020
4.Mai.2020

„Dankbar nach Hause gegangen“

Nach acht Wochen durften im Erzbistum erstmals wieder öffentlich Gottesdienste gefeiert werden

Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Wochen das öffentliche Leben regelrecht lahm gelegt. Auch die Feier von öffentlichen Gottesdiensten war untersagt. Viele Gemeinden entschlossen sich in dieser Zeit, Gottesdienste und Andachten per Livestream ins Internet zu übertragen, um den Gläubigen eine Mitfeier aus dem heimischen Wohnzimmer zu ermöglichen. Ein Ersatz zur gemeinschaftlichen Gottesdienstfeier war dies jedoch nicht. Umso größer war vielerorts die Freude, als zum 1. Mai hin dieses Verbot wieder aufgehoben wurde und öffentliche Gottesdienste wieder gefeiert werden konnten – natürlich nur unter strengen Vorschriften.

Ein Rundblick durch das Erzbistum zeigt, wie es sich am ersten Wochenende nach solch einer langen Pause angefühlt hat, Gottesdienst wieder in Gemeinschaft zu feiern. Zahlreiche Gemeinden haben sich aber auch bewusst dafür entschieden, vorerst keine öffentlichen Gottesdienste anzubieten, erst zu einem späteren Zeitpunkt oder am Streaming-Angebot festzuhalten.

In den Bankreihen war genau angezeigt, welche Plätze besetzt werden dürfen.
Katja Streich, Mitglied des Pfarrgemeinderats, war als Ordnerin im Einsatz. Foto: Till Kupitz

Erster Gottesdienst in Velmede

„Vielen Dank an alle, die es ermöglicht haben, dass dieser Gottesdienst stattfinden konnte“, sagte Pastor Werner Spancken zum Abschluss der Heiligen Messe in der Kirche St. Andreas in Velmede im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig. „Das ist ein Geschenk“, fügte er an. Die Gottesdienst-Besucher im Sauerland klatschten, der Applaus hallte durch den Innenraum.

Es war der erste öffentliche Gottesdienst hier. Acht Wochen hat Pastor Spancken alleine Messe gefeiert und in eine leere Kirche geblickt wie er erzählt: „Jetzt freue ich mich darüber, dass es endlich wieder los geht.“ Damit Hygienevorschriften eingehalten werden konnten, habe man sich die gesamte Woche über vorbereitet und ein Konzept erstellt. Innerlich sei er aufgeregt gewesen, und unsicher, wie es sei, das erste Mal wieder der Gemeinde gegenüberzutreten. Im Anschluss aber ist Spancken erleichtert, wie alles gelaufen ist.

76 Plätze im Gotteshaus, 46 Besucher nutzen sie

Die Sicherheitsvorkehrungen begannen schon beim Einlass. Von drei Türen diente nur eine als Eingang, dort warteten drei Ordner mit Listen und Einhandzähler. „Alle Besucher werden namentlich von uns erfasst, um eine mögliche Infektionskette nachvollziehen zu können. Dann weisen wir die Menschen zu ihren Plätzen“, berichtet Katja Streich, Mitglied des Pfarrgemeinderats, die als Ordnerin im Einsatz war. Jede zweite Bank sei abgesperrt gewesen, „um den Mindestabstand wahren zu können“, erläutert sie. 76 Plätze für etwa 90 Menschen – Kernfamilien können zusammensitzen – sind vorhanden. 46 Leute kamen letztlich.

„Ich habe mich total darauf gefreut“, sagt Barbara Ramspott, die vor einer Woche bereits am Autokino-Gottesdienst teilgenommen hat. „Es ist einfach etwas anderes, in die Kirche zu kommen und einen richtigen Gottesdienst zu besuchen.“ Auch für Carina Luckey überwog die Freude der Unsicherheit. „Das mit den Sicherheitsvorkehrungen ist aber schon noch komisch.“. Sie selbst habe zwar keine Bedenken, trug aber eine Schutzmaske, obwohl das keine Pflicht ist. „Ich glaube, dann ist es okay.“

Für die Kommunion blieben alle auf ihren Plätzen, auch gesungen werden durfte nicht. „Das war schon gewöhnungsbedürftig“, sagte eine Frau im Vorbeigehen. „Aber damit muss man jetzt die nächsten Wochen oder Monate wohl leben.“

Noch keine Gottesdienste in Welver

Im Gegensatz zu Velmede gab es in der Pfarrei St. Maria in Welver noch keinen öffentlichen Gottesdienst und den wird es auch vorläufig nicht geben. Denn das Seelsorgeteam, der Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand haben sich dafür gemeinschaftlich entschieden, weiterhin keine öffentlichen Gemeindemessen zu feiern.

Für die Haupt- und Ehrenamtlichen war schnell klar, dass es für sie keine Alternative dazu gibt. Unter anderem, weil das Kontaktverbot weiterhin gelte. „Der Schutz der Gesundheit geht vor“, sagt Gregor Studnitzky, Mitglied im Kirchenvorstand. Und wenn er doch darüber nachdenkt, wie die Hygienevorschriften in den beiden Kirchen der Pfarrei im Dekanat Hellweg einzuhalten wären, fragt er sich: „Wie kann das in der Realität ablaufen? Wen will man außen vor lassen, wenn die Sitzplätze begrenzt sind?“

So sollen weiter die Livestream-Messen und Andachten die Gläubigen miteinander verbinden. Mindestens bis Ende Mai. So feierte Henrike Buschulte, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, auch am vergangenen Wochenende mit ihrem Mann und den beiden Töchtern am Laptop mit. „Das stärkt uns als Familie“, sagt sie. Und: „Der Livestream ist auch eine große Chance für alle Menschen, die schon lange nicht mehr in Gottesdiensten waren.“ Als Buschulte einen Sonntag den Lesungstext per Video-Einspieler vorlas, sei sie danach von vielen Menschen darauf angesprochen worden. Auch von einigen, die sie vorher noch nie in der Kirche gesehen hatte.

Die Orgelbühne der Kirche St. Bernhard Welver hat sich in den vergangenen Wochen zum Regieraum entwickelt. Laptop, Bild- und Tonmischer bündeln das Signal – und senden es per Livestream in die Wohnzimmer.
Die Orgelbühne der Kirche St. Bernhard Welver hat sich in den vergangenen Wochen zum Regieraum entwickelt. Laptop, Bild- und Tonmischer bündeln das Signal – und senden es per Livestream in die Wohnzimmer.

Start der Gottesdienste in Dortmund

Auch in Dortmund wurden ab dem vergangenen Freitag wieder die ersten Gottesdienste nach der Corona-Pause gefeiert. So gab es Gottesdienste im Pastoralen Raum Dortmund-Ost und im Pastoralen Raum Im Dortmunder Süden. Die Mehrheit der katholischen Gemeinden in Dortmund hatte sich allerdings dafür entschieden, erst zum 10. Mai wieder zu öffentlichen Gottesdiensten einzuladen. Dies hatte auch Stadtdechant Propst Andreas Coersmeier empfohlen, damit den Gemeinden genügend Zeit bleibt, die verschiedenen Auflagen zum Schutz der Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer umzusetzen.

Dabei ging es vor allem darum, das Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern nach allen Seiten hin einzuhalten. Aus dem Pastoralen Raum Dortmund-Ost berichtet Pfarrer Ludger Keite: „In den Kirchen waren die begrenzten Sitzplätze klar eingezeichnet. Menschen, die unter einem Dach gemeinsam leben, durften nebeneinandersitzen.“

Auf das Wesentliche reduziert

„Wir haben nicht groß für die Gottesdienste geworben, dennoch waren die Messen meist mit einem Drittel bzw. der Hälfte der üblichen Teilnehmer besetzt“, berichtet Pfarrer Christian Conrad, Leiter des Pastoralverbunds Im Dortmunder Süden. Die Gottesdienst-Teilnehmenden haben mit sehr großer Disziplin an den Feiern teilgenommen, das Konzept funktioniere. „Vor allem die Kommunionspendung ohne Spendeformel ‚Der Leib Christi‘ habe ich bei den Teilnehmenden sehr ehrfürchtig erlebt”, so Pfarrer Conrad.

Sein Resümee: „Der Gottesdienst an sich ist unter diesen Bedingungen etwas schlichter bzw. mehr auf das Wesentliche reduziert und kann auch unter diesen Einschränkungen sehr würdig gefeiert werden. Natürlich ist es anders und ungewohnt, aber dennoch möglich und hat ein gutes Gefühl hinterlassen. Viele Menschen sind sehr dankbar nach Hause gegangen.“

Große Vorsicht im Seniorenzentrum

Aufgrund seiner betagten Bewohnerinnen und Bewohner setzt das Seniorenzentrum St. Vincenz in Paderborn – so wie die anderen Seniorenheime auch – noch auf große Sicherheit. In der Kapelle des Seniorenzentrums feierte Pastor Thomas Bensmann am Samstagabend einen Gottesdienst, der via Bildschirm auf die Stationen übertragen wurde. Nach der Wandlung überreichte er Ulrike Schröder-Menke, Seelsorgebeauftragte im St. Vincenz, die Hostien, um sie mit den geforderten Schutzmaßnahmen den Bewohnerinnen und Bewohnern im Heim zu bringen.

Im Seniorenzentrum St. Vincenz feierte Pastor Thomas Bensmann Gottesdienst, Seelsorgebeauftragte Ulrike Schröder-Menke brachte die geweihten Hostien zu den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Im Seniorenzentrum St. Vincenz feierte Pastor Thomas Bensmann Gottesdienst, Seelsorgebeauftragte Ulrike Schröder-Menke brachte die geweihten Hostien zu den Bewohnerinnen und Bewohnern.

120 Sitzplätze im Dom

Auf den ersten öffentlichen Gottesdienst im Paderborner Dom kann Dompropst Joachim Göbel positiv zurückblicken: „Die Gottesdienst-Besucher und Besucherinnen waren sehr diszipliniert.“ Die Gläubigen seien dankbar gewesen, gemeinsam Gottesdienst feiern zu dürfen, wenngleich es noch einige Einschränkungen gab.

Das eigene „Gotteslob“, der Mundschutz, der Mindestabstand in den mit 120 weißen Punkten markierten Sitzbänken sowie beim Gang zur Kommunionen – für die Teilnehmenden in den Heiligen Messen im Hohen Dom war es eine Selbstverständlichkeit, sich an die Verhaltensregeln zu halten. Der Ordnungsdienst musste nicht einschreiten, stand jedoch für Hilfesuchende gern zur Seite.

„Zuerst die Hände waschen und desinfizieren“, ging Dompropst Göbel selbst mit gutem Beispiel beim Betreten der Sakristei vor dem Gottesdienst voran. Auch die Ministranten der sonntäglichen Frühmesse, die zugleich den Lektorendienst übernommen hatten, wussten, was zu tun ist. Hände reinigen, dann einkleiden und schließlich noch die Handschuh-Anprobe – immer im nötigen Abstand zueinander und während der Messfeier auch zum Zelebranten.

Auch im Hohen Dom zu Paderborn galt die Sitzordnung zum Schutz vor Corona. (Foto: Ronald Pfaff)
Auch für Dompropst Joachim Göbel galt: Beim Betreten der Sakristei Hände waschen und desinfizieren. (Foto: Ronald Pfaff)

“Wer Gott hat, dem fehlt nichts”

Das Evangelium „Der gute Hirte“ (Joh, 10,5) passe gut in die Zeit der Sorgen in der Corona-Krise, sagte Dompropst Joachim Göbel in seiner Predigt. Warum habe das Bild des „guten Hirten“ solch eine Kraft? „Weil die Schafe Jesu als Hirten vertrauen können. Er meint es ehrlich.“ Denn gerade in diesen Tagen sei die Verunsicherung groß. Es gäbe viele Meinungen und letztlich sei keiner da, der den richtigen Weg vollends kenne. „Wir haben zwar Erfahrungen mit Wirtschaftskrisen, aber nicht mit solchen Pandemien. Daher steht die Angst im Vordergrund.“ Eine Angst, die oft bis zur Existenz gehe. Die Menschen haben Angst vor dem Virus, weil man die Folgen nicht ausmalen könne und die Lage nicht überschaubar sei.

Auch Jesus habe die Grundängste vor Qualen, Schmerz und Tod gehabt. „Er war nicht der super Hirte, der angstfrei war. Aber Jesus nimmt die nötige Kraft daraus, sein Leben in die Hände des Vaters zu geben. Jesus lebt uns vor, dass das Schlimmste der Verlust Gottes ist“, so Göbel und schloss ein Gebet der Heiligen Teresa von Avila an: Nichts soll dich verstören, nichts dich erschrecken, alles vergeht, Gott ändert sich nicht. Geduld erlangt alles; wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott nur genügt.

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