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23
April
2020
23.April.2020

Auf dem Klosterwanderweg von Meschede nach Bestwig

Unterwegs mit dem Benediktiner Bruder Anno aus der Abtei Königsmünster

Während die Sonne durch die Bäume blitzt und den kalten Wind etwas erträglicher macht, wandert Bruder Anno von der Abtei Königsmünster in Meschede aus los. Es ist früh am Morgen. Der schwarze Habit des Benediktiners ist einer Outdoor-Jacke gewichen, mit Walking-Stöcken und Sportschuhen geht er durch den Wald am Rande der Innenstadt. Die Strecke kennt Bruder Anno haargenau. Er geht auf dem Klosterwanderweg, der von der Abtei auf dem Klosterberg zum Bergkloster in Bestwig führt.

„Wandern hat für mich eine große Tradition“, erklärt Bruder Anno. Der 56-Jährige stammt aus einer Gastronomen-Familie in Schmallenberg-Oberkirchen. Seine Eltern führten dort ein Hotel mit Restaurant. „Da gehörte Wandern mit den Gästen immer fest dazu.“ Auch nach seinem Einzug in die Abtei vor 35 Jahren ist die Leidenschaft bis heute geblieben. Sein Spitzname, der „Wanderpapst“, komme schließlich nicht von ungefähr, sagt er lachend. Zumal er durch das Wandern überhaupt erst ins Kloster nach Meschede gekommen sei – als Teilnehmer der „Wanderwoche – Mit Christus unterwegs“, die von der Abtei auch heute noch für Jugendliche und „Junggebliebene“ veranstaltet wird.

Bruder Anno auf der Burgruine Eversberg. Foto: Till Kupitz
Bruder Anno auf der Burgruine Eversberg. Foto: Till Kupitz

„Dass zwei aktive Klöster über einen solchen Wanderweg miteinander verbunden sind, ist unseres Wissens nach einmalig auf der Welt.“

– Bruder Anno

15 Kilometer als Tagesetappe

Hier, beim Wandern im Wald und insbesondere auf eben diesem Wanderweg „Von Kloster zu Kloster“, ist Bruder Anno zuhause. Er gehört zur Leitungsgruppe des Wanderweges, der 2017 offiziell eingeweiht wurde und aus einer Nord- und Südroute besteht. „Die Klöster sind gut 15 Kilometer entfernt voneinander, das ist eine gute Distanz für eine Tagesetappe“, sagt Bruder Anno. In beiden Klöstern gibt es die Möglichkeit zu übernachten, sodass eine Route als Hinweg und die andere am kommenden Tag als Rückweg dienen kann. Das ist aber kein Muss: Über Bus und Bahn sind die Strecken gut verknüpft, sodass man nur eine Route oder auch nur einen Teil davon gehen kann. „Dass zwei aktive Klöster über einen solchen Wanderweg miteinander verbunden sind, ist unseres Wissens nach einmalig auf der Welt“, beschreibt der Sauerländer Mönch.

Nachdenken und Innehalten

Bruder Anno ist heute auf der Nordroute unterwegs, die von der Abtei Königsmünster startend an der Kriegsgräberstätte vorbei, über die Burgruine in Eversberg und das kleine Walddorf Föckinghausen bis zum Bestwiger Bergkloster der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel führt. Es ist die einfachere der beiden Routen, die insgesamt 19 Impuls-Stationen beinhalten. Hier sollen Wanderer sich Zeit nehmen, um zu reflektieren, über das eigene Leben nachzudenken oder innezuhalten – so beispielsweise beim Blick über die Faith-Moschee von Meschede hin zur Abtei: „Erst, wenn ich meine eigene Tradition kenne, kann ich die fremde Tradition wertschätzen. Nicht bloß tolerieren, ertragen, sondern in Ehrfurcht anerkennen“, heißt es dort im Impulstext, den Pater Maurus aus der Abtei geschrieben hat. Jeder Impuls greift ein anderes Thema auf: An der Burgruine Eversberg geht es um Vergänglichkeit, beim Blick auf die Kriegsgräberstätte um ein Bewusstsein für das Leben.

Der Blick auf Bestwig vom Klosterwanderweg aus.

“Der Weg ist das Ziel”

„Auf unserem spirituellen Wanderweg gilt ganz besonders: Der Weg ist das Ziel“, erklärt Bruder Anno beim Blick auf die weite Landschaft. Das Pilgern habe im Christentum ja ohnehin eine lange Tradition. „Es spricht nicht nur die Hardware, sondern auch die Software eines Menschen an“, erklärt er. Es sei kein Zufall gewesen, dass Jesus Christus mit seinen Anhängern unterwegs war, genau wie Freiheitskämpfer wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. „Das alles waren Menschen in Bewegung“, so Bruder Anno. „Es gibt etwas Korrespondierendes zwischen Innen und Außen.“

Dass Bruder Anno Bewegung sehr wichtig ist, ist in Gesprächen sofort zu erkennen. Zu viel Rumsitzen mache auch geistig träge, daher ist er im Umkreis der Abtei oft mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. „Mir war schon früh bewusst, dass beim Klosterleben die Gefahr bestehen kann, inhäusig zu werden und sich zu wenig zu bewegen“, erklärt der Benediktiner auf dem Weg zur Burgruine Eversberg. Jahrelang hat er im Kloster die Buchhaltung geleitet. Da tat es ihm besonders gut, raus zu gehen.

Die Burgruine Eversberg.
Die Burgruine Eversberg.
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