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12
Oktober
2019

70 Jahre Kommende Dortmund

Die International Performing Arts Group "Gen Verde" unterhielt nicht nur die Gäste des Festaktes. Die Managerin der Gruppe berichtete auch von ihrer Arbeit mit Jugendlichen in Projekten der Kommende Dortmund.

Die International Performing Arts Group “Gen Verde” unterhielt nicht nur die Gäste des Festaktes. Die Managerin der Gruppe berichtete auch von ihrer Arbeit mit Jugendlichen in Projekten der Kommende Dortmund. Foto: pdp / Bodin

Am 9. Oktober 1949, wenige Monate nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, wurde in Dortmund die Kommende Dortmund, das Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn eingeweiht. Ihren 70. Geburtstag feierte die Kommende am Freitag mit einem Gottesdienst in der Propsteikirche und anschließendem Festakt in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses.

„Um Frieden und Gerechtigkeit in Kirche und Gesellschaft muss immer neu gerungen werden, intellektuell redlich und ganz praktisch“, beschrieb Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt eine der Kernaufgaben der Kommende Dortmund als Sozialinstitut und als Bildungshaus. Wie wichtig ein solches Ringen sei, habe man durch die Ereignisse in Halle erneut erfahren müssen. „Mit Trauer und Entsetzen denken wir an den furchtbaren Anschlag auf die Synagoge in Halle. Wir denken besonders an die unschuldigen Opfer“, sagte Erzbischof Becker. Die Kommende Dortmund hatte in einer gemeinsamen Erklärung mit anderen Herausgebern am Tag vor der Feier ihres Jubiläums ebenfalls Stellung bezogen: „Die Ereignisse von Halle zeigen, leider nicht zum ersten Mal, wie wichtig und unverzichtbar eine qualifizierte und differenzierte politische Bildungsarbeit ist.“ Sie mache sensibel für die großen und kleinen, für die offensichtlichen und die versteckten Anzeichen von Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und anderen Formen von Ausgrenzung.

Dieses Engagement insgesamt lobte Dortmunds Bürgermeisterin Birgit Jörder während des Festaktes im Rathaus. Die Kommende setze sich ein für ein “zivilisiertes Miteinander in aufgewühlten Zeiten”. Ganz praktisch wird dies in den Sozialen Seminaren der Kommende Dortmund mit Haupt- und Gesamtschülern sowie den jugendsozialen Projektwochen mit Jugendlichen aus Mittel- und Osteuropa über den Verein SocioMovens.

Zahlreiche Gäste waren zum Festakt in die Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses gekommen.

Zahlreiche Gäste waren zum Festakt in die Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses gekommen. Foto: pdp / Bodin

Beides wurde in Filmbeiträgen und Interviews ebenso vorgestellt, wie die Kommende-Stiftung beneVolens. Dabei gaben die Sängerinnen und Tänzerinnen der International Performing Arts Group “Gen Verde” nicht nur Kostproben ihrer Performance, sondern informierten auch über ihre Arbeit mit Jugendlichen in den Projekten der Kommende Dortmund. Sally McAllister, die Managerin der Gruppe, beschrieb anschaulich, wie während der Arbeit mit den Jugendlichen diese neue Hoffnungen entwickelten und sich von eher passiven zu aktiven und selbstbewussten Menschen wandelten.

Um die aktuellen „epochalen Herausforderungen“ für die Weltgemeinschaft ging es im Festvortrag von EU-Kommissar Günther Oettinger. Dazu zählte er besonders den Einsatz für die europäischen Werte und die parlamentarische Demokratie mit Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft. „Europa muss in der Lage sein, die Friedensunion zu exportieren“, sagte Günther Oettinger. Dies könne über die Perspektive der Mitgliedschaft für andere Länder geschehen. „Werden Sie Botschafter des europäischen Projekts“, forderte er das Publikum in der Bürgerhalle auf.

Ihren 70. Geburtstag feierte die Kommende Dortmund, das Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, am Freitag in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses (v.l.): Bürgermeister Manfred Sauer, Bürgermeisterin Birgit Jörder, EU-Kommissar Günther Oettinger, Erzbischof Hans-Josef Becker, Prof. Dr. Thomas Sternberg und Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor der Kommende Dortmund.

Ihren 70. Geburtstag feierte die Kommende Dortmund, das Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, am Freitag in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses (v.l.): Bürgermeister Manfred Sauer, Bürgermeisterin Birgit Jörder, EU-Kommissar Günther Oettinger, Erzbischof Hans-Josef Becker, Prof. Dr. Thomas Sternberg und Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor der Kommende Dortmund. Foto: pdp / Bodin

Weil der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, seine Teilnahme aufgrund von Verpflichtungen bei der Amazonas-Synode abgesagt hatte, ging Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ausführlicher auf das Thema „Weltgemeinwohl“ ein. Die soziale Frage lasse sich heute nicht mehr auf Deutschland oder Europa begrenzen. Während es den Deutschen insgesamt so gut gehe, wie noch nie, fange in anderen Ländern das 19. Jahrhundert erst an. So entspreche die Lage der Textilarbeiterinnen in Bangladesch heute durchaus den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Arbeiter zur Zeit der frühen Industrialisierung in England. Politische Bildung und Bewusstseinsbildung, beispielsweise für einen fairen Handel, seien deshalb durch Einrichtungen wie die Kommende Dortmund besonders wichtig.

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