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© Hans Blossey / luftbild-blossey.de
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Heilige Agatha: Ein Feiertag aus „fürst-väterlicher Sorge“

Der 5. Februar ist Sankt-Agatha-Tag. Folgende Sonntagsgottesdienste im Erzbistum werden von Feuerwehrleuten geprägt sein. Auch die Archivalie des Monats widmet sich der Heiligen. Und: Das Erzbistumsarchiv sucht weitere Hinweise zu Bräuchen rund um Agatha.

Die Archivalie aus dem Erzbistumsarchiv, ein Dekret von Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht, bezeugt die historische Agatha-Verehrung im Hochstift Paderborn. Noch heute wird sie um Schutz und Beistand angerufen. Insbesondere von den Wehrleuten. Außerdem ist sie Schutzpatronin für an Brustkrebs Erkrankte.

Der offizielle Schutzheilige der Feuerwehren ist deutschlandweit indes Sankt Florian. Viele Feuerwehrleute geben sich die Bezeichnung Floriansjünger, ihre Rufkennung am Funkgerät lautet Florian und überall im Land zeigen Wandgemälde an den Feuerwachen den Heiligen als behelmten Soldaten in römischer Rüstung, bewaffnet mit einem Löscheimer. Mit der heiligen Agatha von Catania gibt es aber eine zweite Schutzpatronin der Feuerwehren. Verehrt wird sie vor allem in der Schweiz und im Norden Deutschlands. An der Agatha-Verehrung gemessen, ist das Erzbistum Paderborn also dem Norden zuzuordnen!

Auf glühende Kohlen gelegt

Im Jahr 1712 wurde der Agatha-Tag sogar als Feiertag für das gesamte Hochstift Paderborn ausgerufen. Davon zeugt die Archivalie, ein Druck des Dekrets von Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht vom 25. Januar 1712 aus dem Bestand des Erzbistumsarchivs Paderborn.

Tatsächlich gab und gibt es im Erzbistum Paderborn eine innige Verehrung der Heiligen aus Catania, die um das Jahr 250 auf Sizilien im Zuge der Christenverfolgung den Feuertod als Märtyrerin fand. Der Legende nach ließ der römische Statthalter die geweihte Jungfrau erst in ein Bordell verschleppen und ihr dann die Brüste abschneiden. Als die Gefolterte daran nicht verstarb – der heilige Petrus war aus dem Himmel herabgestiegen, um die Wunden zu versorgen – verurteilte der Statthalter Agatha zum Feuertod. Sie wurde auf glühende Kohlen gelegt. Daher rührt die Verbindung zu den Feuerwehren, wobei sich das Patronat in jüngerer Zeit erneuerte und erweiterte. Mittlerweile wird sie auch als Fürsprecherin von an Brustkrebs erkrankten Menschen angerufen.

Vom Fastentag über Gottesdienste und Prozessionen bis hin zur Reliquienbüste

Gedenktag der heiligen Agatha ist der 5. Februar. Im Erzbistum Paderborn hat sich bis heute ein reiches Brauchtum um die Schutzheilige erhalten. In Hörste (Lippstadt, Kreis Soest), Heimat von Michael Streit, Geschäftsleitung des Erzbistumsarchivs, wurde früher den ganzen Agatha-Tag lang gefastet, „bis der erste Stern am Himmel steht“. Erst danach wurden Kartoffeln mit Specksoße als traditionelles Gericht aufgetischt. Selbst das Vieh wurde ins Fasten einbezogen. Gearbeitet wurde am Agatha-Tag nicht, der Tag galt als Feiertag.

Mit einer Gelübde-Erneuerung durch den Bürgermeister und Ratsvertreter am Anfang des Hochamtes, mit Betstunden, dem Agatha-Opfer, Almosen, Spenden, einer Agatha-Predigt und der anschließenden Prozession durch die geschmückte Stadt feiert Olpe das Agatha-Fest in ausführlichster Weise. Wie das gesamte kurkölnische Sauerland zählte die Pfarrei Olpe bis 1821 zum Erzbistum Köln.

Im Sauerland ist die Heilige Agatha sehr präsent, was Michael Streit auf die große und allgegenwärtige Brandgefahr durch offenes Feuer und auch Blitzschlag zurückführt, der die Menschen in den früheren Jahrhunderten wenig entgegenzusetzen hatten. In Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter) befindet sich in einer wertvollen Reliquienbüste „das ganze Haupt“ der heiligen Agatha. Die Reliquie wird von der Feuerwehr bei der Agatha-Prozession am Sonntag nach dem 5. Februar durch den Ort getragen.

Das Paderborner Zentrum der Agatha-Verehrung ist die Busdorfkirche. Bei der Agatha-Prozession hier tragen Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr die barocke Figur der Heiligen.

Noch bis zum 8. Februar sehenswerte Ausstellung

Michael Streit, Geschäftsleitung des Erzbistumsarchivs in Paderborn, ist fast schon so etwas wie ein Botschafter der regionalen Agatha-Frömmigkeit.

So hielt er zum diesjährigen Gedenktag der Heiligen am Vorabend, 4. Februar 2026, in der Reihe „Sperrige Heilige “ des Erzbistums Bamberg gemeinsam mit einer weiteren Referentin einen Online-Vortrag. Titel: „HI. Agatha – geweihte Jungfrau, Genderikone und Patronin der Brustkrebspatientinnen“. Darin stellte Michael Streit die Agatha-Verehrung im Erzbistum Paderborn vor.

Dasselbe Thema wurde auch im Rahmenprogramm der Ausstellung in Everswinkel-Alverskirchen „Agatha: alles – außer gewöhnlich! “ vorgestellt. Für Kurzentschlossene besteht bis Sonntag, 8. Februar noch die Möglichkeit zum Besuch der sehenswerten Ausstellung. In diesem Jahr jährt sich der 1800. Geburtstag der Schutzpatronin. Gezeigt werden hochrangige kunstgeschichtliche Exponate, Außergewöhnliches und auch Kurioses.

Michael Streit kennt das religiöse Brauchtum um die Schutzheilige von Kindesbeinen an. Begründet ist dies mit dem Lobetag den in seiner Heimatpfarrei St. Martinus Hörste gepflegten Traditionen. Dort wird St. Agatha seit Jahrhunderten als Lobetag begangen, und zwar als Fast- und Abstinenztag. Michael Streit: „Im Elternhaus meiner Mutter und auch in dem meiner Schwiegermutter wurde gefastet, bis der erste Stern am Himmel steht.“ Ein buntes Foto findet sich im Evangelistar (Buch für die Lesungen) seiner Heimatgemeinde.

Aufruf des Erzbistumsarchivs: Teilen Sie uns ihr Wissen rund um Bräuche zur Heiligen Agatha mit!

Um weiteres Wissen über das religiöse Brauchtum zu sammeln, bittet Michael Streit nun um Mithilfe aller, die ihm etwas zur heutigen, aber auch zur früheren Verehrung der heiligen Agatha im Erzbistum Paderborn mitteilen können.

  • Gab es Lobetage (Fasten- und Abstinenztage)?
  • Wurden Prozessionen durchgeführt?
  • Wo wird Agatha als Patronin der Feuerwehr verehrt?
  • Wo und mit welchen Attributen (z.B. Märtyrerpalme, Zange, Schale), Krone, Kohlenschale, Flammen, Einhorn usw.) ist sie dargestellt?
  • Wo wird, wie etwa seit einigen Jahren in Attendorn, Agathabrot gebacken?
  • Gibt es spezielle Lieder und Gebete?

Wenn Sie Antworten auf diese und weitere Fragen haben, freut sich Michael Streit auf Ihre E-Mail:
michael.streit@erzbistum-paderborn.de

Der Agatha-Tag als geistliche Antwort auf Feuersbrünste

Zurück zum Dekret, der Archivalie des Monats: In wohlziselierten Sätzen erklärt der Fürstbischof in seiner Verfügung aus „Fürst-Väterlicher Sorge“ den Agatha-Tag zum Feiertag. Hintergrund des mit Einverständnis des Domkapitels erlassenen Dekrets sind die verheerenden Feuersbrünste in den Städten und Dörfern des Hochstifts. Dabei verweist der Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht darauf, dass er vor seinem Erlass seine weltliche Macht in Sachen Brandschutz bereits ausgeübt und ausgeschöpft hat. Fahrlässigkeiten, die zu Feuersbrünsten geführt haben, seien mit Strafe belegt worden. Weil der intendierte Zweck jedoch nicht vollständig erreicht wurde, müssen es nun die Himmlischen in Person der heiligen Agatha richten.

Verfügt werden im Dekret auch die Regelungen zur Ausgestaltung des neuen Feiertags. Der Agatha-Tag ist demnach arbeitsfrei. Ein Tag des Müßiggangs war der Feiertag jedoch nicht. Vor der Messe am Morgen, so die Worte des Fürstbischofs, ist eine Prozession mit dem Allerheiligsten abzuhalten, daran anschließend ein Hochamt mit Predigt, ferner soll ein feiertäglicher Segen erteilt werden. Nachmittags hat die Aussetzung des Allerheiligsten zu erfolgen, dann folgt der Rosenkranz zur Abwehr von hochschädlichen Feuersbrünsten, die Lauretanische Litanei (auf Deutsch), das Salve Regina und die gesungene Collecta von der heiligen Mutter Gottes und von der heiligen Märtyrerin Agatha. Beschlossen wird der Tag mit dem eucharistischen Segen.

Die Archivalie des Monats Februar 2026: Dekret von Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht, 25. Januar 1712

Von Gottes Gnaden Wir Frantz Arnold / Bischoff zu Paderborn unnd Münster / Burggraff zum Stromberg / des Heiligen Römischen Reichs Fürst / Graeff zu Pyrmondt / und Herr zu Borckeloh / etc.

Fügen hiermit zu wissen / und ist leider! überall bekandt / was massen in hiesigem Unserem Hochstifft / in wenigen Jahren so wohl in Städten / als Dorffschafften / verschiedene hochschädliche Feuersbrunsten entstanden / wodurch die Eingesessene und Underthanen nicht allein grossen Schaden erlitten / sondern auch ihre Häuser und Gereitschafft zumahlen eingeäschert / und sie zur Ruin und Armuth gerahten seynd; Und dann wir auß Fürst-Vätterlicher Vorsorge / solchem befahrendem weiteren unglück und schädlichen Feuersbrunsten / so viel möglich vorzukom[m]en / damit der Allerhöchste von hiesigem Hochstifft und Underthanen solche gnädiglich abkehhren möge: Zu solchem Ende auch hiebevorn eine heylsame Verordnung zwarn ins Land publicirt / und zu deren Observierung die Underthanen öffter ermahnet worden / auch auff außgesündigte Fahrläßigkeit die Contraventoren mit gehöriger straff belegen lassen / deme gleichwohl ohnangesehender intendirter Zweck nicht völlig erreichet / sondern immettelst noch verschiedene schädliche Feuersbrunsten in hiesiegen Stiffts Städten und Dorffschafften entstanden. Daß Wir dahero für hochnöhtig und dienlich zu seyn befunden / die großmächtige Patroninne wider derglichen Feuersbrunsten / die heilige Jungfer und Martyrin Agatham, als eine Fürsprecherin bey GOtt zu erwehlen: Inmassen die Historien der Kirchen bezeugen / daß durch dero Fürbitt dergleichen Feuersbrunsten abgekehret worden. Damit Wir nun ein gleichmäßiges Patrocinium von dem gütigen GOtt / durch Fürbitt ermelter heil. Martyrinnen / erhalten mögen / so haben Wir mit Vorwissen Unsers Ehrwürdigen Thumb-Capituls zu Paderborn / auß Bischöfflicher Macht und Authorität gnädigst verordnet / damit das Fest der heiligen Agathae Martyrin / welches einfällt auff den 5ten anscheinenden Monats Februarij, alljährlich in unserem Hochstifft und allen Pfarren auch Clösteren dergestalt gefeyert / und von aller Hand-Arbeit durch den gantzen Tag eingehalten werde / auffdaß des Morgens vor Anfang der hochheiligen Messe die Processio mit dem Venerabili gehalten / und nach verrichtetem Ambt der hochheiligen Meß / und gehaltener Predig / wie auff anderen Feyertägen gewöhnlich / der Seegen gegeben / Nachmittags ebenmäßig das hochheilige Venerabile außgesetzet / und der Rosenkranz / für Abkehrung dergleichen hochschädlicher Feuersbrunsten gebetten / wie auch die Litaniae Lauretanae auff Teutsch / imgleichen das Salve Regina nebst der Collecta von der heiligen Mutter Gottes / und von der heiligen Martyrin Agatha gesungen / und darauff die Benediction mit dem Hochwürdigsten abermahl gegeben / und also diese Andacht beschlossen werde. Damit nun solche mit grösser Aufferbäulichkeit verrichetet werden möge / verordnen und wollen Wir / daß alle Seelsorger und Pastores auch Prediger / ihre Pfarr-Kinder und Zuhörer auff vorhergehenden Sonntag dieses Fests / zuvorerwehnter Andacht fleißig ermahnen und auffmunteren / zu dem End dann diese heylsame Verordnung gehörig publicirt und affigirt / und Jedermänglichen kund gemacht werden solle. Urkundlich Unsers hierunder gesetzen Namens und Hoch-Fürstl. Secrets. Signatum auff Unserm Residentz-Schloß Neuhauß den 25 Januarij

1712.

Frantz Arnold.

L. S.

(Transkription durch das Erzbistumsarchiv Paderborn)

Fotos (Archivalien: Urkunde / Dekret, handschriftlicher Entwurf) Erzbistumsarchiv Paderborn
Foto (Reliquienbüste Neuenheerse) Michael Streit
Foto (Evangelistar Pfarrei Hörste) Michael Streit
Signatur Alt: EBAP, rot 169, fol. 73ff. Derzeitig: EBAP, B 3.1 (Acta Generalia bis 1821), fol. 73 ff.
Entstehungsdatum Januar 1712
Provenienz Generalvikariat Paderborn
Autor

Michael Streit

Literaturangaben Linneborn, Johannes: Inventar des Archivs des Bischöflichen Generalvikariats zu Paderborn; Herausgegeben von der Historischen Kommission der Provinz Westfalen; Aschendorff, Münster, 1920; S. 148
Niggemeyer, Margarete: Eine Wolke von Zeugen – Die Heiligen im Hohen Dom zu Paderborn, Mit Fotos von Ansgar Hoffmann; Bonifatius, Paderborn, 2007

Die Archivalie des Monats

Das Erzbistumsarchiv ist das Gedächtnis unserer Erzdiözese. Es sichert und erschließt die schriftliche Überlieferung und macht Geschichte allgemein zugänglich. Und das sogar kostenlos. Selbst die wertvollsten Archivstücke können Sie sich werktäglich zu den Öffnungszeiten des Erzbistumsarchivs ansehen. Darunter sind selbstverständlich auch die Stücke, die wir Ihnen in unserer Reihe „Die Archivalie des Monats“ vorstellen.

Besuchendenadresse:

Erzbistumsarchiv Paderborn
Domplatz 15 (Konrad-Martin-Haus)
33098 Paderborn
Tel.: (0 52 51) 1 25-12 52
E-Mail: archiv@erzbistum-paderborn.de
Geöffnet Montag-Donnerstag, 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Ein Hinweis für alle genealogisch Interessierten: Die digitalisierten Kirchenbücher des Erzbistums Paderborn finden Sie auf

Matricula

Ein Beitrag von:
© Jürgen Hinterleithner
freier Autor

Hans Pöllmann

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Archivar

Michael Streit

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