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© Svea Wenderoth
© Svea Wenderoth

Warum die Sießener Franziskanerinnen ihre Komfortzone verlassen

Die gewohnte Umgebung hinter sich lassen und aufbrechen in ein Abenteuer mit Gott: Drei Sießener Franziskannrinnen sind in einen kleinen Konvent in Dortmund gezogen.

Aus Sießen in Baden-Württemberg nach Westfalen und ins Ruhrgebiet: Schwester Annette Eisele und Schwester Franja Köhler folgten zusammen mit drei weiteren Sießener Franziskanerinnen einer Einladung von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. Mit dem Projekt „CityKloster“ wollen sie ihren Glauben vor Ort neu erfahrbar machen.

Zu Beginn des Neuaufbruchs hatte Schwester Annette vor allem eines – viele Fragen: „Was kommt auf uns zu? Wie werden wir aufgenommen? Welche Menschen werden uns begegnen? Werde ich dem gewachsen sein? Wird das Projekt gelingen?“ Doch trotz all dieser Ungewissheit hat sie den Schritt ins Unbekannte gewagt. „Und genau darin liegt der Mut jedes Neuaufbruchs.

Was ihnen selber Mut macht, ist zu wissen, dass sie in Dortmund „keinen luftleeren Raum vorfinden. Es gibt ganz viele kirchliche Angebote und wir schauen, wo wir andocken, wo können wir aber vielleicht auch etwas Neues entwickeln“, so Schwester Annette.

Mutige Suche

Als Schwester Annette sich zum ersten Mal in der Dortmunder Innenstadt umsieht, macht sie einen Zwischenstopp beim Imbiss „Wurst Willi“. Dort hat sie Zeit, das Treiben zu beobachten, und vor allem ein Eindruck bleibt hängen: „Diese Unterschiedlichkeit der Welten. Einerseits Menschen, die einkaufen gehen, und andererseits Menschen, die dort sitzen und betteln. Dieser krasse Kontrast ist mir gleich aufgefallen“, so Schwester Annette. Die Schwestern wollen die Menschen in Dortmund erreichen – mit Worten, aber auch mit Taten. „Zum Beispiel, indem ich bei den obdachlosen Menschen bin. Ich weiß, Jesus würde es genauso machen“, ergänzt Schwester Annette.

Aber auch das Gespräch ist ein zentraler Aspekt ihres Wirkens ins Dortmund. Die Schwestern erleben, dass viele Menschen auf der Suche nach einem Austausch über den Glauben sind. Schwester Annette erklärt: „Mit uns können sie einfach reden und ihre Fragen loswerden. Und es ist nicht so, dass wir die Antwort haben. Wir haben zwar schon viel entdeckt, wollen aber selbst auch weiter suchen.“ Schwester Franja ergänzt: „Dadurch, dass wir schon eine Gemeinschaft sind, können wir miteinander suchen und andere, die auf der Suche sind, viel leichter in die Gemeinschaft integrieren.“

Mut im Zusammenleben

In Dortmund leben die fünf Schwestern in einer völlig neuen Konstellation zusammen und müssen vieles neu austarieren: Wer geht einkaufen? Wer räumt die Spülmaschine aus? Und wann? Da braucht es Mut, zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen. Schwester Annette beschreibt es so: „Das ist wie in einer Familie. Die eine Schwester möchte am Wochenende gerne ausschlafen, die andere schon frühmorgens Gemeinschaft leben. Das ist dann ein Abwägen. Und dadurch, dass wir nur zu fünft sind, lebt man auch viel enger miteinander und ist ständig in Kontakt. Von unserem Alter und unseren Persönlichkeiten sind wir sehr verschieden. Ich glaube nicht, dass wir uns ausgesucht hätten, aber wir sind uns so gegeben. Man merkt auch, dass das Zusammenleben möglich ist und man auch viel Freude aneinander entwickelt.“

Mut zu zweifeln

Auf die Schwestern kommen in Dortmund ganz neue Aufgaben zu, für die sie immer wieder auch ihre eigene Komfortzone verlassen müssen. Diese Herausforderungen zu meistern, erfordert Mut. „Ein Übungsfeld von mir ist es, auch mal bei Leuten auf den Tisch zu hauen. Das gehört nicht zu den Dingen, die ich von alleine machen würde, das muss ich erst einmal üben“, gesteht Schwester Franja.

Gleichzeitig ist es auch mutig, sich die eigenen Schwächen einzugestehen: „Zu sagen, an dem Punkt kämpfe ich, da fühle ich mich ganz ohnmächtig“, so Schwester Annette. Sie findet es wichtig, sich darüber auszutauschen, da man so erfährt, dass andere ähnliche Erfahrungen machen. Das ermutigt sie zusätzlich, den Weg weiterzugehen. Sie hat aber auch den Eindruck, dass viele Menschen Ordensschwestern gar nicht zutrauen, dass sie auch zweifeln und hadern. „Als ich mit einer Frau darüber gesprochen habe, dass ich manchmal auch alles hinterfrage und gar nicht mehr weiß, wie Glaube überhaupt geht, hat sie mich völlig entgeistert angeschaut. Darauf hat sie mich später immer wieder angesprochen, weil sie das so nicht erwartet hat.“

Mut lohnt sich

Doch trotz aller Umstellungen und trotz Momenten des Zweifelns lohnt sich der mutige Schritt, nach Dortmund zu gehen. Das wird den Schwestern vor allem dann bewusst, wenn Menschen sie auf der Straße anstrahlen. „Es haben auch schon Menschen gesagt: ,Es tut mir gut, dass ihr da seid‘, das gibt mir eine Sicherheit“, so Schwester Annette. Durch ihre Ordenskleidung fallen die Franziskanerinnen auf und bieten Anlass, ins Gespräch zu kommen. Vor allem eine Situation ist Schwester Franja in Erinnerung geblieben: „Ich bin Bahn gefahren und mir gegenüber saß ein Muslim, der mir seine ganze Glaubensgeschichte erzählt hat, wie er so mit Gott unterwegs ist. Das war richtig schön.“

Menschen begegnen und mit ihnen ins Gespräch kommen, das ist der Wunsch der Sießener Franziskanerinnen und der Grund, warum sie den mutigen Neuaufbruch wagen.

Ein Beitrag von:

Svea Wenderoth

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