Anderen Mut machen
Es sind immer wieder Grenzsituationen, in die das Ehrenamt sie stößt, nicht selten existenziell, manchmal bedrohlich, oft unvorhersehbar. Wenn der Einsatz für sie zu Ende geht, bleiben Menschen im Ausnahmezustand zurück: Angehörige, Ersthelfer, Einsatzkräfte. Nach einigen Jahren im Feuerwehrdienst spürte Susanne Hüwel-Rozman, dass ihr ein Baustein im Puzzle noch fehlte: „Wir haben super Fahrzeuge, Geräte und Einsatzkleidung, eine gute technische Ausbildung. Nach Einsätzen fragte ich mich aber oft: Was passiert jetzt mit den Zurückgebliebenen?“
Im Jahr 2017 bildete sie sich darum in der Psychosozialen Unterstützung für Einsatzkräfte weiter, 2018 besuchte sie einen Lehrgang zur Notfallseelsorge und hat seitdem schon vielen Betroffenen in Notsituationen geholfen. Im Mai 2025 wurde Susanne Hüwel-Rozman vom Erzbistum Paderborn und der Feuerwehr zur Fachberaterin Seelsorge im Bereich der Feuerwehr ernannt.
Unvorhersehbar: Situationen und Reaktionen können völlig unterschiedlich sein
Notfallseelsorge kommt ins Spiel, wenn Menschen schwer verunglücken, akute Krisen oder tragische Todesfälle eintreffen, bei Unfällen, Verbrechen, Suiziden oder plötzlichem Kindstod. Wird Susanne Hüwel-Rozman in solchen Fällen gerufen, um Menschen in schwersten Momenten zu begleiten und Trost zu spenden, weiß sie: Hier gibt es keinen Fehlalarm. „Mutig zu sein, heißt in dieser Situation, mir selbst zu vertrauen.“ Dabei weiß sie auch hier nicht, was sie erwartet. Mal herrscht am Einsatzort komplettes Chaos, es wird geschrien und geweint oder der Rettungsdienst versucht, einen Menschen wiederzubeleben. Mal herrscht totale Stille.
Vor Ort angekommen, nimmt sie sich Zeit, verschafft sich nach der Übergabe durch Einsatzkräfte einen Überblick. Um dann voll und ganz bei denen zu sein, die sie jetzt brauchen. „Ich stelle mich den Betroffenen kurz vor, sage: ‚Wenn Sie wollen, bleibe ich. Ich bin für Sie da. Wenn Fragen sind, fragen Sie. Wenn Sie wollen, sprechen Sie.‘ Oft halten wir gemeinsam die Stille aus.“