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Susanne Hüwel-Rozmans Dienst für die Feuerwehr zwischen Einsatz © Ralf Litera/Erzbistum Paderborn
Susanne Hüwel-Rozmans Dienst für die Feuerwehr zwischen Einsatz © Ralf Litera/Erzbistum Paderborn

Wie der Glaube eine Feuerwehrfrau und Notfallseelsorgerin trägt

Wenn Sekunden zählen und nichts sicher ist: Susanne Hüwel-Rozman leistet ihren Dienst für die Feuerwehr zwischen Einsatz, Emotion und innerer Stärke.

An das durchdringende Piepen des Melders vor ihrem ersten Einsatz erinnert sich Susanne Hüwel-Rozman gut. Ein stiller Morgen im Spätsommer 2013. Wie das sein würde, wenn ihr erstmals ein Unfall oder Brand, schwer Verletzte, womöglich Tote gemeldet würden, hatte sie sich oft gefragt.

Der schrille Ton war ihr von der Probealarmierung bekannt. Als die Sprachdurchsage der Rettungsleitstelle in die Stille des Morgens hineinplatzte, war die Aufregung trotzdem groß: ein Verkehrsunfall mit drei Verletzten, eine eingeklemmte Person. „Ich stand vor dem Badezimmerspiegel und brauchte einen Moment. Fragte mich: Kannst du das echt? Und dachte: Zu Hause bleiben kannst du jetzt nicht. Du hast dich ja entschieden.“ Nervös sprang sie also ins Auto, fuhr zum Feuerwehrhaus, um eilig in die Einsatzkleidung zu schlüpfen – die Kameraden waren im Einsatzfahrzeug schon aufgebrochen. So fuhr sie mit dem Zweitfahrzeug hinterher. Ungewiss, was sie vor Ort erwarten würde.

Mut kommt unterwegs

Susanne Hüwel-Rozman ist seit vielen Jahren mit Leidenschaft und Begeisterung bei der freiwilligen Feuerwehr in Marsberg aktiv und seither unzählige Einsätze gefahren. An- gefangen hat die gelernte Altenpflegerin 2013 bei den First Respondern, war also notfallerfahren. Im selben Jahr fragte die Feuerwehr bei ihr an. „Ich hatte immer schon großen Respekt vor der Arbeit der Feuerwehr, die ich von meinem Bruder kannte, und wollte etwas Sinnvolles tun, das den Menschen im eigenen Ort hilft.“

Anrücken in unklaren Situationen, das ist heute Routine für die erfahrene Feuerwehrfrau. Und zugleich Ausdruck eines tiefen Mutes. An die Aufregung, wenn der Melder sie aus Alltagssituationen herausreißt, hat sie sich mittlerweile gewöhnt. „Für mich ist es wichtig, dann rasch runterzukommen, auch wenn es schnell gehen muss.“ Wenn sie im Einsatzfahrzeug sitzt, spricht Susanne Hüwel-Rozman darum wenig und beobachtet viel: das Draußen, die Kameraden. Sie atmet tief durch und spürt die Ruhe, die sie braucht, wenn es gleich ernst wird.

Die Angst, wenn Kinder beteiligt sind

Bei rund 60 Einsätzen im Jahr unterstützt sie. Besonders herausfordernd: wenn Kinder beteiligt sind. An einen Einsatz erinnert sich die Mutter besonders: Die Leitstelle hatte einen Verkehrsunfall gemeldet. Im Nachsatz hieß es: Kinder betroffen. Sie sagt: „Ich wusste: Mein Sohn war fünf Minuten vorher diese Straße mit dem Gokart heruntergerast und war mir sicher: Es ist mein Kind, das da verunglückt ist.“ Die Angst ließ sie kurz zögern, dann erinnerte sie sich an ihre Entscheidung, an die Verantwortung, die sie übernommen hatte, und sagte sich: „Wenn es mein Kind ist, dann bin ich immerhin dabei. Wenn es ein anderes ist, dann dennoch ein Kind.“ So fuhr sie hin, um zu helfen.

Anderen Mut machen

Es sind immer wieder Grenzsituationen, in die das Ehrenamt sie stößt, nicht selten existenziell, manchmal bedrohlich, oft unvorhersehbar. Wenn der Einsatz für sie zu Ende geht, bleiben Menschen im Ausnahmezustand zurück: Angehörige, Ersthelfer, Einsatzkräfte. Nach einigen Jahren im Feuerwehrdienst spürte Susanne Hüwel-Rozman, dass ihr ein Baustein im Puzzle noch fehlte: „Wir haben super Fahrzeuge, Geräte und Einsatzkleidung, eine gute technische Ausbildung. Nach Einsätzen fragte ich mich aber oft: Was passiert jetzt mit den Zurückgebliebenen?“

Im Jahr 2017 bildete sie sich darum in der Psychosozialen Unterstützung für Einsatzkräfte weiter, 2018 besuchte sie einen Lehrgang zur Notfallseelsorge und hat seitdem schon vielen Betroffenen in Notsituationen geholfen. Im Mai 2025 wurde Susanne Hüwel-Rozman vom Erzbistum Paderborn und der Feuerwehr zur Fachberaterin Seelsorge im Bereich der Feuerwehr ernannt.

Unvorhersehbar: Situationen und Reaktionen können völlig unterschiedlich sein

Notfallseelsorge kommt ins Spiel, wenn Menschen schwer verunglücken, akute Krisen oder tragische Todesfälle eintreffen, bei Unfällen, Verbrechen, Suiziden oder plötzlichem Kindstod. Wird Susanne Hüwel-Rozman in solchen Fällen gerufen, um Menschen in schwersten Momenten zu begleiten und Trost zu spenden, weiß sie: Hier gibt es keinen Fehlalarm. „Mutig zu sein, heißt in dieser Situation, mir selbst zu vertrauen.“ Dabei weiß sie auch hier nicht, was sie erwartet. Mal herrscht am Einsatzort komplettes Chaos, es wird geschrien und geweint oder der Rettungsdienst versucht, einen Menschen wiederzubeleben. Mal herrscht totale Stille.

Vor Ort angekommen, nimmt sie sich Zeit, verschafft sich nach der Übergabe durch Einsatzkräfte einen Überblick. Um dann voll und ganz bei denen zu sein, die sie jetzt brauchen. „Ich stelle mich den Betroffenen kurz vor, sage: ‚Wenn Sie wollen, bleibe ich. Ich bin für Sie da. Wenn Fragen sind, fragen Sie. Wenn Sie wollen, sprechen Sie.‘ Oft halten wir gemeinsam die Stille aus.“

Ruhe tanken und bewahren

Wie schafft Susanne Hüwel-Rozman es, immer wieder ihren Mut zusammenzunehmen? Woher nimmt sie die Kraft, ins Auto zu steigen, wenn der Melder geht, um anderen Menschen Mut zu machen?

Der Glaube spielt für ihren Dienst eine Rolle, als tragende Selbstverständlichkeit, im Hintergrund. Und die Zeit in der Schöpfung: „Mein Ausgleich ist die Natur, die viel Ruhe ausstrahlt.“ In ihrer Freizeit ist die Feuerwehrfrau oft draußen unterwegs, fotografiert und wandert gerne. „Hier lasse ich auch Einsätze Revue passieren. Dann wird mir bewusst, wie gut es einem geht, wenn man Menschen hat, die für einen da sind.“

Ihr klarer Fokus bei Einsätzen liegt aber voll und ganz auf dem Geschehen vor Ort. Darauf, sich selbst zu überwinden, um anderen zu helfen. „Dabei kann es mutig sein, sich einzugestehen: Ich habe Angst, weiß nicht, ob ich mir das jetzt zutraue“, erinnert sie sich an ihre ersten Erfahrungen bei der Feuerwehr. „Um dann handlungsfähig zu bleiben, müssen Entscheidungen bewusst sein.“

Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
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Dr. Carina Middel

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