Unter dem Titel „Verfassungsstaat in der Krise? Demokratische Institutionen im Fadenkreuz extremistischer Kräfte“ hat am Montag, 9. Februar 2026, die 19. Juristentagung im Erzbistum Paderborn stattgefunden. In der Katholischen Akademie Schwerte diskutierten rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Herausforderungen für den demokratischen Rechtsstaat. Im Mittelpunkt standen verfassungsrechtliche, mediale und wirtschaftsethische Perspektiven sowie die Frage, welche Voraussetzungen Demokratie heute braucht, um widerstandsfähig zu bleiben.
Die Tagung brachte namhafte Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft, Medien und Ethik zusammen. Ziel war es, Entwicklungen zu analysieren, demokratische Gefährdungen einzuordnen und Verantwortungsträger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen in den Dialog zu bringen.
Eröffnung durch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz
Der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz benannte in seiner Begrüßung die wachsende Sorge um gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Ich möchte freimütig konstatieren, dass wir zunehmend in großer Sorge sind: in Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, in Sorge um den Stil politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, in Sorge um die Stabilität unseres Gemeinwesens.“
Noch vor wenigen Jahrzehnten seien entsprechende Szenarien eher theoretischer Natur gewesen. Heute prägten multiple Krisen und die Dynamiken sozialer Medien den politischen Diskurs. Zugleich betonte Dr. Bentz die Verantwortung aller gesellschaftlichen Akteure: „Die verfassungsrechtliche Ordnung trägt die Menschen, ist aber nur so stark, wie die Menschen bereit sind, ihrerseits die Ordnung zu tragen.“ Mut machten ihm dabei zahlreiche Beispiele von Protest, Zivilcourage und Engagement für Demokratie. Und auch die Kirche sei bereit, mit und in ihren Einrichtungen klare Haltungen für Menschenwürde und Demokratie zu vermitteln. Grenzen der Meinungsvielfalt zog er dort, wo demokratische Grundprinzipien infrage gestellt werden und Andersdenkende zu Feinden erklärt würden. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ und zitierte daraus: „Ohne ein umfassendes Verständnis der Menschenwürde gibt es kein freiheitliches und gerechtes Zusammenleben.“
Ein Grußwort sprach Gudrun Schäpers, Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm. Sie machte darin darauf aufmerksam, „dass wir seit mehr als 80 Jahren in Frieden leben und das Grundgesetz seit mehr als 75 Jahren unsere Rechte schützt“. Das sei keineswegs selbstverständlich.