logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Unterrichtsfächer: Himmel und Erde

„Man soll mit dem Wort ‚historisch‘ sorgsam umgehen. Aber wenn nach 368 Jahren die letzte Ordensschwester im Gymnasium St. Michael aus dem aktiven Dienst verabschiedet wird, dann hat das eine historische Dimension.“ Mit diesen Worten würdigte Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Leiter des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat, Oberstudiendirektorin i.E. Schwester M. Ulrike Brand. Die Ordensschwester und Lehrerin wurde am Donnerstag, 29. Januar 2026, mit einem bewegenden Festakt im Musikforum der Schulen St. Michael in Paderborn in den Ruhestand verabschiedet.

Sr. M. Ulrike Brand ist Augustiner Chorfrau. Sie war zudem fast 40 Jahre mit Herz und Seele Lehrerin, über ein Vierteljahrhundert davon am Gymnasium St. Michael und zuletzt dort auch seit 2018 Mitglied der dreiköpfigen kollegialen Schulleitung. Sr. Ulrikes Verantwortungsbereich war die Koordination der Oberstufe. 2012 haben die Augustiner Chorfrauen die Trägerschaft des Gymnasiums und der Realschule St. Michael an das Erzbistum Paderborn übergeben.

Zugang zu Bildung ermöglicht

Mit den Klängen von „Licht des Lebens“, der Hymne des Heiligen Jahres 2025, sang ein Chor von Lehrerinnen und Lehrern den Auftakt zum Festakt. In der Hoffnung, dass „wir uns fragend, suchend und sehend vom Geist Gottes führen lassen“, begrüßte Schulleiter Claudius Hildmann die Gäste im Namen der Schulgemeinschaft. Die Verabschiedung von Sr. Ulrike sei ein „betrüblich-nachdenklicher, aber auch ein freudvoll-dankbarer Anlass“, so Hildmann.

Monsignore Joachim Göbel sagte in seinem Grußwort, dass eine einzelne Ordensfrau zwar noch nicht das katholische Profil einer Schule ausmache. Aber „die weit über das Maß von Lehrerarbeitszeit hinausgehende Sorge“ einer Ordensschwester um Schülerinnen und Schüler werde vermisst werden.

Gelübde erfüllt

Nahezu ununterbrochen hätten die Augustiner Chorfrauen in Paderborn „ihr besonderes Gelübde erfüllt, sich der Mädchenerziehung zu widmen“. Dadurch hätten die Schwestern „Generationen von Frauen Zugang zu Bildung und damit Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht“ und einen wichtigen Beitrag zur Weitergabe religiöser Traditionen und des Glaubens geleistet. Mittlerweile werden an den Schulen St. Michael auch Jungen unterrichtet. „Brennen Sie auch im Ruhestand für das Wohl der uns anvertrauten Kinder. Bleiben Sie präsent und unterstützen Sie die Arbeit der Lehrenden, der Schulseelsorge, der Schulsozialarbeit und aller Beteiligten durch Ihr Gebet“, bat der Leiter des Bereichs Schule und Hochschule Sr. Ulrike.

Brücken gebaut

„Auf die Frage nach ihren Unterrichtsfächern hat Sr. Ulrike immer gesagt: Ich unterrichte ‚Himmel und Erde‘“. Mit diesen Worten leitete Sr. M. Ancilla Ernstberger, Oberin der Augustiner Chorfrauen Paderborn, die Würdigung ihrer Mitschwester ein. Mit den Fächern Religion und Erdkunde sei Sr. Ulrike eine „Brückenbauerin“ gewesen. Vom Aufnahmegespräch von Schülerinnen und Schülern bis zur Krisenbewältigung habe sie ihre Aufgaben mit Freude erfüllt. „Sr. Ulrike hat sich nicht auf ihr Dienstende gefreut“, ließ die Oberin die Leidenschaft von Sr. Ulrike für deren Beruf und Berufung erkennen. „Ich danke ihr, dass sie die Sendung der Augustiner Chorfrauen bis in diese Zeit hineingetragen hat.“ An die Schulgemeinschaft richtete sie den Wunsch: „Die große Aufgabe unseres Ordens darf und soll hier weitergehen.“

„Du bist die letzte Ordensschwester, die austritt aus dem Schulorchester“: Eine besondere Form für seine Laudatio hatte Schulleiter Claudius Hildmann gewählt – nämlich durchweg makellose Reime. In dieser besonderen karnevalistischen Kunstform hob Hildmann mit heiteren, aber auch ernsten Gedanken nicht nur die große Bescheidenheit der Laudatierten hervor, sondern auch ihr Verantwortungsbewusstsein, ihr Pflichtgefühl, ihren Fleiß und ihre Demut. Sr. Ulrike habe nicht nur gelehrt, sondern mit dem Herzen ihre Aufgabe gelebt – „mit Liebe und aus Liebe“, erklärte Hildmann. „Der Orden konnte keine Bessere entsenden“, zeigte sich der Schulleiter überzeugt.

Von Empathie bis Verlässlichkeit

Vertreterinnen und Vertreter der Koordinatorinnen und Koordinatoren und des Beratungslehrerteams, Mitglieder aus den Fachschaften Erdkunde und Religion, der Schülervertretung, von Schulpastoral, Eltern, Ehemaligen und vom Förderverein sowie von der Realschule und Grundschule St. Michael fanden persönliche, durchweg herzliche Worte des Dankes und überbrachten viele Geschenke. Der Lehrerrat präsentierte das Ergebnis einer besonderen „Abiturprüfung“, in der das Kollegium die Eigenschaften von Sr. M. Ulrike Brand anhand von O-Tönen eingereicht hatte: Menschliche Wärme und Empathie, Verlässlichkeit, Fels in der Brandung, lebendiges Bindeglied zwischen Orden und Schule – das waren nur einige der genannten Attribute und Beschreibungen.

Dankbarkeit für unverdientes Geschenk

Wie reagiert eine Geehrte auf so viele würdigende Worte? „Zu danken gibt es viel. Der größte Dank gilt Gott“, begann Sr. M. Ulrike Brand ihre Schlussworte. Sie habe in den letzten Monaten schon „viele kleine Abschiede erlebt“, beschrieb die Lehrerin und Ordensschwester: die letzten Abiturprüfungen oder auch die letzten Ferien. „Immer waren diese Momente von Wehmut begleitet, denn ich habe meinen Beruf als Lehrerin geliebt. Es war für mich unendlich erfüllend, junge Menschen auf ihrem Weg begleiten zu dürfen“, so Sr. Ulrike. Mit einem Schmunzeln fügte sie hinzu: „Ich konnte oft kaum fassen, dass ich mit dieser Freude Geld verdienen durfte.“

Erfüllung gefunden

Explizit dankte Sr. Ulrike unter anderem ihren Mitschwestern für den Rückhalt und alles Mittragen. Ebenso ging ein Dank an Dompropst Msgr. Göbel für das Vertrauen, sie in die kollegiale Schulleitung des Gymnasiums berufen zu haben. Im Leitungsteam mit Schulleiter Claudius Hildmann und seinem Stellvertreter Martin Rüther habe sie viel Vertrauen erfahren, ebenso wie im gesamten Kollegium und in der Schulgemeinschaft: „Hier machen Menschen mehr als nur ihren Job“, bestätigte die Pädagogin.

„Ich habe Erfüllung gefunden im Erziehungsauftrag meines Ordens. Uns Schwestern liegen die Schulen St. Michael auch nach dem Trägerwechsel sehr am Herzen. Wir beten täglich für unsere Schulgemeinschaft.“ Auf ihrem eigenen Weg habe sich alles immer gut gefügt. „Ich bin zutiefst dankbar für dieses unverdiente Geschenk“, fasste Sr. M. Ulrike Brand zusammen.

Zwischen den Wortbeiträgen boten verschiedene musikalische Beiträge Anlass zum Schmunzeln und Genießen – darunter unter anderem ein Duett von Kolja Berning und Domkantor Patrick Cellnik.

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

Weitere Einträge

© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung Neue „Trauerbox“ der BVB-Gründerkirche

Seelsorgliches Angebot für trauernde Angehörige und Freunde von BVB-Fans
© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung „Der Liebesbund hat eine große Zukunft eröffnet“

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und über 80 Menschen aus dem Erzbistum Paderborn feiern das Juliansfest in Le Mans
© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung 21 Firmlinge empfangen das Firmsakrament von Weihbischof König

Gelebte Tradition: An die Firmung schloss sich ein Gottesdienst im alten Ritus an.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0