Viele Kirchengemeinden warten mehr oder weniger geduldig darauf, dass ihre Kirche im Erzbistumskalender verewigt wird und bistumsweite Aufmerksamkeit genießt. Besonders begehrt ist der Platz auf dem Titelblatt. Darauf hat es im Kalender für das Jahr 2026 keine stolze Dom- oder Stiftskirche geschafft, sondern das Glasfenster von St. Marien in Espelkamp, einer in der Diaspora des Lübbecker Landes gelegenen kleinen Kirche aus der Nachkriegszeit.
Zum Teil liegt dies an der künstlerischen Qualität des Glasfensters, das zur Originalausstattung des 1955 konsekrierten Gotteshauses gehört. „Hergestellt wurde das Fenster von der Firma Otto Peters in Paderborn“, berichtet Gerhard Kleinehollenhorst, pensionierter Gymnasiallehrer für Biologie und Erdkunde und nun passionierter Kirchenführer. „Mit dem sich in der Gestalt einer Taube niederstürzenden Heiligen Geist und den Flammensäulen handelt es sich bei unserem Fenster natürlich um eine Darstellung des Pfingstwunders.“
Der Kirchenführer kann auch die weitere Symbolik des Fensters ausdeuten. Das Rundfenster ist unterteilt in zwölf Segmente, Sinnbilder für die Apostel oder für die Stämme Israels. „In der Zahl Zwölf steckt die Multiplikation von drei mal vier, wobei die Zahl Drei für den dreieinigen Gott und die Zahl Vier für die irdischen Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft steht“, erklärt Gerhard Kleinehollenhorst. „Und zusammen ergeben das Göttliche und das Irdische: Vollkommenheit!“
Das Pfingstwunder gilt als Geburtsstunde der Kirche. Auch das Pfingstfenster von St. Marien zeugt von einem Neuanfang. Die Geschichte der Kirche wie der ganzen Stadt Espelkamp ist geprägt vom Zweiten Weltkrieg. Vor diesem Hintergrund ist die Taube des Heiligen Geistes auch als Friedenstaube zu lesen, ist das Gotteshaus ein steingewordenes Friedensgebet.