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Erzbistum Paderborn
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St Martin auf seinem Pferd teilt mit Kindern© Foto: Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Laterne brennt!

Vom heiligen Martin können wir das Teilen lernen – eine Vorlesegeschichte zur Martinszeit

Christina und Benedikt sind aufgeregt. Heute ist Martinsumzug. Sie können es kaum erwarten, bis es draußen dunkel wird. Wie jedes Jahr wird sie Opa abholen. Aber bevor es auf die Straße zum Laternelaufen losgeht, muss er ihnen unbedingt die alljährliche Geschichte vom Martinsumzug erzählen. Also die besondere Geschichte von seinem Freund und der brennenden Laterne. Natürlich wird sich Opa vorher zieren und erklären, dass er die Geschichte aus Kinderzeiten doch schon so oft erzählt hat. Dann werden Christina und Benedikt so lange quengeln, bis er anfängt.

Auch diesmal schaffen es die beiden schnell. „Wisst ihr“, beginnt Opa zu erzählen, „als ich klein war, da gab es noch keine Handys und kein Internet. Wir hatten auch noch kein Auto in unserer Familie. Das Bild im Fernseher war schwarz-weiß und für uns Kinder die meiste Zeit uninteressant, weil hauptsächlich Erwachsenensachen liefen. Trotzdem hatten wir es schön. Und schon damals gingen wir am Martinstag Laternelaufen. Unsere Laternen waren selbst gebastelt aus Tonpapier und Wachspapier. Wir hatten auch noch keine elektrischen Birnchen drin, sondern echte Kerzen. Das war natürlich brandgefährlich. Und einmal, als ich auf dem Umzug meinen Freund, den Hans-Günter, traf …“

Martin der Beschützer

„Ach, Opa“, ruft Christina, „du musst die Geschichte schon richtig erzählen und nicht so schnell machen! Du musst zuerst fragen, was wir vom heiligen Martin wissen.“ „Also gut“, sagt Opa. „Fangen wir mit dem heiligen Martin an. Was wisst ihr von ihm? Das habt ihr natürlich wieder vergessen. Darum verrate ich es euch. Geboren wurde Martin im Jahr 316 oder 317. Das ist lange vor unserer Zeit, mehr als eintausendsiebenhundert Jahre. Damals herrschten die Römer über fast ganz Europa.

Auch die Stadt Savaria, in der Martin geboren wurde, gehörte zum Römischen Reich. Heute liegt das in Ungarn. Die Römer hatten viele Soldaten. Die mussten immer neue Gebiete erobern und danach aufpassen, dass die Menschen in den eroberten Gebieten keine Aufstände machten.

Auch Martins Vater war Soldat, sogar ein Offizier, der das Kommando über viele Soldaten hatte. Der Vater wollte, dass auch sein Sohn Martin Soldat wird. Also wurde Martin schon als Jugendlicher in Soldatenkleidung gesteckt, bekam ein Schwert und alles, was sonst noch dazugehört. Obwohl Martin das nicht wollte, wurde er ein guter Soldat und sogar als Leibwache des Kaisers Konstantin eingesetzt. Leibwache ist so etwas wie ein Beschützer. Und der Kaiser war der Chef vom ganzen Römischen Reich. Martin hatte also eine ganz wichtige Funktion und viel Verantwortung.

Er teilte den Mantel

Ungefähr zwei Jahre nachdem Martin zum Militär musste, war er im Norden von Frankreich als Reitersoldat eingesetzt. Einmal, an einem kalten Wintertag, ritt er mit anderen Soldaten draußen herum und traf am Stadttor der Stadt Amiens auf einen Bettler, der nur ein paar Lumpen anhatte. Die anderen Soldaten kümmerten sich nicht, aber Martin wollte dem frierenden Mann helfen. Martin hatte nichts dabei, was er dem Mann hätte geben können. Er hatte nur seinen eigenen Mantel und sein Schwert. Also schnitt er mit dem Schwert seinen Mantel entzwei und gab das eine Stück dem Bettler.

Die Geschichte mit dem Mantel sollte Martin berühmt und zu einem Vorbild für die Christenheit machen. Bis dahin verging aber noch einige Zeit – Martin war damals ja noch ein Jugendlicher. Zunächst ließ er sich taufen und schied bald darauf aus dem Militärdienst aus. Er wurde Schüler des Bischofs von Poitiers, der Hilarius hieß. Von ihm erhielt er den Auftrag, zu den Völkern zu gehen, die noch keine Christen waren. Die Hoffnung war, dass er diese vom Glauben an Jesus überzeugen konnte.

Der Mönchsbischof

Nach dieser Zeit zog er sich in die Einsamkeit zurück, um in Ruhe über seinen Glauben nachzudenken – zunächst in Italien, dann kehrte er nach Poitiers in Frankreich zurück. Sein Ruf verbreitete sich, und viele Männer folgten ihm in die Einsamkeit. Mit ihnen gründete Martin das erste Kloster im westlichen Europa. Mit seinen Mitbrüdern lebte er im Kloster ein ganz einfaches Leben und half vielen Menschen.

Als später in der Stadt Tours ein Bischof gesucht wurde, wollten die Menschen, dass Martin das Amt annimmt. Der wollte erst lieber sein einfaches Leben im Kloster weiterleben, aber die Leute ließen nicht locker. Also wurde Martin ein Mönchsbischof und verzichtete auf ganz viele Dinge. Als er mit 81 Jahren starb, waren die Menschen sehr traurig und fingen an, Martin wegen seines vorbildlichen Lebens als einen Heiligen zu verehren. Und das machen wir bis heute.“

„Aber jetzt“, ruft Benedikt dazwischen, „jetzt erzähl endlich von Hans-Günter! Ein komischer Name übrigens.“ Opa lacht. „Ja, so hießen wir Jungs damals, ich Otto und er Hans-Günter. Wir waren gute Freunde, die besten eigentlich. Leider haben wir manchmal ziemlichen Unsinn getrieben.

Vom heiligen Martin das Teilen lernen

Beim Martinsumzug haben wir uns von den anderen weggeschlichen und ausprobiert, wer seine Laterne in einem noch höheren Bogen herumschwenken kann. Dabei habe ich dem Hans-Günter aus Versehen meine Laterne gegen seine Mütze gehauen. Die Laterne ist sofort in Flammen aufgegangen. Dem Hans-Günter ist zum Glück gar nichts passiert. Aber alle Erwachsenen haben so getan, als hätte ich meinen Freund angezündet oder weiß Gott noch Schlimmeres getan. Wir beiden wurden böse ausgeschimpft.

Das hat natürlich auch der Sankt Martin mitbekommen. Er stieg von seinem Pferd und kam zu uns her. ‚Na, Jungens, was habt ihr jetzt wieder gemacht?‘, wollte er von uns wissen. Wir haben uns nicht getraut zu antworten und beide sogar ein bisschen geheult vor Aufregung. Aber der Sankt Martin war nett zu uns. ‚Jetzt habt ihr nur noch eine Laterne‘, hat er gemeint. ‚Die müsst ihr auf dem Nachhauseweg teilen und eure Martinsbrezel auch.‘ Dann haben wir eine große Zuckerbrezel bekommen, die wir in der Mitte auseinandergerissen haben“, sagt Opa. „So, das war nun wieder einmal die Geschichte von der brennenden Laterne. Jetzt beeilt euch, sonst kommen wir zu spät zum Umzug. Ich glaube, es gibt dort eine Zuckerbrezel!“

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