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Pressemeldungen
25
März
2020
Paderborn

Erinnerung lebendig halten

Erinnerungsorte für die Toten der Luftangriffe auf Paderborn im Jahr 1945 / Morgengebet mit Totengedenken am 27.3.

Die Bombardierungen von Paderborn im Jahr 1945 jähren sich in diesem Jahr zum fünfundsiebzigsten Mal: Wenn an drei Tagen des Jahres die Totenglocke des Hohen Domes zu Paderborn zu ganz bestimmten Zeiten weithin zu hören ist, wird der Toten der drei großen Luftangriffe auf Paderborn im Jahr 1945 gedacht. Am 17. Januar, am 22. März und am 27. März ertönt jedoch nicht allein die Totenglocke des Paderborner Domes: In einem als Totenleuchte gestalteten Erker eines Giebels der Südseite des Dom-Langhauses wird darüber hinaus ein Licht entzündet, das nur an diesen Tagen und an Allerseelen leuchtet. Weitere Zeichen der Erinnerung an die Toten der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges sind die mit Mosaiken ausgestattete Gedächtniskapelle am Nordausgang des Kreuzganges und die Reste einer Luftmine am Eingang zum Kapitelfriedhof. Monsignore Andreas Kurte wird im Morgengebet am 27. März um 8 Uhr an die Bombardierung Paderborns erinnern und der Toten im Gottesdienst gedenken. Das Morgengebet kann live mitgefeiert werden unter Homepage des Erzbistums im internet.

Der Hohe Dom zu Paderborn war nach den Luftangriffen auf Paderborn stark zerstört. Das Foto entstand 1949. Foto: Archiv / Erzbistum Paderborn

„Erinnern und Gedenken sind eine wesentliche Aufgabe für uns Menschen. Ein wahrhaft menschliches Leben ist ohne Vergewisserung in der eigenen Vergangenheit und Geschichte nicht möglich. Das lebendige Erinnern ist zudem wichtig gegen das Vergessen und Verdrängen. Deshalb halten wir als Metropolitankapitel die Erinnerung wach und lebendig“, sagt Dompropst Monsignore Joachim Göbel. Zudem sei es ein christlicher Grundauftrag, der Vergangenheit und der Toten zu gedenken – auch der Opfer der Bombardierungen von Paderborn im Jahr 1945. „Gott vergisst kein Lächeln und keine Träne. So bleibt Gott oft die einzige Hoffnung aller Opfer der grausamen Kriegsgeschichten der Menschheit“, erklärte Dompropst Monsignore Göbel. „Wir laden an diesen Tagen zu einem erinnernden Gebet oder zum Entzünden einer Kerze in den Dom ein.“

Dank für Frieden

Dompropst Monsignore Göbel weist schon heute auf ein Friedensgebet anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Frieden in Europa“ hin: „Für Freitag, 24. Juli 2020, ist vor dem Beginn des diesjährigen Libori-Festes ein Friedensgebet geplant, das Erzbischof Hans-Josef Becker und Bischof Yves Le Saux aus unserem Partnerbistum Le Mans in Frankreich gemeinsam im Paderborner Dom halten werden. Mit diesem deutsch-französischen Gebet wird für den seit 75 Jahren bestehenden Frieden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gedankt und wird zudem an den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges vor 150 Jahren erinnert. Wir laden herzlich zur Teilnahme ein.“

„Erinnern und Gedenken sind eine wesentliche Aufgabe für uns Menschen", sagt Dompropst Monsignore Joachim Göbel. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Bereits am 8. Mai 2020 wird anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs vor genau 75 Jahren ein Ökumenischer Friedensgottesdienst gefeiert – sofern zu diesem Zeitpunkt Gottesdienste wieder öffentlich gefeiert werden dürfen. Am Gottesdienst im Paderborner Dom um 19 Uhr wirken mit Dechant Benedikt Fischer als Vertreter des Dekanates Paderborn und des Metropolitankapitels, Pfarrer Thomas Stolz vom Pastoralverbund Paderborn Nord-Ost-West, Superintendent Volker Neuhoff als Vertreter des evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Landrat Manfred Müller als Vertreter des Kreises Paderborn sowie Hermann-Josef Bentler als Mitglied des Kreisvorstandes der Kriegsgräberfürsorge. Der ökumenische Gottesdienst wird musikalisch mitgestaltet vom Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning und Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel. – So die bisherige Planung.

Giebel auf der Südseite des Langhauses des Paderborner Domes mit der in Form eines Erkers im Giebel angebrachten Totenleuchte. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn
Giebel auf der Südseite des Langhauses des Paderborner Domes mit der in Form eines Erkers im Giebel angebrachten Totenleuchte. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Gedächtniskapelle im Kreuzgang

Am Nordausgang des Kreuzganges erinnert eine im Jahr 1973 von der Paderborner Künstlerin Agnes Mann (1907 – 1994) mit Mosaiken ausgestattete Gedächtniskapelle ebenso an die Toten der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges, besonders an die 14 Toten, die durch eine Luftmine am 22. März 1945 im Kreuzgang umkamen. Die Reste einer Luftmine von diesem Angriff sind am Eingang zum Kapitelfriedhof zu sehen. Die Wände der Gedächtniskapelle sind als Mosaik mit Motiven aus dem Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen (vgl. Dan 3,57-88) gestaltet, über allem steht die Darstellung der heiligsten Dreifaltigkeit, auf deren Treue und Barmherzigkeit der Glaubende baut. Auf der Inschrift ist zu lesen: „Im Gedenken an alle, die am 22.3.1945 hier bei einem Luftangriff den Tod fanden und an alle Opfer des Krieges und der ungerechten Gewalt. Uns zur Mahnung und Gott zur Ehre, der allein der Friede ist. Preiset den Herrn, denn er hat uns dem Totenreich entrissen, all ihr Werke des Herrn, Himmel und Erde, preiset den Herrn.“

Mit der Gedächtniskapelle am Nordausgang des Kreuzganges wird an die Toten der Bombenangriffe auf Paderborn erinnert. Die Mosaike wurden von der Paderborner Künstlerin Agnes Mann (1907 – 1994) gestaltet. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Bombardierung am 27. März 1945

Am 27. März 1945 wurde die Stadt Paderborn von der größten Katastrophe ihrer Geschichte heimgesucht: In weniger als einer halben Stunde machten 270 Bomber der britischen Luftwaffe Paderborn dem Erdboden gleich und verwandelten die Stadt in ein riesiges Flammenmeer: Der verheerende Angriff erfolgte am 27. März 1945 ab 17.27 Uhr in vier Wellen: Sprengbomben, Luftminen, Brandbomben und Bomben mit Zeitzündern gingen nacheinander auf die Stadt nieder. 350 Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben. 2.000 Gebäude wurden zerstört, rund weitere 1.600 leicht bis schwer beschädigt. Die Stadt wurde durch die Angriffe zu einem Flammenmeer, das tagelang nicht verlosch. Von der Paderborner Innenstadt blieben lediglich 15 Prozent unzerstört. Im Zentrum des Infernos stand der brennende Domturm, bis schließlich auch er in sich zusammenfiel – für viele Menschen, so berichten es zahlreiche Augenzeugen, ein schmerzliches Sinnbild für den Untergang Paderborns.

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