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© Sjors Gijsbers / Shutterstock.com
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November: Wenn die Seele Atem holt

Am Möhnesee spürt Pastor Ludger Eilebrecht, wie die eigentlich stille und dunkle Jahreszeit zur Einladung wird – zum Innehalten, Erinnern und Krafttanken im Glauben.

Ein Novembertag am Möhnesee. Die Sonne sucht immer wieder kleine Wolken-Lücken, um ihre Strahlen hinunter ans See-Ufer zu schicken. Auch wenn es ihr gelegentlich gelingt, die Wasserfläche in gleißendes Licht zu tauchen, wenig später türmt sich das mächtige Grau am Himmel wieder zu einer dicken Wolkenformation auf. Die goldenen Oktobertage sind vorbei. Novemberstimmung ist im Anmarsch. Sie setzt in der Soester Börde zwar angesichts von Allerheiligenkirmes, Karnevalsauftakt und Martinstag ein wenig später als andernorts ein, doch dann ist sie plötzlich da, jene Zeit im Jahresverlauf, die geprägt ist von Dunkelheit, Stille und von der aufziehenden Kälte. Das Laub fällt von den Bäumen, der Winter kündigt sich an. Das Leben dreht einen Gang zurück. Oder sogar zwei Gänge?

Still ruht der See

Mit Pastor Ludger Eilebrecht bin ich an diesem Novembermorgen am Möhnesee verabredet. Wir schreiten die Seetreppe in Körbecke hinab und nehmen den Blick auf die weite, ruhig da liegende Wasserfläche in uns auf, bevor wir auf den Uferweg einbiegen. Der Geistliche ist mit dem Fahrrad gekommen, er wohnt „um die Ecke“. Und er bekennt, dass die Runde am See für ihn gerade im Herbst eine Faszination ausübt. „Die Gäste sind abgereist, die Boote sind eingeholt“, sagt er. Still ruht der See. „Wir sind hier wieder unter uns und können Dinge in Angriff nehmen, die die Einheimischen und den Ort betreffen,“ sagt er. Als Mitglied des Pastoralteams im Pastoralen Raum Soest liegt der Schwerpunkt seiner Pfarrseelsorge am Möhnesee.

Nicht nur für die Menschen am Möhnesee ist der November ein Monat, in dem der Blick auf die Dinge des Lebens ein anderer ist. Er ist nach innen gerichtet. Und: „Es ist eine stille Zeit“, sagt Pastor Eilebrecht. Aber: „Auch die Dunkelheit entspricht der Wirklichkeit des Lebens.“ Es sei eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Nachdenken. Auch über das Vergehen, über den Tod, über unseren Glauben. Müssen nicht auch wir nach den intensiven Phasen des Jahres neue Kraft schöpfen? „Jeder Baum macht es uns vor“, sagt der Geistliche. „Das alte Laub muss weg. Die Natur braucht Ruhe. Da können wir Menschen ja auch mal zur Ruhe kommen und Dinge geschehen lassen. Die Zeit der Erneuerung.“

© Reinhold Großelohmann
© Reinhold Großelohmann

Die innere Einkehr bedeutet für Ludger Eilebrecht auch, Wind und Wetter zu trotzen und vor die Tür zu gehen. „Es tut gut, wenn der Wind in den Haaren zaust“, sagt er. Auf seiner Runde verlässt der agile 60-Jährige gern einmal den Weg, klettert hinunter zum Ufer. Vor kurzem hat er hier einen Baum entdeckt, der mit seinen Wurzeln und dem verzweigten Stamm einen Bogen formt. Launen der Natur, die man gerade im Herbst finden kann, wenn der Blick weiter geht, als es bei dichtem Bewuchs möglich ist. In den Sommermonaten hat er solche Zeit kaum, dann hält ihn die „Kirche am See“ in Atem. Ein Projekt, das vor Ort, aber auch überregional für Aufmerksamkeit sorgt und das weiter ausgebaut werden soll, weil es viele Menschen anspricht. Nun aber ist Winterpause. Auch hier Zeit zum Ausatmen.

Gräber besuchen, miteinander sprechen

Der November ist auch der Monat des Gedenkens. An die Verstorbenen. An die Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft. Es braucht solche Tage, um bei dem Verlust von Menschen nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen. Gerade auch angesichts der Kriege und Krisen in der Welt. Aber auch Erinnerungen sind wichtig. An liebe Menschen, die von uns gegangen sind. Familien tun dies gern in großer Runde an den Gräbern am Allerheiligentag. Doch die Rituale der Gräbersegnungen haben sich gewandelt. Es geht viel individueller zu, sagt Pastor Eilebrecht. Dennoch: Das Treffen auf dem Friedhof ist geblieben. Und es ist wichtig. Er gehe als Priester bei dieser Gelegenheit heute persönlicher auf die Menschen zu, sagt er. Nicht nur mit Weihwasser segnen, sondern miteinander sprechen. Wahre Seelsorge. Das tue beiden Seiten gut.

Nicht weit entfernt steht am Wegesrand eine Metall-Stele mit einem eingearbeiteten Kreuz, in dem ein stilisierter Baum zu erkennen ist. Während wir das eiserne Kunstwerk betrachten und uns daran erfreuen, dass das herbstlich gefärbte Laub den treffenden Hintergrund für die Szenerie bildet, bleibt eine freundliche Spaziergängerin stehen. Spontan nimmt sie an unserer gemeinsamen Betrachtung teil. Glauben verbindet Menschen. Ist es vielleicht gerade die Ruhe und Bedächtigkeit des Herbstes, die die Herzen öffnet? Ursula Temmeyer ist zu Besuch am See. Sie erzählt von ihren tiefen Eindrücken, genießt die frische See-Luft und die herbstliche Ruhe. Man ist sich einig: So kann man neue Kraft tanken. Der November macht`s möglich.

Ein Beitrag von:

Reinhold Großelohmann

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