D O R T M U N D . Es ist eine Phase der Krankenhausgeschichte, in der die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt werden. Während die Umsetzung der großen Krankenhausreform in Nordrhein-Westfalen in ihre entscheidende Phase tritt und ökonomische Herausforderungen die gesamte Trägerlandschaft unter Druck setzen, versammelten sich am 29. April rund 100 Führungskräfte und Entscheidungsträger schwerpunktmäßig aus dem nordrhein-westfälischen Krankenhaus- und Gesundheitswesen im Hotel Radisson Blu in Dortmund. Unter dem Leitthema „Zukunft im Dialog: Strategische Allianzen konfessioneller Träger für eine resiliente Gesundheitsversorgung“ lud die Geschäftsführung der CURA gem. Beteiligungsgesellschaft mbH zu einer Standortbestimmung ein, die weit über einen rein fachlichen Austausch hinausging.
Konfessionelle Träger in NRW rüsten sich für die Zukunft der Gesundheitsversorgung
„Alleine wird es enger gemeinsam wird es tragfähiger.“
Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete Bernd Koch, Geschäftsführer der CURA, mit einem deutlichen Appell an die Gemeinschaft. In seinem Grußwort skizzierte er das Jahr 2026 als eine Zäsur für die konfessionellen Häuser. „Alleine wird es enger, gemeinsam wird es tragfähiger“, so das zentrale Credo des Abends. Koch machte deutlich, dass isolierte Strategien einzelner Häuser angesichts der massiven strukturellen Veränderungen in NRW keinen Bestand mehr haben können. Er begrüßte neben den Impulsreferenten in diesem Rahmen auch de Diözesan-Ökonom des Erzbistums Paderborn, Volker Mauß, als Vorsitzenden des CURA-Verwaltungsrates, was die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für das Erzbistum Paderborn unterstrich. Er freute sich, dass der überwiegende Teil der Unternehmensleitungen der 20 größten konfessionellen Träger im Bundesgebiet und der Vertreter eines namhaften privaten Trägers der Einladung gefolgt waren und so ein bemerkenswertes Netzwerk von Verantwortlichen zusammengekommen war.
„In einer Zeit, in der der Wind rauer wird, müssen wir die Segel gemeinsam setzen. Alleine wird es für viele Häuser eng, aber im Verbund können wir die Tragfähigkeit für eine moderne, christliche Medizin schaffen.“
„Die trügerische Ruhe vor dem Sturm.“
Die wirtschaftliche Ausgangslage, die Jens Thomsen, Geschäftsführender Partner der Solidaris Revisions GmbH, in seinem Impulsvortrag präsentierte, wirkte wie ein Weckruf. Unter dem Titel „Die trügerische Ruhe vor dem Sturm“ legte er dar, dass die Krankenhäuser trotz punktueller Entlastungen mit einer dauerhaften Finanzierungslücke kämpfen. Die Schere zwischen den inflationsbedingten Kostensteigerungen und den Erlösen aus dem Bundesbasisfallwert klafft weiter auseinander. Besonders mit Blick auf das letzte Jahr 2025 und die Prognosen auf 2026 bleibe die Lage für viele freigemeinnützige Träger prekär. Thomsens Analyse verdeutlichte, dass die strukturelle Unterfinanzierung kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine systemische Herausforderung ist, die nach neuen operativen Antworten verlangt.
„Wir erleben derzeit eine trügerische Ruhe. Die strukturelle Unterfinanzierung ist real, und nur wer jetzt seine Hausaufgaben in der wirtschaftlichen Konsolidierung macht, wird den kommenden Sturm überstehen.“
Gestalter und Verwalter
Einen provokanten, aber inspirierenden Blickwinkel nahm Dr. med. Mate Ivančić, CEO der Schön-Klinik-Gruppe, ein. Er ging der Frage nach, warum private Träger oft als wirtschaftlich erfolgreicher wahrgenommen werden. Ivančić, der sich in seinem Vortrag explizit als „Arzt und Katholik“ vorstellte, schlug damit eine wichtige Brücke zwischen medizinischer Ethik, persönlicher Glaubensüberzeugung und der harten ökonomischen Realität. Er betonte, dass professionelles Management und Effizienz kein Widerspruch zur christlichen Nächstenliebe seien, sondern vielmehr die notwendige Bedingung, um den Versorgungsauftrag im modernen Gesundheitssystem überhaupt noch wahrnehmen zu können. Sein Fazit: Die entscheidende Trennlinie verlaufe nicht primär zwischen den Trägerformen „privat“ oder „kirchlich“, sondern zwischen „Gestaltern und Verwaltern“. Der Erfolg liege in der konsequenten Zentralisierung administrativer Aufgaben, einer enormen Einkaufsmacht durch Standardisierung und professionellen Beschaffungsstrategien. Sein Impuls war ein klares Plädoyer für eine stärkere Professionalisierung in den unterstützenden Strukturen konfessioneller Verbünde.
„Die Zukunft gehört den Gestaltern. Erfolg ist keine Frage der Trägerschaft, sondern eine Frage der Effizienz in den Prozessen und der Bereitschaft, veraltete Strukturen mutig aufzubrechen.“
Krankenhäuser als Teil der Sicherheitsvorsorge
Die politische Einordnung der aktuellen Reformschritte übernahm Ministerialdirigent Helmut Watzlawik, Abteilungsleiter für Krankenhausversorgung im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium. Er betonte, dass NRW mit seinem Modell der Leistungsgruppen bundesweit eine Vorreiterrolle einnehme. Rund 12 Milliarden Euro an Fördermitteln stellt das Land bis 2035 zur Verfügung, um den Strukturwandel zu flankieren. Ein neues, dringliches Thema brachte Watzlawik mit der „Krisenresilienz“ zur Sprache: Angesichts der weltpolitischen Lage müssten Krankenhäuser künftig stärker als Teil der nationalen Sicherheitsvorsorge begriffen werden. Dies betreffe die IT-Sicherheit ebenso wie die Vorhaltung von Kapazitäten für den Ernstfall.
„Krankenhäuser sind heute mehr denn je kritische Infrastruktur. Die Sicherstellung der Krisenresilienz ist eine nationale Aufgabe, bei der das Land NRW seine Träger nicht alleine lässt.“
Wirtschaftliche Stabilität als Voraussetzung
Den offiziellen Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Marcel Giefers, ebenfalls Geschäftsführer der CURA. Er dankte den Referenten und Gästen für den offenen Austausch und griff die Vision einer vernetzten Versorgungslandschaft auf. Giefers betonte, dass wirtschaftliche Stabilität kein Selbstzweck sei, sondern die Voraussetzung dafür, den kirchlichen Auftrag im Gesundheitswesen überhaupt wahrnehmen zu können.
„Schwarze Zahlen sichern unsere Existenz, aber nur unsere christlichen Werte sichern unsere Relevanz. Strategische Allianzen helfen uns dabei, beides auch in Zukunft in Einklang zu bringen.“
Wer ist die CURA?
Die CURA gem. Beteiligungsgesellschaft mbH mit Sitz in Dortmund fungiert seit über 40 Jahren als „Begleiter und Beraterin“ für katholische Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Erzbistum Paderborn. Als Tochtergesellschaft der Schleden’schen Stiftung Paderborn unterstützt sie derzeit 17 gemeinnützige Gesellschaften, die als Träger von insgesamt 24 Plankrankenhäusern (über 9.000 Planbetten) sowie über 23 stationären Einrichtungen der Seniorenbetreuung und Altenpflege agieren. Mit einem kumulierten Umsatzvolumen der beteiligten Träger von über 3 Milliarden Euro und nahezu 30.000 Mitarbeitenden zählt die CURA zu den bedeutendsten Akteuren im Sektor. Ihr Auftrag besteht darin, die wirtschaftliche Stabilität der Einrichtungen durch professionelles Management und strategische Allianzen zu sichern und gleichzeitig deren christliches Profil als werteorientiertes Alleinstellungsmerkmal in einer säkularen Zeit zu stärken.