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Den Rucksack voller Beschwernis abladen

Das barocke Antlitz der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Kleinenberg täuscht – die Marienwallfahrt dort ist viel älter
Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
01. Januar 2022
Kleinenberg

Den Rucksack voller Beschwernis abladen

Das barocke Antlitz der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Kleinenberg täuscht – die Marienwallfahrt dort ist viel älter

Wie alt ist die Marienwallfahrt in Kleinenberg?

„Die Frage, wie alt die Marienwallfahrt in Kleinenberg ist, kann niemand seriös beantworten“, sagt Pastor Stefan Stratmann auf dem Weg zur verschneiten Wallfahrtskirche. „Der Stadtbrand Mitte des 18. Jahrhunderts zerstörte neben vielen Wohnhäusern auch das Pfarrhaus, in dem die alten Unterlagen aufbewahrt waren. Da die Wallfahrtskirche außerhalb der damaligen Stadtmauer stand, war sie nicht betroffen, wurde jedoch ein paar Jahre später, da die alte Kirche viel zu klein und zu ruinenhaft war, abgerissen.“

Spuren im Schnee

Auf dem Weg zur Kirche zeichnen sich Spuren derber Wanderstiefel im frischen Schnee ab. Vor uns sind schon einige Wallfahrerinnen und Wallfahrer hier gewesen. „Das Alter der Wallfahrt kennt niemand“, wiederholt Seelsorger Stratmann und deutet auf die Spuren im Schnee. „Das ist auch nicht so wichtig. Viel bedeutsamer ist, dass die Wallfahrt lebt und dass die Menschen gern hierherkommen, sogar im Winter, wenn die Kapelle verschlossen ist.“ Nun greift Stratmann zum Schlüssel und sperrt den Haupteingang auf. Ein schwacher Geruch von Weihrauch zieht in die Nase. Der Blick streift zunächst über die Gemälde an Decken und Wänden, bis er sich nach vorn zu den drei barocken Altären wendet. Zur Linken steht der Kreuzaltar, zur Rechten der Josefsaltar und in der Mitte der Hauptaltar mit dem mittelalterlichen Gnadenbild, der Helferin vom Berge, wie sie in nah und fern genannt wird.

Hell und freundlich

Trotz des winterlichen Hochnebels wirkt die Kirche hell und freundlich. „Noch viel schöner ist es im Mai, wenn die Marienwallfahrt beginnt“, schwärmt Pastor Stratmann. Bei dem Gedanken beginnt er zu lächeln, die Vorfreude auf das Wallfahrtsjahr ist ihm anzumerken. „An den Wallfahrtstagen stehen schon am frühen Morgen die Fußwallfahrerinnen und Fußwallfahrer vor der Tür, später kommen die Busgruppen und die Autowallfahrerinnen und Autowallfahrer“, fährt der Wallfahrtsseelsorger fort. „Dann herrscht hier Betrieb bis in die Abendstunden.“

Das Wallfahrtsjahr

Das Wallfahrtsjahr beginnt am 1. Mai mit einem Wallfahrtshochamt und einer Fahrzeugsegnung. Danach finden Maiandachten, das sonntägliche Marienlob, eucharistische Anbetungen und Wallfahrtsmessen statt. Regelmäßig finden die Kleinenberger Mysterienspiele statt. Patronatsfest ist Mariä Heimsuchung, nach dem Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet gefeiert am 2. Juli. Das Fest erinnert an den Besuch der schwangeren Maria bei ihrer Verwandten Elisabet, selbst schwanger mit Johannes dem Täufer. Elisabet begrüßt Maria dabei mit den Worten: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1,42 f.).

Beschwernis abladen

Weil die Ströme der Pilgernden zum Patronatsfest so zahlreich waren, gibt es in Kleinenberg mit Mariä Geburt am 8. September einen zweiten Hauptwallfahrtstag. Auch zu Mariä Aufnahme in den Himmel am 15. August wird eine etwas kleinere Wallfahrt zelebriert. Das Wallfahrtsjahr endet am 31. Oktober, dann wird die Kirche verschlossen. Der weitläufige Wallfahrtsbezirk mit Mutter-Gottes-Brunnen, Brunnenkapelle, Lourdes-Grotte, Rosenkranz in der Brunnenallee und Kreuzweg bleibt aber auch in der dunklen Jahreszeit für Gläubige offen. Unter dem „Hohen Kreuz“ stoßen wir nun auch auf die Wandergruppe, deren Spuren sich im Schnee abgezeichnet hatten. Pastor Stefan Stratmann spricht mit ihnen, lacht und ruft ihnen zum Abschied zu:

„Ja, den Rucksack voller Beschwernis können Sie hier das ganze Jahr über abladen!“

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Bistumskalender 2022: Auf dem Weg im Erzbistum Paderborn

Der diesjährige Bistumskalender nimmt uns mit auf eine Reise durch das Erzbistum Paderborn und macht jeden Monat Halt an zwei besonderen Orten: an zahlreichen Kapellen oder Kreuzwegen, die jeweils Zeugen einer interessanten Entstehungsgeschichte sind. Darüber hinaus erzählt der Kalender faszinierende Geschichten von Menschen, die mit diesen Orten verbunden sind – manchmal nicht nur über viele Jahre, sondern sogar über weite Entfernungen hinweg. Wir stellen Ihnen hier alle zwei Wochen das neueste Kalenderblatt vor.

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