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„Ich hoffe auf konkrete und für die Bistümer umsetzbare Ergebnisse”

„Ich hoffe auf konkrete und für die Bistümer umsetzbare Ergebnisse"

Interview mit Monsignore Michael Bredeck, Leiter der Zentralabteilung Entwicklung des Erzbistums Paderborn

Seit Jahren wird über Macht und Partizipation, die katholische Sexualmoral, priesterliche Lebensform und Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche diskutiert. Diese vier Themen soll der synodale Weg der Kirche in Deutschland aufgreifen und bearbeiten. Im März kündigte Kardinal Reinhard Marx diesen Weg bei der Frühjahrsversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) an. Die Versammlung stand damals unter dem Eindruck der MHG-Studie zur sexuellen Missbrauch in der Kirche.

Bischöfe, Theologen und Laien haben die vier Themen des synodalen Wegs nun vorbereitet. Am Freitag und Samstag, 13. und 14. September, kommen dann die Deutschen Bischöfe und die Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zusammen, um anzukündigen, wie der synodale Weg aufgebaut werden kann. Danach beraten DBK und ZdK auf ihren Versammlungen im September und November die weiteren Schritte. Im Interview erklärt Monsignore Michael Bredeck, der für die Entwicklung des Erzbistums Paderborn zuständig ist, welche Erwartungen er an den synodalen Weg hat und wie er den Weg aufgreifen möchte.

Redaktion

Monsignore Bredeck, am Wochenende wird vorgestellt, wie die vier Foren die Themen des synodalen Wegs vorbereitet haben. Wie greifen Sie diesen Weg auf?

Michael Bredeck

Vor allem steht natürlich, was die deutschen Bischöfe im September wirklich auf den Weg bringen werden. Was bislang öffentlich gesagt wurde ist Folgendes: Der synodale Weg soll jene Themen aufgreifen, die etwa im Erzbistum Paderborn größtenteils explizit bislang nicht besprochen wurden. Mit dem Erzbischof habe ich daher vereinbart, die Themen des synodalen Weges auf dem Weg zu unserem nächsten Diözesanen Forum, bei dem Haupt- und Ehrenamtliche Mitarbeiter des Erzbistums im November 2020 zusammenkommen, aufzugreifen. Dort soll es um den Stand der Umsetzung des Zukunftsbildes gehen, das die grundlegenden Haltungen sowie Leitmotive für die Entwicklung des Erzbistums beschreibt.

Mir ist es wichtig, beim Forum die Themen zu beraten, die für unser Erzbistum dringend einer weiteren Bearbeitung und Umsetzung bedürfen – allen voran die Frage, wie wir Evangelisierung als Leitkriterium (Papst Franziskus) allen anderen Themen voranstellen können. Und es gibt ganz handfeste Themen wie die Immobilienstrategie unseres Erzbistums, die wirklich angepackt werden müssen. Aber natürlich geht es auch um neue oder weitere Themen, die für die Zukunft der Kirche und des Erzbistums von Bedeutung sind. Und da gehören die von den Bischöfen bislang genannten Themen des synodalen Weges dazu, schon alleine deshalb, weil sie doch sehr viele Haupt- und Ehrenamtliche beschäftigen.

Redaktion

Am 30. September soll ein Vorschlag vorliegen, wie im Erzbistum Paderborn zu den vier Themen des synodalen Wegs gearbeitet wird. Wie weit sind Ihre Planungen dabei?

Bredeck

Falls die Bischöfe den synodalen Weg bei der Herbstversammlung vom 23. bis 26. September offiziell beginnen, möchte ich gerne die vier von der Bischofskonferenz genannten Themen des synodalen Weges jeweils mit einer Veranstaltung auch im Erzbistum aufgreifen. Das kann bei bereits geplanten oder auch bei noch nicht festgelegten Terminen und Veranstaltungen geschehen.

Fest stand ja schon länger, dass am 10. Dezember 2019 die zweite Frauenkonferenz des Erzbistums stattfindet. Da wäre es wünschenswert, wenn die Vorbereitungsgruppe auch das Thema „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ aufgreift. An der Konferenz nimmt ja auch unser Erzbischof teil. Ich gehe davon aus, dass durch die Frauenkonferenz etwas für das Bistum entstehen wird, auf dessen Grundlage wir beim Diözesanen Forum aufbauen können.

Zum Thema „priesterliche Lebensform“ ist die Idee, eine Zusammenkunft aller Priester im aktiven Dienst zu veranstalten und auch die Stimme der Laien einzubinden.

Redaktion

Wie sieht es mit den Themen „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“ aus?

Bredeck

Ich würde gerne eine Veranstaltung hierzu organisieren, um besser zu verstehen, an welchen Entscheidungen die Getauften überhaupt beteiligt werden möchten. Das stellt sich nach meinem Eindruck derzeit nämlich recht widersprüchlich dar. Auf dem Forum sollte auf jeden Fall erkennbar werden, was wir seit Beginn des Zukunftsbilds im Bereich der Partizipation gelernt haben und welche Aspekte für unser Bistum nach einer verbindlichen Regelung suchen. Eine Frage ist hier zum Beispiel, wie sich die Gremien Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat weiterentwickeln können.

Theologisch wird gerade weltkirchlich bei Prozessen der Kirchenentwicklung von einer „Kirche der Beteiligung“ gesprochen. Der synodale Weg wiederum scheint den Akzent stark auf den Umgang und die Ausübung und Teilung von Macht in der Kirche zu legen. Da wird es sicher um das Verhältnis von Klerikern und Laien und Haupt- und Ehrenamtlichen gehen, was im Zukunftsbild ja auch als Schlüsselthema formuliert ist.

Redaktion

Wie soll das Thema „Sexualmoral“ aufgegriffen werden?

Bredeck

Im Kern geht es aus meiner Sicht heute um zwei Fragen, über die wir sprechen können. Die Erste ist: Was bedeutet es eigentlich, dass die Kirche eine Sexualmoral lehrt, von der offensichtlich nur sehr wenige Getaufte sagen, dass sie Relevanz für sie hat? Das ist pastoral ja ein sehr schwieriger Widerspruch, der Auswirkungen auf viele Bereiche hat, nicht nur die Ehe- und Familienpastoral.

Das Zweite ist: Welche Perspektiven können entwickelt werden für die Menschen, denen wir im Augenblick kirchenoffiziell keine adäquate Antwort auf eine Bitte der Segnung oder der Begleitung geben können? Bisher werden die Seelsorger damit im Grunde allein gelassen. Diese entscheiden dann so oder so, in einer Grauzone oder eben ohne Angebote zu machen. Ich gehe davon aus, dass beim Synodalen Weg sowohl die Begleitung von Paaren, die kirchlich nicht heiraten können, wie auch die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zum Thema gemacht wird. Ich erwarte, dass da viel Streit vorprogrammiert ist und es möglicherweise kein einheitliches oder ein kontroverses Ergebnis geben kann. Andererseits sehe ich aber auch, dass wir um der Menschen – und zwar Betroffene und Seelsorger – willen hier Möglichkeiten finden und anbieten müssen. Da gibt es ja auch schon in verschiedenen Bistümern Aktivitäten und Versuche, auf die wir im Erzbistum Paderborn mehr schauen sollten als bislang.

Redaktion

Wie groß ist der Spielraum, den das Erzbistum Paderborn anhand des angestoßenen synodalen Wegs hat?

Bredeck

Auf der Ebene der Diözese lässt sich für die Themen der priesterlichen Lebensform, die Einbindung der Frauen und die Machtthematik eine ganze Menge an Vereinbarungen, Qualitätsmerkmalen etc. entwickeln, glaube ich. Das Erzbistum Paderborn kann keine grundlegenden Glaubensaussagen der katholischen  Kirche verändern. Der synodale Weg möchte aber die Spielräume ausloten, die die deutschen Bischöfe in den von ihnen genannten Themen sehen. Nach dem, was ich von Erzbischof Becker weiß, ist ihm der Konsens auf der Ebene der Bischofskonferenz sehr wichtig – also das, was beim synodalen Weg an Ergebnissen erzielt wird. Darüber hinaus steht er als Erzbischof in besonderer Weise für die Einbindung in die Weltkirche und die Verbindung mit dem Papst ein.

Redaktion

Wie groß ist Ihre persönliche Erwartungshaltung an den synodalen Weg?

Bredeck

Ich hoffe auf konkrete und für die Bistümer umsetzbare Ergebnisse. Ich befürchte aber auch, dass mit dem synodalen Weg Hoffnungen geweckt werden, die vielleicht nicht eingelöst werden können. Nachdem dieser Weg aber nun angekündigt ist, wird auch etwas geschehen müssen. Wie letztlich das Zusammenspiel zwischen Rom und den deutschen Bischöfen aussehen wird, kann ich heute nicht absehen.

In den Bistümern wurde bislang, so auch bei uns, bei den Themen des synodalen Weges immer gesagt, dass diese auf Bistumsebene nur bedingt bearbeitet werden können.  Jetzt soll auf Ebene der Bischofskonferenz ein Versuch gemacht werden, der natürlich auch die Bistümer berühren wird.

Redaktion

Was denken Sie, was Reformen bei den vier Themen bringen würden? Wie groß wäre der Effekt?

Das ist ganz schwer einzuschätzen. Vermutlich hätte vor 40 Jahren ein Anpacken dieser vier Themen eine deutlich größere Gruppe von Gläubigen erreicht und kirchlich gebunden als heute. Viele Menschen sind ja einfach gegangen. Und mittlerweile hat sich die Glaubenssituation so stark weiter zugespitzt, dass eine vielleicht erhöhte Attraktivität der Kirche ja nicht mehr unbedingt automatisch positive Auswirkungen auf die Teilnahme am kirchlichen Leben hat.

Würde beim synodalen Weg wirklich ein Ergebnis erzielt, das dann auch noch umgesetzt werden kann, vermute ich folgenden Effekt: Es gäbe mehr engagierte Katholikinnen und Katholiken, die sich mit der Kirche und manchen ihrer Positionen oder Strukturen leichter täten. Und als Kirche würden wir einen stärkeren Anschluss an die heutige gesellschaftliche Realität erhalten. Es gibt weithin kein Verständnis mehr dafür, dass die Kirche zum Thema Homosexualität oder Frauen in Ämtern eine Haltung vertritt, die nicht den gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten entspricht, gerade auch bei Katholiken, die ihre Position in diesen Fragen oft unter Mühen verändert haben. Die theologische Ebene dieser Themen ist so gut wie nicht mehr vermittelbar, was natürlich aus kirchlicher Sicht katastrophal ist.

Schließlich ist mir auch klar, dass ein kleinerer Teil von Katholiken die Kirche nicht mehr als Heimat sehen würde, gerade wenn es zu den von der Mehrzahl erhofften Reformen käme. Es ist mittlerweile eine sehr polarisierte Situation entstanden, in der Voraussagen praktisch unmöglich geworden sind.

 

Monsignore Bredeck, vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Tobias Schulte.

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