Apostolischer Protonotar Bruno Kresing vollendet 80. Lebensjahr

Apostolischer Protonotar Bruno Kresing Paderborn. 4. September 2009. Sein 80stes Lebensjahr vollendet am Samstag, 5. September, Apostolischer Protonotar Bruno Kresing. Der 2004 emeritierte Domkapitular war von 1974 bis 2002 Generalvikar von Erzbischof Johannes-Joachim Kardinal Degenhardt und leitete während der gesamten Amtszeit des früheren Paderborner Oberhirten das Erzbischöfliche Generalvikariat.

„Zur Mission herausgefordert“ lautete der Titel der Festschrift, die Generalvikar a.D. Bruno Kresing vor genau zehn Jahren überreicht bekam. Eine programmatische Charakterisierung. Bruno Kresing hat sich als weitgereister Verkünder und sachkundiger Verwalter des Erzbistums Paderborn einen Namen gemacht. Über 40 Jahre kannte er den verstorbenen Kardinal Degenhardt, mit dem er am 24. April 1974 als dessen Generalvikar seinen Dienst in Paderborn antrat. Für dieses schwere Amt war der in Hamm in Westfalen geborene Kresing bestens gerüstet. 

Prälat Kresing (links) beim Empfang für Erzbischof Degenhardt am Paderborner Flughafen nach dessen Erhebung zum Kardinal. Die Veränderungen der Gesellschaft hatte Kresing als katholischer Religionslehrer an zwei Gymnasien in Bielefeld während der 68er-Zeit hautnah miterlebt. Er war Geistlicher Gauführer des Heliand-Bundes und Markkaplan der Neudeutschland-Jungengemeinschaft. 1965 wurde er zum Studienrat ernannt, 1967 zum Oberstudienrat. Lorenz Kardinal Jaeger, der Kresing 1955 geweiht hatte, ernannte ihn 1970 zum Beauftragten für den katholischen Religionsunterricht an Höheren Schulen im Erzbistum Paderborn. Von 1970 bis 1973 gehörte er dem Vorstand der Vereinigung der katholischen Religionslehrer an den Höheren Schulen im Erzbistum Paderborn an. 

Prälat Kresing (im Vordergrund, Mitte) bei der Einweihung des Hauses S. Liborio Fazenda da Esperanca in Guaratinguetá (Brasilien). Nur kurz war Kresing Direktor des Erzbischöflichen Theologenkonviktes Collegium Leoninum und Direktor des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe im Erzbistum Paderborn. Das war 1973. Doch im April 1974 wurde er noch einmal ganz anders in Dienst genommen. 

Generalvikar, das sei die Stellenbeschreibung einer Utopie, äußerte Prof. Elmar Salmann OSB in einer 1999 gehaltenen Laudatio auf Bruno Kresing. Und auch Erzbischof Hans-Josef Becker konnte in der Ansprache zur Verabschiedung am 6. Oktober 2004 in der Kaiserpfalz in Paderborn nur feststellen, dass Dauer und Umfang der wahrgenommenen Aufgaben und Ämter im Rahmen einer Feierstunde nicht umfassend angemessen gewürdigt werden könnten. Geradezu unermüdlich hat Kresing gewirkt. Sein Arbeitspensum war schier unbegrenzt, seine Disziplin außerordentlich. 

Der Generalvikar ist verpflichtet, „ad mentem episcopi“ zu handeln, nach dem Sinn und nach den Gedanken des Bischofs, denn der Generalvikar ist zuerst Vertreter des Bischofs, alter ego, das der Leitung der Diözese zur Seite steht. Dies habe Bruno Kresing „mit einer großen Umsicht und Zielstrebigkeit nach innen“ und mit der „katholischen Weite seines Wirkens nach außen“ beispielhaft in seiner Amtsführung umgesetzt, würdigte ihn Erzbischof Hans-Josef Becker anlässlich seiner Verabschiedung. 

Prälat Kresing (2.v.r.) mit (v.l.) Erzbischof Hesse aus der Diözese Rabaul (Papua-Neuguinea), Architektin Ildikó Freifrau von Ketteler-Boeselager und Heinz Rosen. Präsentiert werden die Pläne für die neue Kathedrale in Vunapope. Bruno Kresing zeigt sich besonders dankbar für die Kontakte zum damaligen östlichen Anteil des Erzbistums in der Zeit der Mauer. Auch die Seligsprechung von Pauline von Mallinckrodt im April 1985 und natürlich der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Paderborn vom 21. bis 23. Juni 1996 unter dem Leitwort „Einig in der Hoffnung“ dürfen sicher als ein Höhepunkt in der Vita des damals dienstältesten deutschen Generalvikars gelten. Weitere Höhepunkte sind das Jubiläumsjahr 1999, 1200 Jahre Bistum Paderborn, mit der unvergessenen Karolinger-Ausstellung und natürlich im Februar 2001 die Aufnahme von Erzbischof Degenhardt in das Kardinalskollegium. 

Das weltkirchliche Engagement hat Prälat Bruno Kresing über seine Verabschiedung hinaus weiter gepflegt und diese Beziehungen in einem Buch im Juli 2007 umfassend dargelegt. Überhaupt ist die Liste seiner Veröffentlichungen nicht eben kurz. Und dass die Liboriusverehrung in aller Welt auch eine missionarische Herausforderung ist, versteht sich für Paderborner Christen, nicht nur für Generalvikare, von selbst. 

Wie Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt ist auch Prälat Kresing bis heute bescheiden im Auftreten und in der persönlichen Lebensführung geblieben, trotz der Vielzahl an Ämtern und Ehrungen. Kresing erhielt höchste Ehrung in der Päpstlichen Familie als Apostolischer Protonotar, ist mehrfacher Ehrendomherr sowie Ehrenbürger der Stadt Kastela in Dalmatien. Zudem hat er Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitze wahrgenommen. 

Doch sein Schwerpunkt ist immer die Seelsorge geblieben und bis 2002 natürlich die Funktion des Moderators der Kurie. Generalvikar, eine Utopie, ein bemerkenswertes Amt, das in keiner Bibel steht und das doch moderat ausgeführt und geschultert sein wollte.

Ägidius Engel


Im Folgenden geben wir in tabellarischer Form den Lebenslauf von Prälat Kresing wieder:

5. September 1929   geb. in Hamm/Westfalen

1950   Abitur

anschließend: Studium der Philosophie und Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn und der Universität München

26. Mai 1955   Priesterweihe in Paderborn

anschließend: Vikar in St. Vinzenz Menden und Dekanatsjugendseelsorger

1958   Religionslehrer, Subsidiar und Beauftragter für Schulseelsorge in Bielefeld

1959   Gaukurat der Pfadfinderinnenschaft St. Georg

1962   erstes Staatsexamen

1963   zweites Staatsexamen

1963   Geistlicher Gauführer des Heliand-Bundes

1965   Markkaplan der Neudeutschland-Jungengemeinschaft

1965   Studienrat (kath. Religion und Geschichte)

1967   Geistlicher Leiter (Bundeskaplan) im Bund Neudeutschlan

1967   Oberstudienrat

1970   zusätzl. Beauftragter für den Religionsunterricht an Höheren Schulen im Erzbistum Paderborn

1970-73   Vorstand Vereinigung der katholischen Religionslehrer an den Höheren Schulen im Erzbistum Paderborn

1973   Direktor des Erzbischöflichen Theologenkonviktes Collegium Leoninum und Direktor des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe im Erzbistum Paderborn

10. April 1974   Ernennung zum Generalvikar durch Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt

1974   Residierender Domkapitular und Wirklicher Geistlicher Rat

1974   Aufsichtsrat Aachener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft

1974   Vorsitzender des Clemens-Hofbauer-Hilfswerkes für Priesterspätberufe

1976   Päpstlicher Ehrenprälat

1977   Mitglied Generalvorstand des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken

1978-94   Vorsitzender der Kommission für Schulrecht des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD)

1978-94   Sprecher der Gesellschafterversammlung der Bonifatius-Druckerei

1979   Konventualkaplan Malteser-Ritterorden

1981   Vorsitzender des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken im Erzbistum Paderborn

1983   Moderator der Kurie

1984   Apostolischer Protonotar

1990   Stv. Vorsitzender Aufsichtsrat Aachener Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft

1995   Ehrendomkapitular Magdeburg

1996   Ehrenbürger der Stadt Kastela (Dalmatien)

1998   Archimandrit der griechisch-melkitisch-katholischen Diözese Saida und Deir-el-Kamar (Libanon)

1999   Ehrendomkapitular Drohiczyn (Polen), Split (Kroatien) und Zielona Góra-Gorozów (Polen)

25. Juli 2002   mit dem Tod von Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt endet die Amtszeit als Generalvikar des Erzbistums Paderborn

September 2004  Entpflichtung aus Verwaltungsrat, Geistlichem Rat und Metropolitankapitel 


Bibliografie:

B. Kresing (Hg.): Die Botschaft des Konzils, Paderborn 1966, 2. Auflage 1968.

B. Kresing u.a.: Theologisches Forum 8: Weltreligionen, Düsseldorf 1972.

B. Kresing (Hg.): Für die Vielen. Zur Theologie der Diaspora, Paderborn 1984.

B. Kresing (Hg.): Graf Stolberg. Ein Laie im Dienst der Diaspora, Paderborn 1989.

B. Kresing: Mit Maria auf dem Pilgerweg des Glaubens, Paderborn 1991.

B. Kresing (Hg.): „Helfer zu euerer Freude“: Glaube in Kirche und Welt. Festgabe für Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, Paderborn 1999.

Th. Schäfers, P. Schallenberg, U. Zelinka (Hgg.): Zur Mission herausgefordert: Evangelisierung als kirchlicher Auftrag. Festschrift für Generalvikar Bruno Kresing zum 70. Geburtstag, Paderborn 1999.

B. Kresing (Hg.): Mehr als man glaubt. Dokumentation zum Bistumsjubiläum, Paderborn 2000. 

B. Kresing, Das Erzbistum Paderborn in der Weltkirche, Paderborn 2007.