Viele Kirchen im Erzbistum tragen Handschrift von Heinrich Stiegemann

Kirchbaumeister Heinrich StiegemannPaderborn, 23. Dezember 2009. Vor 100 Jahren erblickte der Kirchbaumeister Heinrich Stiegemann (1909 – 1989) das Licht der Welt. Im Erzbistum Paderborn wirkte er als geachteter, profilierter und weit bekannter Architekt, der sein Können dem Bau von Kirchen verschrieben hatte. Er gehörte zu den am meisten beschäftigten Architekten im Erzbistum Paderborn, sein Name ist mit dem Kirchbau des 20. Jahrhunderts untrennbar verbunden.

In Krefeld geboren, studierte Heinrich Stiegemann in Aachen und Stuttgart Architektur. Er arbeitete danach zunächst in seiner Heimatstadt und dann in Salzgitter. Schwer verwundet während des Zweiten Weltkrieges kam er nach Warstein. Hier wohnte er bis zu seinem Tod, hier entstanden auch die Planungen und Koordinationen für sein großes bauliches Schaffen. Renovierungsarbeiten an der Kirche in Arnsberg-Rumbeck und in Hamm führten den Architekten zum kirchlichen Bauen. In Neuenrade entstand 1952/53 sein erster Kirchenbau. 1954-55 folgte als weiteres größeres Neubauprojekt die katholische Pfarrkirche St. Michael in Oerlinghausen.

1955-56 plante und realisierte er die Erweiterung der St. Christophorus-Kirche in Hirschberg. Als „Vertrauensmann des Landeskonservators für das Gebiet um Warstein herum“ oblagen ihm später auch eine Vielzahl von Erweiterungsprojekten und Renovierungen. In den folgenden Jahren verwirklichte das Architekturbüro Stiegemann allein im Kreis Soest insgesamt 94 Bauvorhaben - Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime - in 53 Kirchengemeinden.

Zu den herausragenden denkmalpflegerischen Projekten zählten der Wiederaufbau des 1973 durch Brand zerstörten Turmes der St. Laurentiuskirche in Erwitte, die Außen- und Innen-Restaurierung des St. Patrokli-Domes in Soest, sowie die umfassende Großmaßnahme der Instandsetzung und Restaurierung des Paderborner Domes in den Jahren 1977-1988.

Eines seiner besonderen Anliegen war es, im Sinne des Heimat- und Landschaftsschutzes die baulichen Formen und Materialien den regionalen Gegebenheiten anzupassen. Dabei war ihm die Verwendung ortstypischer Materialien und eine schlichte Formgebung wichtig. In seinen Bauten wird die Einfachheit des Raumgedankens und der sakrale Charakter des Entwurfs betont. Auch der etwas abseits stehende Kirchturm ist ein Erkennungsmerkmal vieler Stiegemann´scher Kirchbauten.

„Auf das Ganze gesehen, soll dem Herrgott eine Wohnung und dem gläubigen Volk ein Feier- und Betraum geschenkt werden. Die gezielte Verwendung von Natur- und Werkstein soll dem Gebäude den echten Bestand, das würdevolle Altern und den frommen Sinn garantieren“, so Heinrich Stiegemann über die Pfarrkirche Heilig Kreuz in Warstein-Belecke.

In Anerkennung seiner Verdienste überreichte ihm Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt 1976 den päpstlichen Silvesterorden. 1987 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Heinrich Stiegemann starb am 17.05.1989 in Warstein.