Liborischrein: Teilrestaurierung abgeschlossen

Thomas Schnorrenberg führte die Restaurierungen am Deckel des Libori-Schreines durch.Foto: Vieler Paderborn, 14. Juli 2009. Der kostbare Gold- und Silberschmiedeschrein, 1627 vom Dringenberger Künstler Hans Krako geschaffen, wird auch in diesem Jahr beim Liborifest im Hochchor des Paderborner Domes aufgestellt und in feierlicher Prozession durch die Straßen der Stadt getragen. Im Dezember 2008 hatte das Domkapitel konservatorische Pflegemaßnahmen beschlossen und den Paderborner Goldschmiedemeister Thomas Schnorrenberg damit beauftragt, das kostbare Gerät einer aufwändigen Sanierung zu unterziehen. 

Pünktlich zum Fest sind die Arbeiten am Deckel weitgehend abgeschlossen. „Der normale Beobachter wird vom Interimszustand der Restauration nichts bemerken“, stellt Schnorrenberg fest. Er habe zunächst eher „grobe Arbeiten“ erledigt: Brüche bearbeitet, Fehlstellen ersetzt, das große Liborirelief gelötet und Fixierungen vorgenommen. 150 Jahre liege die letzte Generalüberholung zurück. Und auch die jetzige Maßnahme, so Schnorrenberg, könne ebenso lange halten. 

Bis Herbstlibori wird der Schrein nicht wieder auseinandergebaut, vielmehr wie gewohnt im Diözesanmuseum ausgestellt. Erst danach erfolgt die zweite Etappe der Restauration. Dann sind das Figurenprogramm auf den Längsseiten und Sanierungen des Holzkerns an der Reihe. „Da gibt das Stück den Rhythmus vor“, erläuterte Domkustos Professor Christoph Stiegemann dem Metropolitankapitel, das sich kürzlich über die Fortschritte informieren ließ. 

Seit 382 Jahren ist das Herzstück des Domschatzes im liturgischen Gebrauch und die zahlreichen Liborifeste haben ihre Spuren hinterlassen. Doch auch der vergoldete Silberschrein hinterlässt Spuren: Seit Generationen in den Herzen der Gläubigen, die wissen: der wahre Domschatz, das sind die Reliquien des Heiligen und ist nicht der jetzt wiederhergestellte äußere Glanz des Schreins. 

Stichwort:
Der Dringenberger Künstler Hans Krako fertigte zwischen 1625 und 1627 den kostbaren Schrein für die Gebeine des Heiligen Liborius. Er besteht aus einem Holzkern, der mit vergoldetem Silber verkleidet ist. Teilweise wurde auch Bronze und Kupfer verwendet. Der Schrein hat die Form einer einschiffigen Kirche ohne Querhaus und ist vermutlich in Anlehnung an den im 30-jährigen Krieg verlorengegangenen Schrein gefertigt. Das Bildprogramm veranschaulicht das Pauluswort von der Kirche aus lebendigen Steinen: Auf den beiden Längsseiten des Schreins sind je sechs Apostel in rundbogigen Nischen dargestellt. Den Schlussstein bildet Jesus Christus (Kreuzdarstellung auf der Giebelseite). Das Giebelfeld über dem Kreuz schmückt eine goldene Madonna mit Jesuskind. An den vier Ecken sind die vier Evangelisten mit ihren Attributen dargestellt. Vier Medaillons auf dem Dach zeigen die Kirchenväter Augustinus, Gregorius, Hieronymus und Ambrosius. Die rückwärtige Giebelwand enthält die Stifter (Landdrost Wilhelm von Westphal und Ehefrau Elisabeth von Loe) und Künstlerinschrift. Auf den Dachplatten liegen, den ruhenden Pol bildend, die Heiligen Patrone des Hohen Domes, Kilian und Liborius.