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Ökumene

Die Geschichte der Ökumene im Erzbistum Paderborn beginnt bemerkenswert früh – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass Ökumene für die Weltkirche erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ein großes Thema wurde.

Spätestens 1941, als Erzbischof Lorenz Jaeger sein Amt antrat, wurde Ökumene eines der wichtigen Anliegen. „Ich kann das Wort Frieden nicht aussprechen in dieser Stunde, ohne auch unserer evangelischen Glaubensbrüder in der Liebe des Guten Hirten zu gedenken“, sagte Jaeger in der Predigt seiner Bischofsweihe, damals völlig ungewöhnliche Worte, denen Jaeger bald Taten folgen ließ. Zu diesen zählte 1957 die Errichtung des „Johann-Adam-Möhler-Institutes für Konfessions- und Diasporakunde“ im Garten des Erzbischöflichen Priesterseminars zu Paderborn, das später in „Johann-Adam-Möhler-Institutes für Ökumenik“ umbenannt wurde.

Auch auf weltkirchlicher Ebene trieb Erzbischof Jaeger den Ökumenismus-Gedanken voran: Die Gründung des Sekretariates für die Einheit der Christen in Rom wurde durch die persönliche Bekanntschaft von Erzbischof Jaeger mit dem späteren Kardinal Bea, dem ersten Präsidenten des Sekretariates, mit initiiert. Das Ökumenismusdekret „Unitatis Redintegratio“ des Zweiten Vatikanischen Konzils trägt auch die Handschrift von Erzbischof Jaeger.

Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt und Erzbischof Hans-Josef Becker haben den ökumenischen Impuls von Kardinal Jaeger aufgenommen und fortgeführt. Seit dem 1200-jährigen Bistumsjubiläum ist die Tradition des jährlichen ökumenischen Vespergottesdienstes am Sonntag vor Pfingsten gewachsen.

Ein neuer ökumenischer Impuls entstand durch das Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Zum Ende des Jubiläumsjahres unterzeichneten die Leitungen der katholischen Bistümer und evangelischen Kirchen NRWs den Aufruf “Ökumenisch Zukunft gestalten”. Das Ziel: Ökumene soll nicht mehr als belastende Zusatzaufgabe betrachtet werden. Vielmehr soll sie zukünftig ein durchgängiges Merkmal kirchlicher Arbeit sein.

Ein Brautpaar hält sich an der Hand

Konfessionsverbindende Ehepaare und ihre gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie

Das Erzbistum Paderborn hat einen Flyer für Ehepaare herausgegeben, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, gemeinsam Gottesdienste besuchen und auch gemeinsam zur Kommunion gehen möchten. Erzbischof Hans-Josef Becker hat dies grundsätzlich ermöglicht. Grundlage dafür ist die Orientierungshilfe „Mit Christus gehen – Der Einheit auf der Spur. Konfessionsverbindende Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie“ der Deutschen Bischofskonferenz (20. Februar 2018). Der Flyer gibt zu dieser Entscheidung weitere Impulse.

Die Taufe konfessionsverbindend feiern

Die 2021 erschienene „Handreichung für die Taufe von Kindern in konfessionsverbindenden Familien“ ist die Grundlage, die Taufe von Kindern konfessionsverbindender Familien in einer gemeinsamen Taufliturgie gemeinsam – ökumenisch und damit konfessionsverbindend – zu feiern. Der Anregung des Erzbistums Paderborn folgen die Evangelische Kirche von Westfalen, das Bistum Essen, die Lippische Landeskirche und die Evangelische Kirche im Rheinland für die nächsten drei Jahre zur Erprobung. Die Taufe des Kindes erfolgt in einer gemeinsamen ökumenischen Feier, in der die handelnden Personen beider Konfessionen die Teile des Taufgottesdienstes untereinander aufteilen können. Die eigentliche Taufhandlung vollzieht allein die Liturgin oder der Liturge der Taufkonfession, die anschließend die Eintragung in das römisch-katholische oder evangelische Taufregister vornimmt.

Ansprechpartner für Fragen rund um das Thema Ökumene

Unsere ökumenischen Einrichtungen sind die Fachstelle Ökumene und das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik.

Monsignore Dr. Michael Hardt
Leiter der Fachstelle Ökumene
Telefon +49 (0)5251 8729806
Postanschrift:
Leostraße 19a, 33098 Paderborn
Prof. Dr. Wolfgang Thönissen
Leitender Direktor des Möhler-Instituts
Telefon +49 (0)5251 8729800
Postanschrift:
Leostraße 19a, 33098 Paderborn

Im “erzblatt”, dem Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen des Erzbistums Paderborn, zählte in der dritten Ausgabe 2019 Ökumene zu den wichtigsten Themen. Unter anderem stellten wir darin die Frage “Wie viel Ökumene kann sein?”. Hier die Antworten von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern:

Msgr. Dr. Michael Hardt
Msgr. Dr. Michael Hardt

Der Weg der Ökumene ist unumkehrbar

Mit dem Aufruf „Ökumenisch Zukunft gestalten“ im Gedenkjahr des Reformationsereignisses 2017 haben das Erzbistum Paderborn, die Evangelische Landeskirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche ein erneutes Signal gegeben, das ökumenische Miteinander zu vertiefen. Die christlichen Kirchen werden nach innen und außen nur dann „Sauerteig“ bleiben, wenn sie die Christus-Gemeinschaft aufgrund der Taufe überzeugend leben – als Hörer des Wortes Gottes. Einander geschwisterliche Teilhabe in der gemeinsamen Nutzung der Gebäude zu schenken, im Gottesdienst gemeinsam Gott zu danken und Orientierung durch Gottes Wort zu empfangen, sowie die Sakramente gemeinsam zu feiern, wo es möglich ist – das alles muss noch viel mehr Erkennungszeichen der Christen in einer Gesellschaft werden, die ratlos oder mit Staunen auf die
Hähne, Kreuze und Doppelkreuze auf den Kirchtürmen blickt und nach Antworten sucht.

Monsignore Dr. Michael Hardt
Referent für Ökumene im Erzbistum Paderborn

Alltägliches Tun

In unserem kleinen Diaspora-Dekanat Waldeck gehören Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden zum alltäglichen Tun. Besondere Feste beginnen
häufig mit einem ökumenischen Gottesdienst. Seit wir die Möglichkeit haben, am Sonntag gemeinsame ökumenische Gottesdienste zu feiern, wird von diesem Angebot gerne
Gebrauch gemacht. Außerdem werden Kindergottesdienste für gewöhnlich gemeinsam vorbereitet und gestaltet. Schulanfangsgottesdienste sind rein katholisch oder evangelisch
nicht mehr denkbar. Ökumenische ambulante Hospizdienste, Engagement für die Schöpfung, ökumenische Gebetskreise oder Taizégottesdienste prägen den Lauf eines Kirchenjahres in den Gemeinden unseres Dekanates. Bei der diesjährigen Dekanatswallfahrt durften wir an zwei Stationen die Gastfreundschaft der evangelischen Kirchengemeinden erleben. Es ist bereits eine Vielfalt an Ökumene vorhanden. Schön, dass das so selbstverständlich ist!

Barbara Schirm
Dekanatsreferentin im Dekanat Waldeck

Noch keine Routine

„Was für ein Vertrauen“ lautete das Leitwort des Evangelischen Kirchentages, der kürzlich in Dortmund stattfand. Unter diesem Motto stand auch der ökumenische Gottesdienst, bei dem wir Kinder durch die Taufe in die evangelische bzw. in die katholische Kirche aufgenommen haben. Jahr für Jahr, jetzt zum 15. Mal, haben wir diesen Gottesdienst am Pfingstmontag gefeiert. Ein schöner Brauch, keine Routine. Auf dem Hof von Haus Opherdicke, wenn’s geht Open Air, bei Regen in der großen Scheune. In jedem Fall eine malerische Umgebung. Etwa dreihundert Gottesdienstteilnehmer oder mehr. Die jungen Tauffamilien mit ihren Angehörigen, dazu nicht wenige Gemeindemitglieder, die diesen Gottesdienst mögen. Zahlreiche Zeichen und Symbole gibt es. Und die Verkündigung ist uns wichtig. Danach Beisammensein bei Speis und Trank. Im Ganzen eine lebensfrohe, optimistische Szenerie. Und immer wieder wird auch gesagt, was alle empfinden: Gut, dass das so gemeinsam, so ökumenisch passiert!

Pfarrer Bernhard Middelanis
Leiter des Pastoralverbundes Holzwickede-Opherdicke

Martin Decking, Dekanatsreferent im Dekanat Herford-Minden
Martin Decking, Dekanatsreferent im Dekanat Herford-Minden

Ökumenisch pilgern

Auf Pilger- und Wanderwegen erkunden seit zehn Jahren katholische, lutherische, reformierte und freikirchliche Christinnen und Christen die Kreise Herford und Minden-Lübbecke sowie das Umland. Die ökumenischen Pilgerwege und Pilgertage, zu denen das Dekanat Herford-Minden zusammen mit zwei evangelischen Partnern einlädt, bieten den Teilnehmenden zweimal im Jahr die Möglichkeit, sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Geprägt werden die Pilgertage durch Schweigezeiten, Gespräche, Andachten und Gottesdienste – in der Natur oder den Kirchen und Kapellen am Wegesrand. Die Wege werden von einem ehrenamtlichen Pilgerteam geplant und erkundet, das auch Andachten und Impulse gestaltet. So entsteht jedes Mal neu eine Weggemeinschaft auf Zeit, in der jeder Pilger, auch im Gespräch mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen, seinen Lebens- und Glaubensweg ein Stück weitergehen kann.

Martin Decking
Dekanatsreferent, Herford Minden