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Berufungspastoral

Manche Menschen sind von Gott dazu berufen, ihre Talente und Fähigkeiten innerhalb der Kirche zu entwickeln und auszuleben. Dieser Berufung nachzuspüren und die Menschen auf diesem Weg zu begleiten ist der Auftrag der Berufungspastoral.

Berufung – Gott kennt mich und ruft mich bei meinem Namen

Ich fühle mich von Gott berufen. Was spricht aus diesem Satz, der so fremd in vielen Ohren klingt: Selbstbewusstsein oder gar Selbstherrlichkeit und Arroganz? Der Begriff der Berufung scheint übergroß. Dabei sind wir alle Berufene. Jeder Mensch auf der Welt, ob Christ oder nicht, ist dazu berufen, seinen Platz im Leben zu finden. Für Christen beginnt die Berufung mit dem Sakrament der Taufe. Mit ihr verbunden ist der Auftrag, Gott und den Menschen zu dienen und dem Beispiel Jesu zu folgen. Diese Berufung erneuert sich mit jedem Gebet und jedem Gottesdienst. Und mit jeder guten Tat.

Manche Menschen sind von Gott dazu berufen, ihre Talente und Fähigkeiten innerhalb der Kirche zu entwickeln und auszuleben. Mitten im Leben zu stehen und berufen zu sein, das passt zusammen.

In der katholischen Kirche gibt es eine Vielzahl geistlicher Berufe und Lebensformen:

  • Priester
  • Gemeindereferentin/Gemeindereferent
  • Ordensfrau
  • Ordensmann
  • Pastoralreferentin/Pastoralreferent
  • Diakon
  • Leben im Säkularinstitut (Menschen, die sich für ein Leben im Säkularinstitut entscheiden, leben nach verbindlichen Formen christlichen Lebens und wollen dabei bewusst ehelos leben. Säkularinstitute im Erzbistum: Zur Übersicht)
  • Religionslehrerin/Religionslehrer
  • Virgo Consecrata (Jungfrauenweihe)
  • Apostolatshelferin (Apostolatshelferinnen leben bewusst ehelos und bedingungslos für Jesus Christus, dabei gehören sie jedoch keiner Gemeinschaft an. Eine genaue Erklärung finden Sie hier: Zur Website)
  • Küsterin/Küster, Mesnerin/Mesner
  • Kirchenmusikerin/Kirchenmusiker
  • Ehrenamtliches Engagement und Freiwilligendienste
Pastor Stefan Kendzorra
Leiter Diözesanstelle Berufungspastoral





Johannes Schäfers
Referent, Berufungscoaching

Ann-Kristin Idzik
Referentin, Geistliche Begleitung





Sr. M. Alexandra Völzke FCJM
Referentin, Geistliche Begleitung

Tel. (0 52 51) 2 06-54 00

Stefan Kendzorra
„Jeder Mensch ist in dieser Welt von Gott berufen. Das zeigt sich schon allein dadurch, dass Gott jede und jeden von uns erschaffen hat.“ – Stefan Kendzorra
„Jeder Mensch ist in dieser Welt von Gott berufen. Das zeigt sich schon allein dadurch, dass Gott jede und jeden von uns erschaffen hat.“ – Stefan Kendzorra

Berufung als Passwort fürs Leben – drei Fragen an Stefan Kendzorra

Pastor Kendzorra, der Begriff Berufung hat eine vielschichtige theologische Bedeutung. Könnten Sie den Begriff Berufung ausdeuten und verständlicher machen?

Dazu hat der Theologe Romano Guardini ein einprägsames Bild entwickelt. Nach Guardini ist die Berufung wie ein „Passwort“ für das eigene Leben, das gefunden werden will. Wörtlich heißt es da: „Es wurde einmal gesagt, wenn der Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben. […] Es wird hineingesprochen in sein Wesen und es ist wie ein Passwort zu allem, was dann geschieht. […] Alles, was dann im Gange der Jahre geschieht, ist Auslegung dieses Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, dass der, dem es zugesprochen wird – jeder Mensch, denn jedem wird eines zugesprochen –, es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt.“

Jeder Mensch empfängt demnach eine Berufung von Gott und ist befähigt, diese Berufung auch zu finden. Findet ein Mensch seine Berufung, erfüllt sich seine tiefste Sehnsucht, und es tritt Ruhe ins Herz ein. Es gibt zudem so viele unterschiedliche Berufungen in der Welt, wie es Menschen gibt. Jede Berufung zielt letztlich auf die Gemeinschaft und Beziehung mit Gott.

Ist wirklich jeder Mensch berufen?

Jeder Mensch ist in dieser Welt von Gott berufen! Das zeigt sich schon allein dadurch, dass wir Menschen existieren. Die Kirche glaubt, dass jeder Mensch durch den Willen Gottes in die Welt gerufen wurde und es für ihn einen Plan Gottes gibt. Gott setzt damit jeden Anfang eines Lebens.

Wir Menschen sind deshalb berufen, mit Gott in Beziehung zu treten, und jeder ist mit dem eigenen Leben ein Zeichen für die Existenz Gottes in der Welt. Um diese Existenz Gottes sichtbar werden zu lassen, braucht der Mensch andere Menschen. Wir sind deshalb Teil der großen Gemeinschaft der Kirche. Dort seine Aufgabe und seinen Platz als Christ zu finden, ist ebenfalls eine Berufung. Das kann bedeuten, in einen konkreten Dienst zu treten. Als Christ lebt man nicht für sich allein, sondern besonders für andere Menschen. Dieser Dienst am Menschen kann ein ehrenamtlicher Dienst in der eigenen Gemeinde sein oder auch ein Beruf in der Kirche.

Ist meine Berufung unendlich? Oder könnte ich sie auch von mir abstreifen?

Die grundsätzliche Berufung zum Mensch- und Christsein kann nicht enden, weil sie Ausdruck der Beziehung zwischen Mensch und Gott ist. Von Gott berufen zu sein bedeutet nicht nur, die Eigenschaften eines Menschen zu erkennen, es betrifft vielmehr das innerste Wesen des Menschen. Weil Gott uns in die Existenz in dieser Welt berufen hat, besteht von seiner Seite immer der Wunsch nach Beziehung. Es liegt an uns, ob und wie wir diese Beziehung pflegen und damit unserer Berufung folgen.

Aus unserem Erleben wissen wir, dass zwischenmenschliche Beziehungen nie einen Endzustand erreichen, andernfalls würden sie leblos werden. Auch die Beziehung zu Gott ist ein lebendiger Prozess. Es gilt, immer mehr Christ zu werden und der eigenen Berufung immer neu auf die Spur zu kommen.

 

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