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26
August
2020
26.August.2020

„Wir können keinem Mut machen, der keinen Mut sucht“

Themenspecial „Mutmacher“: Der Wert der Krankenhausseelsorge aus zwei Perspektiven

“Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht!“ – dieses Zitat von Vaclav Havel trägt Mechthild S. stets bei sich. Ihr Lebenspartner Günther ist schwer erkrankt. Hoffnung durchlebt sie jeden Tag. Neben der Erkrankung selbst kosten auch Behandlung und psychische Belastung viel Kraft. „Dabei hat meinem Mann die Seelsorge im Krankenhaus viel Kraft gegeben. Für ihn sind die Gespräche mit Johannes Brüseke wichtig, sehr wichtig. Er hat meinem Mann auch Mut gemacht.“

Klinikseelsorger Johannes Brüseke im Gespräch mit der Lebenspartnerin eines Patienten. (Foto: Ronald Pfaff)
Klinikseelsorger Johannes Brüseke im Gespräch mit der Lebenspartnerin eines Patienten. (Foto: Ronald Pfaff)

„Hoffnung bei Menschen wecken, dass Gott sie im Blick hat“

Johannes Brüseke ist katholischer Krankenhausseelsorger im Klinikum Lippe mit den Standorten in Detmold und Lemgo. Seit 1990 ist er in Diensten des Erzbistums Paderborn und war 22 Jahre als Referent in der Erwachsenenbildung im Hochstift tätig. „Das hat mir am Ende nicht mehr ausgereicht“, erklärt Brüseke, der sich deshalb zum Krankenhausseelsorger fortbildete und seit 2012 in dieser Funktion tätig ist. Seine Aufgabe sei es, sich den Menschen zuzuwenden und dadurch auch die Zuwendung Gottes weiterzugeben. „Ich möchte in den Menschen die Hoffnung wecken, dass Gott sie im Blick hat.“  Die Beziehungsarbeit motiviert ihn. Es sei eine schöne Aufgabe, die manchmal aber auch anstrengend sei.

Selbst in der Hochphase der Corona-Pandemie erfüllte er seine Aufgabe und hatte Zugang zum Haus. „Auch in dieser Zeit habe ich Besuche auf der Station gemacht und sogar einen Corona-Erkrankten dabei betreut“, so Brüseke.

„Ich klopfe an der Tür des Patienten an – auch im übertragenen Sinne – und schaue dann, auf welcher Basis kommen wir – Patient und ich – zusammen. Vom Smalltalk bis zu tiefgreifenden Gesprächen über Leben und Tod ist alles möglich“, stellt Brüseke seine Tagesarbeit vor. Sein Ziel sei es, sehr behutsam zu schauen, was von Patientinnen oder Patienten gewünscht sei. Das müsse er dann akzeptieren, auch wenn der gemeinsame Weg manchmal nur sehr kurz sei.

Aus zufälligem Treffen wurde besondere Beziehung

Mechthild und Günther waren Johannes Brüseke durch die Arbeit in der Gemeinde bekannt, aber die entscheidende Begegnung im Krankenhaus war zufällig. „Die Diagnose für Günther H. war noch ganz frisch, als wir uns auf der Station in der Klinik begegneten. An diesem Tag begann meine Begleitung und das Versprechen: ich begleite Sie bis zum Krankenhausende“, erinnert sich der Seelsorger, der eine ganz besondere Beziehung zum Patienten entwickelte. „Normalerweise ist mein Dienst hier auf das Haus beschränkt, Hausbesuche sind eher die Ausnahme.“ Aber Gottesdienste waren auf einem anderen Weg dann nicht möglich.

„Mein Mann hat den Seelsorger quasi eingefordert“, erzählt Mechthild, die stellvertretend und in Absprache mit ihrem Mann das Gespräch mit der Redaktion des Erzbistums Paderborn führt. Günther sei mal evangelisch gewesen und schon vor der Erkrankung konvertiert. „Ich bin katholisch und meinen Mann hat der katholische Glauben immer schon fasziniert“, so Mechthild, die bereits seit 15 Jahren an der Seite von Günther steht.

Diagnose: Tumor in der Lunge

KfZ-Mechaniker Günther hatte es in den letzten Jahren nicht leicht. Nach einem komplizierten Armbruch bei einem Unfall musste er frühzeitig die Erwerbsminderungsrente beantragen. Es folgte dann auch noch ein Schlaganfall. Im Dezember 2019 erkrankte der heute 66-Jährige an einer Lungenentzündung. Weil sie trotz Behandlung nicht heilte, wurde Günther weiter untersucht und nach einer Computertomographie am 30. Januar 2020 ein unheilbarer Tumor in der Lunge erkannt. Damit nicht genug: Lymphknoten in der Lunge und eine Stoffwechsel-Erkrankung lautete die weitere Diagnose.

„Es folgte ein Marathon von Chemo-Behandlung und Bestrahlung – bis die psychische Belastung bei der vierten Behandlung immens wurde“, erinnert sich Mechthild, die aber stolz feststellt: „Mein Mann hat durchgehalten und durch die seelsorgerische Begleitung auch den Mut bekommen, weiter durchzuhalten.“ Die Behandlungen hätten ihren Mann stark erschöpft, und Körper und Seele gleichermaßen belastet. Die Nachwirkungen seien dann vor allem Zuhause verstärkt aufgetreten und hätten ihren Mann auch in eine Antriebslosigkeit geführt.

Beim ersten Gespräch zwischen Günther und Johannes Brüseke durfte Mechthild dabei sein. „Dann haben sich die beiden  über den Glauben noch viel intensiver ausgetauscht, als mir es möglich gewesen wäre.“ Ganz besonders blieb Mechthild der kleine Gottesdienst mit Kommunionausteilung an Gründonnerstag zu Hause in Erinnerung. „Wir haben im Fernsehen die Übertragung des Gottesdienstes verfolgt und uns dann gegenseitig auch die Füße gewaschen. Karfreitag haben wir gemeinsam den Kreuzweg gebetet.“

Patient profitiert aus liebevoller Begleitung seiner Frau

Wenn man sich der Krankheit nicht stelle, habe man verloren, weiß Mechthild. Sie kennt auch die Stimmungsschwankungen ihres Mannes. „Er bekommt Kraft durch Gott und den Glauben. Beides baut ihn auf. Trotz der schweren Erkrankung schimpft er auch nicht auf Gott“, darf sie Gedanken von Günther weitergeben. „Mein Mann redet offen über seine Krankheit und weiß, dass es endlich ist. Aber er hat Lebensmut. Er will leben.“

Günther profitiert auch aus der Begleitung und Erfahrung seiner Frau Mechthild. Denn die beiden sind nicht nur im Glauben „vereint“, sondern Mechthild ist ausgebildete Kinderkrankenschwester und hat seit 1972 auf der „Neugeborenen und Wöchnerinnen“-Station im Detmolder Krankenhaus gearbeitet. „Ich habe meinen Beruf bis zum letzten Arbeitstag geliebt“, bekennt Mechthild, die danach noch zweieinhalb Jahre als Präsenzkraft im Altenheim Bad Meinberg tätig war. „Ein Bogen vom Anfang bis zum Ende des Lebens“, resümiert sie ihren Dienst und betont: „Ich wollte dienen.“ Im Pfarrbüro hilft sie heute noch ehrenamtlich stundenweise aus.

„Meinen eigenen Mut ziehe ich aus Gebeten”

„Meinen eigenen Mut ziehe ich aus Gebeten und Gesprächen mit Gott. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern Dein Wille geschehe, ist für mich ein tragendes Gebet“, so Mechthild S., die aber auch allen Menschen in einer ähnlichen Situation mit auf den Weg gibt, dass Betreuende auch  das eigene Leben mit Verantwortung achten müssen.

„Wir können keinem Mut machen, der keinen Mut sucht“, betont Seelsorger Johannes Brüseke. Nur auf diesem Weg könne er Hilfe sein, indem er zuhört und Impulse gibt. Er sei wie ein Spiegel. Im Fall Günther passe vieles zusammen: Eine Beziehung, die intakt ist. Ein starker Glauben. Kostbare Ziele. Und der Wunsch nach Eucharistie. Bei den Treffen seien die Bibeltexte vom Tage jedes Mal ein Treffer gewesen und passten gut auf die Situation des Patienten. In Wort und Zeichen sei erkannt worden „Gott geht mit uns“.

Mit dem Glauben schwere Krankheit besser überstehen

Johannes Brüseke: „Mit christlichem Glauben kann man eine schwere Krankheit besser überstehen, weil ich überzeugt bin, dass Gott mitgeht, nicht nur irgendwann, sondern jetzt auch in meinem Leben. Glaube ist oft zu formelhaft und ritualisiert erlernt. Glaube braucht Frische und Gegenwart. Zuwendung zu Gott hilft uns, gesund zu werden.“ Gespeist aus dem Evangelium und der Erfahrung aus dem Krankenhaus kennt Brüseke die Gotteserfahrung: „Du bist und bleibst mein Kind. Ich bin bei dir – auch im letzten Atemzug.

„Danke für das Gespräch, das hat mir gut getan“, sei doch ein vielsagendes Feedback von Patienten zu den Klinikseelsorgern, gibt Mechthild auch die Meinung von Günther wieder. Dass Menschen in ihrer Krankheit begleitet werden, ihre Gedanken äußern können und damit aufgefangen würden, sei ein positives Element der Seelsorge.

In den letzten Jahren habe das Erzbistum Paderborn viel Geld und Personal in die Klinikseelsorge investiert, ergänzt Brüseke, der sich wünscht: „Dass die Gesellschaft die Not und Bedürftigkeit von Menschen wahrnimmt. Und dass es Krankenhäuser gibt, wo es nicht nur medizinisch um Körperfunktionen geht, sondern um den einmaligen Menschen und seine Bedürfnisse.“

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