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11
Juni
2021
11.Juni.2021

Wie finde ich Gott?

Sich auf die Suche nach Gott machen, wie kann das funktionieren?

Auf Gott vertrauen oder an ihm zweifeln –  das geht nur, wenn ich schon einen Zugang zu Gott habe. Doch manchen Menschen fehlt genau das. Sie sind auf der Suche nach Gott, sie wollen glauben. Sie wollen Gott sehen und dessen Kraft und Liebe spüren. Doch aus irgendeinem Grund klappt es nicht. Lässt Gott sich überhaupt finden? Oder muss man sich finden lassen? Fragen, die nach Antworten suchen.

Es gibt Momente im Leben, die wirken sich fundamental aus auf alles, was danach kommt: eine Krise, die einen nachdenken lässt oder eine Lebenswende, zum Beispiel die Geburt eines Kindes oder der Tod eines Familienmitgliedes. Wer solche Momente erlebt hat, dem gingen vielleicht auch die großen Fragen des Lebens durch den Kopf: Wie hängt alles in der Welt eigentlich zusammen? Wo stehe ich? Was kommt nach dem Leben? Gibt es so etwas wie eine Bestimmung?

– Den Sprung wagen

Der Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855) spricht von einem „Sprung in den Glauben“. Ein Bild, das sich mit Schwimmen vergleichen lässt, sagt Markus Menke: „Ich kann lange darüber nachdenken, ob ich schwimmen kann – irgendwann muss ich es aber auch versuchen. Genau wie im Glauben: Ich kann fragen, fragen, fragen. Aber es kommt ein Punkt, an dem ich dann auch sagen muss: Ich gehe davon aus, dass Gott da ist und existiert und schaue einfach mal, was passiert. Ich muss mich darauf einlassen.“

– Ein Gefühl von Dankbarkeit

„Mir selbst hilft es immer, über die Wahrnehmung von etwas Schönem oder Aufregendem in eine Grundhaltung von Dankbarkeit zu kommen“, sagt Pastor Menke. Die Welt und das Leben nicht als selbstverständlich, sondern als Geschenk anzusehen. Das könne „eine intensive Bahn zu Gott“ sein. Gerade die letzten Monate hätten gezeigt, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Neben eindeutig religiösen Zugängen wie das Lesen in der Bibel, gemeinsames Beten oder Gottesdienste seien genau diese Denkmuster auch wichtig: an einen Punkt zu kommen, an dem man merkt, „dass irgendetwas mir dieses Leben geschenkt hat“, formuliert Markus Menke.

„Ich kann lange darüber nachdenken, ob ich schwimmen kann – irgendwann muss ich es aber auch versuchen. Genau wie im Glauben: Ich kann fragen, fragen, fragen. Aber es kommt ein Punkt, an dem ich dann auch sagen muss: Ich gehe davon aus, dass Gott da ist und existiert und schaue einfach mal, was passiert. Ich muss mich darauf einlassen.“

 

Pastor Markus Menke

– „Ich muss nicht alles beweisen“

Glaube hat mit Gefühl zu tun. „Wer immer nur mit dem Kopf an das Thema herangeht, wird früher oder später schnell mit anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder aber der Theodizee-Frage konfrontiert“, sagt Menke. Glauben bedeutete aber nur in einer Hinsicht „etwas für wahr zu halten“. Man kann es nämlich auch anders sehen: „Glauben als die Gewissheit zu verstehen, dass jemand mit mir geht. Darauf zu vertrauen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass da jemand ist – dann wird sich Gott auch zeigen“, so Menke. Ein Tipp: Das Glaubensbekenntnis nicht mit „Ich glaube an“ beten, sondern „Ich hoffe auf“: „Mir persönlich hat das in meiner Jugend geholfen, um herauszukommen aus dem Fragehorizont und dem Zwang, absolute Gewissheit zu bekommen.“ Wer Glauben immer nur auf die Suche nach Wahrheit bezieht, wird vermutlich nicht die Antworten finden, die man haben möchte.

– Heilige Orte erleben

Pastor Markus Menke ist selbst mehrfach den Jakobsweg gegangen, hat mit Gruppen Heilige Orte in Israel besucht. Das hat ihm gezeigt: Auch Landschaft kann einen Zugang zu Gott eröffnen. „Ich habe mit angesehen, dass Menschen dort Gott ein Stück näher gekommen sind.“ Sich aufmachen, zu den Wurzeln des christlichen Glaubens gehen und Gott finden.

– Das eigene Bild von Gott überdenken

Welche Vorstellungen und Wünsche gehen damit einher? Habe ich vielleicht ein „falsches“ Bild davon, wer Gott für mich sein soll? Vielleicht fehlt der Zugang zu Gott auch deshalb, weil mein Bild von Gott gar nicht erfüllt werden kann. „Wenn ich Gott zum Beispiel suche als jemanden, der ein Garantiefall für ein sorgenfreies Leben ist, dann werde ich enttäuscht“, sagt Menke. „Er ist auch keine Instanz, die Menschen vor Leid bewahrt. Aber vielleicht ist der Glaube eine Stütze, um leidvolle Situationen überhaupt zu bestehen.“ Gott gebe keine Lottogewinne, aber Zuversicht und Halt, er nimmt die Furcht und erfüllt das Innerste der Menschen. Hier könne laut Pastor Menke auch die Kirche ansetzen. Denn Kirche muss verstehen wollen, was Menschen Halt gibt und Fragen stellen statt festgezurrte Antworten zu geben.

Das Themenspecial "Zweifeln und Vertrauen"

Ein Beitrag von:

Till Kupitz
Redakteur