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14
Mai
2020
14.Mai.2020

Wie Corona in die Klinikseelsorge eingreift

Pastor Edgar Zoor - bisher Krankenhausseelsorger in Bad Driburg, nun Pastor im Nördlichen Siegerland.
Pastor Edgar Zoor - bisher Krankenhausseelsorger in Bad Driburg, nun Pastor im Nördlichen Siegerland.

Klinikseelsorger Edgar Zoor zieht Bilanz: Zehn Jahre Nähe zu den Menschen und Vertrauen der Patienten

„Ein Besuch von Bett zu Bett in den Krankenhäusern, um mit den Patienten einen persönlichen Kontakt – eine Beziehung – aufzubauen, war stets gelebte Normalität. Das ging in den letzten Wochen aufgrund der Pandemie nicht mehr und war für die seelsorgerische Arbeit in der Klinik ein großer Einschnitt“, blickt Pastor Edgar Zoor auf die Ausnahmesituation zurück. In seiner zehnjährigen Tätigkeit als Krankenhauspfarrer hat er so etwas nicht erlebt. Corona hat gut funktionierende Krankenhausseelsorge unter optimalen Klinik-Bedingungen ausgebremst.

„Die Nähe zu den Menschen und auch das Vertrauen der Patienten werden mir fehlen“, zieht Pastor Edgar Zoor Bilanz und blickt wehmütig auf seine Arbeit als Krankenhausseelsorger über ein Jahrzehnt im St. Josef Hospital in Bad Driburg sowie im St. Rochus Krankenhaus Steinheim zurück. Sein Wechsel zum 1. Mai in den Pastoralen Raum Nördliches Siegerland war schon lange geplant und hatte mit der Corona-Krise nichts zu tun. „Ich habe sorgsam abgewogen, mich nach zehn Jahren mal wieder zu verändern und in der Gemeindeseelsorge zu arbeiten“, erklärt der 52-Jährige, der sich auf die neue Aufgabe mit Pfarrer Friedhelm Rüsche freut.

Die Bedingungen für die Krankenhausseelsorge seien in beiden Häusern optimal gewesen. Sowohl Ausstattung und Standing hätten gestimmt. Deshalb verlasse er Bad Driburg auch mit einem weinenden Auge, betont Edgar Zoor, den zusätzlich traurig gestimmt hat: „Dass ich mich in dieser Corona-Zeit verabschieden musste, ohne alle Patienten nochmal sehen zu können.“ Die Arbeit sei aufgrund der Notsituation eingeschränkt gewesen.

„Vor allem das Unbekannte und Neue an diesem Virus hat alle verunsichert.”

„Vor allem das Unbekannte und Neue an diesem Virus hat alle verunsichert. Ein Gefühlswandel zwischen Bagatellisierung, Dramatisierung und Realisierung hat sich gezeigt. Normales Arbeiten ist als Klinikseelsorger nicht mehr möglich gewesen“, sagt Pastor Edgar Zoor, dem allerdings die nötigen Schutzmaßnahmen vertraut waren. Richtiges Händewaschen, Händedesinfektion und Schutzkleidung seien schon immer für ihn erforderlich gewesen, wenn Patienten vom MRSA-Keim betroffen gewesen seien, der lebensgefährliche Infektionen verursachen kann. „Schutz zum Selbstschutz, aber auch zum Schutz für die Patienten selbst. Der Umgang mit Infektionen ist dem Personal vertraut – nur der neue Virus nicht.“

Schutzmaßnahmen, aber auch die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser seien Themen in der Seelsorge mit den Mitarbeitenden in der Klinik gewesen. Die Krankenhäuser seien gut auf die „große Welle“ vorbereitet, doch verschiebbare Operationen und Untersuchungen seien ausgefallen. „Dann beginnt auch eine Sorge um den Arbeitsplatz“, weiß der Krankenhausseelsorger zu berichten. Da er nicht Angestellter der jeweiligen Klinik war, fanden alle in ihm stets einen Ansprechpartner, mit dem man offene Gespräche führen konnte: Geschäftsführung, Mitarbeitende, Patienten und Angehörige.

Den Kontakt zu den Patienten hat Zoor mit modernen Kommunikationsmitteln gehalten. Mittels einer Übertragung auf die Fernsehgeräte in den Stationszimmern war es möglich, Gottesdienst zu feiern. Mit regelmäßigen Impulsen über E-Mail hat der Krankenhauspfarrer versucht, die Kranken ebenfalls zu stützen. Sterbebegleitung oder das Überbringen von schmerzhaften Nachrichten sei in der Krisenzeit eine besondere Herausforderung gewesen.

“Die Ganzheitlichkeit des Menschen hat mich fasziniert.”

Schon zu Schulzeiten, im Bio-Leistungskurs, habe er sich für das Gesundheitswesen interessiert. „Ich habe auch kein Problem, offene Wunden zu sehen“, sagt Pastor Edgar Zoor, der auch Geistlicher Begleiter ist. Doch mehr habe die Ganzheitlichkeit des Menschen im Vordergrund gestanden, die ihn immer fasziniert habe. Nähe in der Seelsorge zulassen sei wie eine Wohnungsbesichtigung, wo der Bewohner im Inneren erlaubt habe, neue Räume zu öffnen. Andere hätten aber auch die Wohnungstüren zugelassen.

Die Zeit als Klinikseelsorger hat Edgar Zoor stets sehr erfüllt.  Auch wenn 24-Stunden-Rufbereitschaften bedeuteten, dass man in dieser Zeit nicht abschalten könne und der Kopf immer erreichbar sei.

Vita:

Edgar Zoor, Jg. 1967, geboren in Meschede, Priesterweihe 1993, pastorale Dienste in Soest, Kohlhagen und Silberg-Varste, Mitglied der Abtei Dormitio BMV in Jerusalem und Tabgha 2006-2010, seit 2010 Krankenhauspfarrer in Bad Driburg, zusätzlich seit 2017 in Steinheim/W., seit 2014 Leiter des Teams der “Haltestelle” – ein Ort für Gebet und Begegnung in Bad Driburg – Meditationsanleiter- und Begleiter, Exerzitienbegleiter und Geistlicher Begleiter. Seit 2010 war Zoor auch Mitglied des Ethikkomitees der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge, davon auch vier Jahre als Vorsitzender.

Ein Beitrag von:

Ronald Pfaff
Redakteur
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