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21
Juli
2021
21.Juli.2021

Wie aus einer anderen Welt

Der Raum Hagen ist im Bereich des Erzbistums Paderborn am heftigsten von der Unwetter-Katastrophe betroffen

Manfred Seifert sieht müde aus. In gelben Gummistiefeln steht er im Eingang zu seiner Wohnung. Um ihn herum räumen zahlreiche Helfer seine Wohnung leer. Davor ein großer Berg aus alten Möbeln und Müll. Manfred Seifert wohnt an der Haardtstraße in Hagen. Eine der Straßen, die besonders stark von der Unwetter-Katastrophe getroffen wurden.

„Das war ein großer Schreck, ich kann noch gar nicht richtig in Worte fassen, wie ich mich fühle. Ich habe alles verloren“, berichtet er. „Man versucht noch ein paar Dinge zu retten, doch das Wasser kommt so schnell, da hat man keine Chance mehr.“ Momentan wohnt Manfred Seifert bei seinem Schwiegersohn in Sundern. Unter den Helfern ist auch Thomas Mitsimponas, der Besitzer des Hauses. Auch ihm fehlen die Worte für das, was hier in den vergangenen Tagen passiert ist: „Die Wohnung war neu saniert, jetzt ist alles zerstört.“ Bautrockner gibt es keine mehr. „Lieferbar ab Januar“ habe man ihnen gesagt.

 

Ein Garten in Hagen-Hohenlimburg, der abgerutscht ist. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Wolfgang Lapp und seine Frau wohnen eine Etage höher als Manfred Seifert. Sie haben Glück gehabt: „Bei uns ist nur der Keller betroffen, die Waschmaschine und der Gefrierschrank sind kaputt. Das ist schlimm für uns, aber nicht vergleichbar.“ Es sei beängstigend gewesen, das Wasser kam von jetzt auf gleich. In 80 Jahren hätten sie so etwas noch nicht erlebt. Jetzt, ein paar Tage nach dem Hochwasser, sind sie noch immer abgeschnitten von der Außenwelt. Die Zufahrtsstraße zu ihrem Haus ist völlig zerstört. Erst nach mehreren Tagen konnte der Strom wieder angestellt werden. „Man fühlt sich so machtlos, das Wasser kommt, und man kann nichts mehr dagegen tun“, beschreibt der 80-Jährige die Situation

Stefanie Differenz aus Hagen-Hohenlimburg. Foto: cpd / Rebecca Borgmeier
Stefanie Differenz aus Hagen-Hohenlimburg. Foto: cpd / Rebecca Borgmeier

Alle packen mit an

Ein Haus weiter lebt Stefanie Differenz mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter Annamaria. Barfuß steht sie vor ihrem Haus, ihre Tochter auf dem Arm. Das Wasser kam durch die Haustür, ins Wohnzimmer und in die Küche. „Ich bin von dem lauten Rauschen des Wassers wach geworden, die Kleine hat geweint“, erzählt Stefanie Differenz.

Ihr Mann ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und war schon zu einem Unwettereinsatz gerufen worden. „Ich habe nur schnell meine Tochter nach oben in Sicherheit gebracht und dann alles versucht, das Wasser irgendwie aufzuhalten.“ Im letzten Moment schafft sie es, die Rolladen ein Stück zu schließen: „Sonst wären womöglich noch die Fenster geplatzt.“ Geröll und Schutt sammeln sich vor ihrer Haustür, der Asphalt vor dem Haus ist komplett aufgeplatzt.

Alle packen mit an. Seit mehreren Tagen sind die Bewohner und zahlreiche Helfer von früh morgens bis spät abends im Einsatz. Dutzende Autos müssen abgeschleppt werden. Die Fahrzeuge sind nicht nur verschlammt, sondern von den Wassermassen völlig zerstört worden. Bäume versperren die Wege. Die Straßen in den betroffenen Gebieten sehen aus wie aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Die Anwohner kämpfen mit Schaufeln gegen die Berge aus Schlamm, Steinen und Schrott.

Ein Auto, unter dem die Straße weggebrochen ist. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Ein Auto, unter dem die Straße weggebrochen ist. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Arbeiten werden noch Monate dauern

Auch Daniel Bröcker ist seit Tagen im Dauereinsatz: „Wir haben kaum Zeit für eine Pause, es gibt so viel zu tun.“ Vor allem nachts: „Wir müssen Wache halten. Es gibt jede Menge Plünderer, die es auf den Schrott vor den Häusern abgesehen haben und daraus noch Profit schlagen wollen.“

Es wird noch Wochen und Monate dauern bis die Haardtstraße und die vielen anderen Regionen, die vom Hochwasser überschwemmt wurden, wiederhergestellt sind. Und es wird viel Zeit brauchen, bis Manfred Seifert und die anderen Bewohner überhaupt verarbeitet und begriffen haben, was da Mitte Juli passiert ist.

Von Rebecca Borgmeier