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7
Juni
2021
7.Juni.2021

Warum Kirche aus sich herausgehen muss

Editorial zum Themenspecial „Zweifel und Vertrauen“

Die katholische Kirche in Deutschland schrumpft. Jahr für Jahr gab es zuletzt Rekorde bei den Austrittszahlen. Und auch 2021 scheinen diese auf einen neuen Höhepunkt zuzusteuern.

Die Gründe dafür sind bekannt. Vor allem der Missbrauchsskandal hat die Kirche in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise geführt. Große Reformen bleiben aus. Zudem nehmen Glaubenswissen und auch Vertrautheit mit kirchlichen Traditionen immer weiter ab, weswegen das „Angebot“ der Kirche für immer weniger Menschen wichtig ist. Viele brauchen Gott und Kirche schlicht und ergreifend nicht.

Dieser Trend ist gut bekannt. Schon das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn hat 2014 festgestellt, dass es nichts bringt, (vermeintlich) besseren Zeiten hinterher zu trauern. Stattdessen geht es darum, die Gegenwart anzunehmen und zu handeln.

Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Bereichs Pastorale Dienste, hat in einem Interview beschrieben, was pastorale Umkehr bedeutet: „Je weniger Menschen von sich aus die Kirche aufsuchen, umso mehr müssen wir innerhalb der Kirche bereit und fähig sein, den Kontakt außerhalb unserer gewohnten Möglichkeiten zu suchen. Dazu werden wir möglichst viele Orte, Gelegenheiten und Wege nutzen müssen, um als Christen mit dem Evangelium in einer sehr pluralen Gesellschaft präsent zu sein.“

Folgt man diesen Worten, sind Kirchengemeinden und andere Einrichtungen dazu aufgerufen, noch stärker als bisher „aus sich heraus zu gehen“ – an Orte und zu Menschen, die nicht kirchlich geprägt sind und die zunächst nicht nach dem Evangelium fragen. Das bedeutet Freundschaft zu suchen und zu pflegen mit Menschen jenseits der binnenkirchlichen Kreise. Das kann zum Beispiel bedeuten, mit säkularen Kulturanbietern, Bildungseinrichtungen und anderen gesellschaftlichen Akteuren gemeinsame Anliegen zu entdecken und zusammenzuarbeiten.

An erster Stelle stehen dann nicht mehr die eigene Gemeinde, die eigene Gruppe, die eigenen liebgewonnenen Institutionen. An erster Stelle steht vielmehr der Glaube an Jesus Christus und die Frage, wie Evangelium und Glaube so ins Spiel gebracht werden können, dass sie für Menschen erstmals oder wieder attraktiv sind. Hier ist viel Kreativität gefragt – und sicher auch viel Mut, aus der eigenen Blase herauszukommen, in der man ‚unter sich‘ ist.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

Ein Beitrag von:

Dr. Claudia Nieser
Redaktion