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13
September
2021
13.September.2021

Von Burgkapellen und Sandsteinengeln

Holger Kempkens und die Kunst der Kirche

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns wöchentlich mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Bedingung der Zusammenkunft: Das Meeting endet, sobald der Kaffeebecher geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Dr. Holger Kempkens getroffen, der seit Oktober 2020 das Paderborner Diözesanmuseum leitet.

Der kleine Sandsteinengel in der Vitrine des Diözesanmuseums geht leicht in die Knie, so als sei er gerade erst gelandet und müsse noch den Schwung des Fluges abfedern. Auf den ersten Blick scheint das eine geeignete Metapher zu sein für einen neuen Museumsdirektor, der aus Bamberg an die Pader kommt, nur um hier vom Pandemie-Winter 2020 ausgebremst zu werden. Statt echten Besuchern vor realen Kunstwerken musste er sein Museum ins Digitale verlagern. Ist Holger Kempkens also – wie man in seiner neuen Heimat sagen würde – noch „am Landen dranne“?

Die Handschrift des Meisters

Mit einem Werk der Sammlung hat sich der neue Direktor in letzter Zeit allerdings etwas intensiver auseinandergesetzt, und zwar mit dem kleinen Sandsteinengel. Ein Verkündigungsengel, sagt Kempkens. Doch wirklich mitteilsam war die Figur bislang nicht. Weder wusste man, in welcher Kirche sie mal stand, noch welcher Künstler sie einst geschaffen hatte. Auf dem Schildchen vor der Vitrine steht nur „Westfalen, um 1450. Baumberger Sandstein“. „Das wird noch neu gedruckt“, sagt Kempkens. Denn er weiß jetzt mehr.

Als er vor einigen Monaten mit seinen Mitarbeiterinnen die neue Dauerausstellung plante, stießen sie im Depot auf den Engel. Kempkens kontaktierte seinen langjährigen Freund Reinhard Karrenbrock, einen ausgewiesenen Kenner mittelalterlicher Sandsteinplastik. Karrenbrock hatte früher schon an der Figur die Handschrift eines Künstlers erkannt, der bisher nur unter dem Notnamen „Meister des Krapendorfer Altares“ bekannt war. Doch in der Zwischenzeit war es ihm gelungen, dessen richtigen Namen zu lüften: Heinrich Blanckebiel (gest. 1487/88), ein Bildhauer aus Münster, der schließlich an den Niederhein nach Wesel umgezogen ist. Das sei das Spannende an seiner Arbeit, sagt Kempkens, „wenn man einem Objekt wie diesem wieder ein kleines bisschen seiner Geschichte zurückgeben kann.“

 

Foto: Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn
Foto: Cornelius Stiegemann / Erzbistum Paderborn

Zur Person

Holger Kempkens wurde 1971 in Köln geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Historische Geographie und Denkmalpflege/Bauforschung in Bonn und Bamberg. In Bonn wurde er mit einer Arbeit über die Zisterzienserklosterkirche Marienfeld und die Burgkapelle von Schloss Rheda promoviert. Er organisierte die Ausstellung „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“, ein Kooperationsprojekt des Benediktinerstifts St. Paul/Kärnten und des Westfälischen Landesmuseums für Klosterkultur in Dalheim. Im Anschluss konzipierte er Teile der Sonderausstellung „Goldene Pracht. Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“ für das Bistum Münster. Von August 2012 bis Herbst 2020 leitete er das Diözesanmuseum Bamberg. Am 15. Oktober 2020 folgte er auf Christoph Stiegemann als Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums und der Domschatzkammer Paderborn.

Ein Beitrag von:

Cornelius Stiegemann
Redakteur