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8
April
2020
8.April.2020

Schule von Zuhause – wie gut klappt das?

Bad Driburger Lehrer erzählen von der aktuellen Situation an den Schulen im Erzbistum

Als am Freitag, den 16. März, das Land Nordrhein-Westfalen entschied, dass Kitas und Schulen bis mindestens zum Ende der Osterferien geschlossen werden, musste es auch für Antonio Burgos schnell gehen. Der Schulleiter des Gymnasiums St. Xaver berief für den folgenden Montag eine Lehrerkonferenz ein, machte sich über das Wochenende viele Gedanken und erarbeitete Pläne. Die große Frage: Wie soll der Unterricht in den kommenden Wochen fortgesetzt werden?

Digitaler Unterricht nicht für alle Fächer geeignet

Um Kontrollen zu ermöglichen, gibt es entsprechende Termine, bis wann die Aufgaben an die Lehrer gesendet werden müssen. Diese werden dann korrigiert und mit Kommentaren zurückgeschickt. Bei Nachfragen oder Problemen ist aber täglich die Kommunikation über Mail oder Telefon möglich. Das war wichtig für den Bad Driburger Schulleiter – und klappe ebenfalls richtig gut.

Doch der digitale Unterricht ist nicht für alle Fächer gut geeignet, auch als Übergangslösung nicht. Vokabeln lernen in Englisch oder Rechenaufgaben in Mathematik, das geht problemlos zuhause vorm Computer. Beim Religionsunterricht sieht das aber anders aus. Denn gerade der lebe von der Diskussion und dem Austausch untereinander. „Es sind affektive Lernziele, die gerade in den unteren Jahrgangsstufen im Fokus stehen, d.h. Lernziele im Bereich von Gefühlen, Einstellungen und Werten“, erklärt Simone Flottmeier, Lehrerin für Katholische Religion und Deutsch. „Viele Aufgaben zielen auf die Arbeit in Kleingruppen ab, was sich zuhause doch schwierig gestaltet, wenn ein Treffen mit Gleichaltrigen aktuell verboten ist.“ Eltern sollen nicht als Ersatzlehrer fungieren, erklärt Flottmeier, die an der Gesamtschule, ebenfalls in Bad Driburg, arbeitet. Denn Religionsunterricht sei ein geschützter Raum, es kämen oft Sachen zutage, die die Kinder daheim nicht unbedingt erzählen.

Simone Flottmeier, Religionslehrerin an der Gesamtschule Bad Driburg
Simone Flottmeier, Religionslehrerin an der Gesamtschule Bad Driburg

“Religionsunterricht wird vor allem dann interessant, wenn Schulen wieder öffnen”

Auch Simone Flottmeier war in den drei Wochen vor den Osterferien im Home Office. An ihrer Schule wurden zwar schwerpunktmäßig Aufgaben in den Hauptfächern verteilt, doch höhere Klassen hätten auch Religionsaufgaben für Zuhause bekommen. Für den Religionsunterricht sei allerdings ohnehin vor allem die Zeit interessant, wenn die Schulen wieder öffnen. Denn im Rahmen der Kompetenzentwicklung soll der Religionsunterricht zum Aufbau sozialer Verantwortung beitragen. Daran lasse sich mehr denn je hervorragend anknüpfen, sagt Flottmeier: „Welcher Faktor hat die Jugendlichen während dieser noch nie da gewesenen Schulschließung wohl mehr geprägt als ihre veränderte Lebenswelt?“

Gerade Werte wie Mitmenschlichkeit und Sozialkompetenz werden derzeit extrem gefördert. Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse, die Simone Flottmeier in Religion unterrichtet, haben beispielsweise Bilder für Bewohner eines Altenheims gemalt. Viele würden in der Corona-Zeit sicher auch beim Einkauf für Nachbarn oder Großeltern helfen. „All das sind tolle Beispiele dafür, wie gelebter Glaube funktioniert, gerade in einer Krisenzeit, wie wir sie jetzt haben“, erklärt die 34-jährige Religionslehrerin. „So werden die jungen Menschen zu einem verantwortlichen Denken und Verhalten in Hinblick auf Religion befähigt.“

Wie die Jugendlichen die Zeit während der Corona-Pandemie nun erlebt haben und erleben, will Simone Flottmeier deshalb auf jeden Fall bei der Rückkehr in die Schule aufgreifen. „Für den Religionsunterricht gilt, dass es dann einfach viel spannender ist, auf die vergangenen Wochen zurückzublicken und über die Zeit zu sprechen. Viel spannender als eine Sicherung von Hausaufgaben.“ Es stellen sich nun wahrscheinlich mehr Sinnfragen als in Zeiten, wo es uns gut geht, führt sie weiter aus. „Viele werden sich die klassische Frage stellen: Kann Gott für so eine Pandemie verantwortlich gemacht werden? Das ist dann ein extrem spannendes Thema für den Unterricht.“

Schülerinnen und Schüler haben nicht die gleichen Voraussetzungen

Auch Antonio Burgos vom Gymnasium St. Xaver findet, dass jedes Fach, und nicht nur die Hauptfächer, in der Zeit zuhause eine Rolle spielen sollten. Denn Religion, Musik oder Kunst seien eine ganz andere Beanspruchung als beispielsweise Mathematik. Allerdings wäre es bei all den Aufgaben einfacher, wenn zuhause alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Voraussetzungen hätten. Das ist im Moment aber nicht gegeben. Im kommenden Jahr sollen aber zwei Jahrgangsstufen komplett mit iPads ausgestattet werden. „Dann wird so ein digitaler Unterricht noch einfacher“, sagt Burgos.

Die größeren Herausforderungen sind derzeit aber andere: Viele Lehrerinnen und Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, können sich vom Unterricht, auch nach den Osterferien, vorerst abmelden. Das würde die komplizierte Organisation erschweren. Zumal ohnehin noch nicht klar ist, ob der Unterricht am 20. April wirklich wieder startet. „Wir wissen noch nicht: Wann geht‘s weiter? Wie geht‘s weiter? Geht es überhaupt weiter? Es gibt derzeit viele Unsicherheiten, sodass wir verschiedene Szenarien durchdenken müssen“, erklärt der Schulleiter. Daher könnte die allgemeine Stimmung besser sein.

Er ist aber optimistisch, dass zumindest die Abiturientinnen und Abiturienten nach den Osterferien wieder in die Schule kommen dürfen. Ohnehin wollen wohl alle zurück zu den alten Verhältnissen. Denn „Face to Face“ ist es immer noch am schönsten, besonders was Schule angeht.

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