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11
Mai
2020
11.Mai.2020

Schützenfest ist ein Stück gelebte Heimat

Auf eine Kaffeelänge mit Christian Elbracht

Nach mehrwöchiger Pause, in der wir uns alle an eine neue Situation gewöhnen mussten, legen wir nun wieder los mit unserer Serie „Auf eine Kaffeelänge mit…“. Weiterhin gilt: wir treffen uns, jetzt selbstverständlich mit gebührendem Abstand, auf einen Kaffee mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Die einzige Vorgabe ist: die Unterhaltung endet, sobald der Kaffeebecher ausgetrunken ist. Dieses Mal haben wir uns mit Christian Elbracht aus dem Pastoralen Raum Marsberg unterhalten. Er ist Pastor und zudem Diözesanpräses der St. Sebastianus Schützenjugend (BdSJ).

Pastor im Sauerland zu sein und so gar nichts mit Schützenfesten anfangen zu können? Das sei wie ein Pastor im Rheinland, dem Karneval völlig egal sei, sagt Pastor Christian Elbracht und lacht. Das gehöre einfach zusammen. Ursprünglich stammt er aus dem Rande des Münsterlandes, auch dort ist das Schützenwesen verbreitet. Seit einigen Jahren ist er nun im sauerländischen Marsberg als Pastor für die Gemeinden Obermarsberg und Erlinghausen zuständig. Das kirchlich geprägte Schützenfest ist auch hier für viele Menschen das Highlight des Jahres und gehört fest zur Ortsidentität, beschreibt Pastor Elbracht die Bedeutung von Schützenfesten. „Es ist ein zentrales Fest, für das Leute nach Hause kommen und mit ihrer Familie und alten Freunden zusammen feiern. Es ist schon ein Stück gelebte Heimat.“

Die Zeit nutzen

Von seinem Arbeitszimmer im Pfarrhaus, direkt an der Stiftskirche in Obermarsberg, hat Pastor Elbracht einen faszinierenden Ausblick auf einen Großteil der Stadt. Aber auch hier wird es kein Jahr wie jedes andere sein. Wegen des Coronavirus steht schon jetzt fest, dass Großveranstaltungen in Deutschland bis zum 31. August verboten sind – die Schützenfestsaison ist damit abgesagt. Das sei für viele Menschen natürlich schmerzlich, findet Christian Elbracht, der selbst Präses im Vorstand der St. Peter und Paul Schützenbruderschaft Obermarsberg ist.

Deshalb gelte für Schützenbruderschaften, das Jahr für inhaltliche Fragen zu nutzen und sich auf das Wesentliche zu fokussieren: Worauf kann man auch getrost verzichten, worauf kann man sich hingegen stärker konzentrieren? „Das ist für die Schützenbruderschaften eine Chance, auch wenn sich das niemand gewünscht hat, zu schauen: Was macht uns als Schützenbruderschaft aus? Wozu sind wir da vor Ort? Warum ist es für unsere Heimat gut, dass es uns Schützen überhaupt gibt?“, skizziert Pastor Elbracht.

Christian Elbracht

Seit bald fünf Jahren ist Christian Elbracht Diözesanjungschützenpräses im Erzbistum Paderborn. Schützenfest, das gehört für ihn, wie für viele andere Menschen fest zur Ortsidentität. In diesem Jahr wird es kein Schützenfest geben. Doch das […]

Seit bald fünf Jahren ist Christian Elbracht Diözesanjungschützenpräses im Erzbistum Paderborn. Schützenfest, das gehört für ihn, wie für viele andere Menschen fest zur Ortsidentität. In diesem Jahr wird es kein Schützenfest geben. Doch das sei auch eine Chance für die Schützenbruderschaften. Fotos: Till Kupitz

„Für Glaube, Sitte, Heimat“

Das Motto des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) lautet „Für Glaube, Sitte, Heimat“ und werde vielerorts lebendig gelebt, auch in der St. Sebastianus Schützenjugend (BdSJ) im Diözesanverband Paderborn, die dem BHDS angehört. So gab es zum Beispiel viele aktive Ortsgruppen, die sich an der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im vergangenen Jahr beteiligt haben.

Schützenbruder zu sein, bedeute eben mehr als nur drei Tage im Jahr zusammen feiern, sagt der Sauerländer Pastor. Neben den Festen gebe es während des Jahres viel soziales Engagement durch die Bruderschaften: von der Organisation von Wallfahrten über Seniorennachmittage bis hin zu „Wir machen unser Dorf sauber“-Aktionen. „Die Schützenfeste fallen zwar aus. Das heißt aber nicht, dass deshalb die ganzen Schützenbruderschaften und Jungschützengruppen in diesem Jahr in einen Winterschlaf fallen“, so Elbracht.

Gefühl von Geborgenheit und Zuhause sein

Seit Herbst 2015 ist Christian Elbracht mittlerweile der Diözesanjungschützenpräses im Erzbistum Paderborn. „Dann müssen Sie jetzt den ganzen Sommer auf alle Schützenfeste gehen?“, bekommt er deshalb öfters zu hören und muss schmunzeln. Denn das macht genau genommen die wenigste Zeit aus. Als Präses ist er die geistliche Begleitung des Vorstandes, ist auch bei Jungschützentagen und Gruppenleiterkursen mit dabei. Es sei schön, die Leute vor Ort bei solchen Events kennenzulernen. „Da kommt dann auch schon mal die eine oder andere relgiöse Frage auf“, sagt Elbracht. Deshalb gebe es immer auch Frage-Runden, bei denen Fragen anonym in eine Box geworfen und diese dann anstelle einer Predigt im Gottesdienst beantwortet werden. Es gehe vor allem um Themen wie: Wer ist Gott? Wieso läuft die Welt gerade so, wie sie läuft? Was bedeutet eigentlich Dreifaltigkeit? „Da war ich anfangs selbst erstaunt, was da so an Fragen kam“, erzählt der Pastor.

Manche seien natürlich mehr, andere weniger kircheninteressiert. Aber allen gibt das kirchlich geprägte Schützenfest, genau wie Weihachten, dieses Gefühl von Geborgenheit und Zuhause sein, sagt Christian Elbracht. Trotz aller Globalisierung brauche jeder von uns eine Verortung. Schützenfest sei deshalb sehr schön durch die Heimatdefinition von Johann Wolfgang von Goethe zu beschreiben: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“

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