Kontakt Presse & Medien Für Mitarbeitende Karriere & Jobs
Kontakt
Gestaltungselement Navigation
2
Oktober
2021
2.Oktober.2021

Respekt vor der Schöpfung

Adelheid Lüttecke ist Frau der ersten Stunde im Weltladen Attendorn

Eigentlich wolle sie keine Hauptrolle spielen, keine Protagonistin sein. Schließlich sei sie nur ein kleiner Teil einer Gruppe vieler aktiver, engagierter Menschen, Teil eines großen Ganzen, sagt Adelheid Lütteke vom Weltladen in Attendorn. Die 62-Jährige steht nicht gerne im Mittelpunkt. Nichtsdestotrotz ist sie Frau der ersten Stunde. Und das, was sie tut, ihre Motivation und Antriebskraft, umschreibt sie in einem Satz, der voller Schlagkraft ist: „Aus Respekt vor der Schöpfung.“

Neben Warenauswahl, Bestellungen und Abrechnungen zählen vor allem Bildungsarbeit und politische Kampagnenarbeit zur Arbeit von Adelheid Lüttecke. Foto: Birgit Engel
Neben Warenauswahl, Bestellungen und Abrechnungen zählen vor allem Bildungsarbeit und politische Kampagnenarbeit zur Arbeit von Adelheid Lüttecke. Foto: Birgit Engel

Frieden und Gerechtigkeit mit dem Einkaufskorb

„Hier kann ich mit dem Einkaufskorb politisch aktiv sein, mich ehrenamtlich engagieren, Gutes tun und auf Missstände aufmerksam machen“, sagt Adelheid Lütteke, die sich mit Herz und Seele für den Weltladen einsetzt. Dabei ist sie weniger im Laden im Verkauf, sondern beschäftigt sich mit dem „ganzen Drumherum“, wie sie es nennt. Und das sind neben Warenauswahl, Bestellungen und Abrechnungen vor allem Bildungsarbeit und politische Kampagnenarbeit. „Wir sind ja ein Arbeitskreis, sind unterwegs mit verschiedenen Aktionen, nehmen Soziales, Ökonomie und Ökologie in den Blick.“

Adelheid Lütteke erinnert sich noch gut an den Nicaragua-Kaffee, den sie in den 1980er Jahren in ihrer Tasse hatte. Zu scharf gebrannt und nicht gerade überzeugend im Geschmack. „Man trank ihn nicht aus Genuss, sondern aus Solidarität.“ Kaffee als ehemaliges Kolonialprodukt war Pionier und Symbol der Weltladen-Bewegung, zeigten sich daran die unfairen Strukturen im Welthandel ganz besonders. Kaffee ist nach wie vor auch immer noch beliebtes Produkt im Weltladen Attendorn, indes inzwischen mit regionalem Bezug, weil es den fairen Stadtkaffee „Bellebaums Traum“ gibt, den der Arbeitskreis vor einigen Jahren organisierte. „Die Ergänzung um nachhaltige Produkte aus der Region macht natürlich Sinn, schließt den Kreis“, sagt Lütteke. „Unser aller Engagement im Fairen Handel folgt dem Bewusstsein, dass jede Kaufentscheidung eine Entscheidung im Sinne der Bewahrung der Schöpfung ist.“ Und so finden sich neben dem Sortiment aus Afrika, Asien und Südamerika – Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Kunsthandwerk – auch Produkte aus dem Sauerland. Dazu gehören beispielsweise Bio-Eier und Bio-Nudeln.

Strahlen und Wirkung entfalten

Vor zwei Jahren machte der Weltladen in Attendorn, der der einzige seiner Art mit eigenen Geschäftsräumen in der Region überhaupt ist, einen wahren Schub nach vorne. Man schloss sich dem Weltladen-Dachverband an und man zog in ein großes modernes Ladenlokal, ist seitdem in der Stadt sichtbarer. Das, so Lütteke, sei ein wichtiger und richtiger Schritt gewesen. „Ein Weltladen muss auch professionell sein, um seine Wirkung entfalten und strahlen zu können.“

Dass die Stadt Attendorn vor zehn Jahren zur ersten Fairtrade-Stadt in Südwestfalen ausgezeichnet wurde, ist auch dem Engagement der Weltladen-Initiative zu verdanken. Nun arbeitet man daran, gemeinsam mit den benachbarten Kommunen, Fairtrade-Region zu werden. „Bei so einem Projekt braucht es Verbindungen zu Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Bürgern, Schulen und Kirche. Man muss das, was wir bisher erreicht haben, am Leben halten“, blickt Lütteke dankbar zurück auf die bisherige Erfolgsgeschichte des Weltladens in Attendorn als lokale Stellungnahme und kritische Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie man lebt. „Mein Engagement ist Ausdruck meines Glaubens im Alltag. Nach der Devise „global denken, lokal handeln“ zeigt unser Team, wie kleine `Fair´Änderungen zu einer gerechten und friedlichen Welt beitragen können.“

Info: „Bellebaums Traum“

Namensgeber ist der Leineweber Ferdinand Bellebaum (1846-1917). Als während des Ersten Weltkrieges der Kaffeeimport stark eingeschränkt war, brannte er für die Attendorner einen eigenen Kaffee. Er röstete Wurzeln der Zichorien, die gemahlen als Kaffeeersatz verwendet wurden. Die Weltladen-Legende: Natürlich träumte auch er damals von echtem Bohnenkaffee. Dieser Traum geht durch unseren fair gehandelten Stadtkaffee in Erfüllung.

Ein Beitrag von:

Dr. Claudia Nieser
Redakteurin