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22
Juli
2021
22.Juli.2021

Nicht zu fassen

In Bad Neuenahr werden Tante und Onkel von Simone Teimann aus Welver immer noch vermisst

Einen Satz sagt Simone Teimann aus Welver im Kreis Soest immer wieder: „Das ist nicht zu fassen.“ Ihre Tante und ihr Onkel aus Bad Neuenahr sind vor einer Woche in der Flut von einer Welle mitgerissen worden. Seitdem werden sie vermisst. Dass die beiden noch leben, daran glaubt Teimann nicht mehr. Realisieren kann sie die Situation trotzdem nicht.

Der Tisch im Restaurant war schon bestellt, das Essen gebucht. An diesem Wochenende wollte „Tante Susi“, wie Simone Teimann sie nennt, mit der ganzen Familie in Bad Neuenahr ihren Geburtstag feiern. Das hatte sie schon zwei Jahre lang nicht mehr gemacht, wegen Corona.

„Dann hörten wir, dass ein Unwetter kommt. Wir dachten: Vielleicht verschieben wir das Familienessen noch um eine Woche, falls Susi und Günther Wasser im Keller haben sollten“, erzählt Teimann. Sie versuchte, ihre Tante aus Bad Neuenahr zu erreichen, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. Doch sie erreichte sie nicht. Nicht mehr.

Simone Teimann aus Welver. Ihre Familie vermisst Angehöre aus Bad Neuenahr. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Simone Teimann aus Welver. Ihre Familie vermisst Angehöre aus Bad Neuenahr. Foto: Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

„Die gibt’s nicht mehr“

Simone Teimann hörte die Nachrichten über die Flutkatastrophe im Radio, im Fernsehen sah sie die schrecklichen Bilder. Auch aus Bad Neuenahr. Natürlich fragte sie sich: Was ist mit Susi und Günter? Sie rief die beiden an – keine Chance. Sie sah auf WhatsApp nach: „Zuletzt online: Mittwoch, 11:42 Uhr“. Sie sagt: „Da wirst du ganz kribbelig“. Und: „Aber gut, es war ja auch das gesamte Telefonnetz zusammengebrochen.“

Einen Tag lang hörten sie und ihre Familie nichts Neues. Stattdessen: grübeln, hoffen, bangen. Am Donnerstagabend, um halb 10 Uhr abends, rief dann der älteste Sohn ihrer Tante an. Teimann skizziert den Anruf so: „Er sagte: Ich habe traurige Nachrichten. Die beiden sind weg, die gibt’s nicht mehr.“ Ihre Reaktion: „Ja, wie? Die gibt’s nicht mehr?“

Heute, eine Woche nach der Nachricht, sagt Teimann: „Wir haben das nicht geglaubt. Schlimm ist das. Ganz schlimm. Zwei Menschen sind wie mit einem Fingerschnippen weg.“ Sie erzählt, dass Nachbarn gesehen haben, wie die beiden von den Wassermassen überrascht, erwischt und mitgerissen wurden.

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur