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23
Januar
2021
23.Januar.2021

Morgenandachten im WDR von Dr. Claudia Nieser

Die Woche im Überblick

Montag, 18. Januar 2021 –  Amadeus

Dienstag, 19. Januar 2021 – Mehr Leidenschaft!

Mittwoch, 20. Januar 2021 – Pilgern mit Beethoven

Donnerstag, 21. Januar 2021 – Eine Welt aus Musik

Freitag, 22. Januar 2021v – Ist das Kunst und kann weg?

Samstag, 23. Januar 2021 – Musik stiftet Einheit.

Amadeus

Guten Morgen!

Ich kann es kaum glauben, dass mein liebster Kinofilm schon bald 40 Jahre alt ist. Es ist und bleibt der Film „Amadeus“ von Regisseur Milos Forman – für mich kommt keiner der Blockbuster der vergangenen Jahre an dieses Kunstwerk ran. Thema des Films ist – natürlich – Wolfgang Amadeus Mozart. Doch fast noch wichtiger im Film ist Antonio Salieri, sein Zeitgenosse und Rivale.

Neid und Missgunst sind nichts Neues. Eine der ersten Geschichten im Alten Testament zum Beispiel ist die von Kain und Abel, den beiden Söhnen von Adam und Eva (Gen 4,1-16). Kain erlebt, wie Gott wohlwollend auf das Opfer seines Bruders Abel schaut und ihn selbst ignoriert. Voller Neid tötet er deshalb seinen Bruder Abel – der erste Mord aus Eifersucht.

Auch wenn unklar bleibt, warum Gott das eine Opfer einem andern vorzieht oder warum einer mehr Talente hat als ein anderer. Mir scheint eine Erkenntnis wichtig: Es bringt nichts, sich an anderen zu orientieren – ob am Bruder oder am Gegenspieler, egal, was bei den anderen vermeintlich oder tatsächlich besser ist.

Vielmehr glaube ich der Zusage, dass alle Menschen von Gott geliebt sind. Niemand muss ein Jahrhundertgenie sein, um diese Liebe zu erfahren. Um dies wirklich zu glauben und zu erfahren, genügt es, die Person zu sein, die man ist.

Dann fällt es auch leichter, anderen ihre Gaben zu gönnen – auch wenn man sie nicht unbedingt mögen muss.

Einen guten, gelassenen Einstieg in die Woche wünscht Ihnen Claudia Nieser aus Paderborn.

Foto: Shutterstock/fizkes
Foto: Shutterstock/fizkes

Mehr Leidenschaft!

Guten Morgen!

Von dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven ist folgendes Zitat überliefert:

Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig. Aber ohne Leidenschaft zu spielen ist unverzeihlich.

Foto: Shutterstock/Africa Studio
Foto: Shutterstock/Africa Studio

Pilgern mit Beethoven

Guten Morgen!

Die besten Ideen sind manchmal die einfachsten. Das habe ich bei einer Wanderung durchs Sauerland erlebt, an der ich im vergangenen Herbst teilgenommen habe. Sie stand unter der Überschrift „Pilgern mit Beethoven“. Das Einfache und doch so Besondere bestand darin, dass die Wanderleitung einen guten Lautsprecher mit im Gepäck hatte.

Evangelium heißt ja „Frohe Botschaft“, und damit wird die Botschaft Jesu Christi angesprochen. Ich glaube tatsächlich, dass Musik dabei helfen kann, diese Botschaft Christi, ja die Botschaften des Glaubens weiterzugeben. Da Musik den ganzen Mensch mit Leib und Seele anspricht, erreicht sie ihn viel unmittelbarer als jedes Wort es kann. Muss man noch wortreich erklären, was es bedeutet Gott zu loben, wenn man zum Beispiel gerade das „Halleluja“ aus Händels Messias gehört hat? Ich glaube nicht, ich bekomme dabei immer schon eine Gänsehaut.

Sicher erschließt sich dadurch nicht das ganze Universum des Glaubens. Aber es ist ein Zugang gelegt, der es vielen Menschen einfacher machen dürfte nachzuempfinden, welche Faszination darin liegen kann zu glauben.

Gerade in einer Zeit, in der der Glaube immer weniger selbstverständlich und auch verständlich ist, ist es wichtig, andere Zugänge zu finden – und sei es über ein Gefühl der Gänsehaut. Musik kann das Sprechen über den Glauben sicher nicht vollständig ersetzen. Aber sie kann Türen öffnen und den Raum des Glaubens weit machen.

Dass Sie diese weiten Räume entdecken, wünscht Ihnen Claudia Nieser aus Paderborn.

Foto: Shutterstock/encierro
Foto: Shutterstock/encierro

Eine Welt aus Musik

Guten Morgen!

Eine Welt, die aus Musik entsteht, ist das nicht eine schöne Vorstellung? Tatsächlich gibt es eine solche Welt, wenn auch nur in der Fiktion eines Romans. Niemand geringeres als der englische Autor J.R.R. Tolkien hat dies beschrieben. Ja, genau, ich meine jenen Tolkien, der mit dem „Kleinen Hobbit“ und „Dem Herrn der Ringe“ Weltbestseller geschrieben hat. Und ja, genau, ich meine Mittelerde, den Schauplatz dieser berühmten Geschichten, wenn ich von einer Welt spreche, die aus Musik entstanden ist.

Wer nun befürchtet, dies im „Herrn der Ringe“ irgendwie überlesen zu haben: Keine Sorge, das ist nicht der Fall. Der Text, den ich meine, befindet sich in einem andern Werk von Tolkien, das nicht ganz so bekannt ist. Es heißt „Das Silmarillion“ und wurde von seinem Sohn Christopher posthum herausgegeben. Das Werk enthält die Vorgeschichte des „Kleinen Hobbit“ und des „Herrn der Ringe“ und erzählt von der Erschaffung seiner fiktiven Welt. Gottähnliche Wesen lassen sie entstehen, indem sie singen.

Ist das Kunst und kann weg?

Guten Morgen!

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“

Als ich auf einer Postkarte zum ersten Mal diesen Spruch gelesen habe, hat mich das ziemlich amüsiert. In den zurückliegenden Monaten habe ich mich allerdings manchmal gefragt, ob der Spruch nicht anders lauten müsste:

„Ist das Kunst – dann kann´s ja weg!“

Foto: Shutterstock/Africa Studio
Foto: Shutterstock/Africa Studio

Die große evangelische Theologin Dorothee Sölle hat jedenfalls Religion einmal so definiert: Religion ist nichts anderes als „Aufstand gegen die Banalität“. Und mit dem Begriff Banalität beschrieb sie ein Leben, dessen Wünsche und Sehnsüchte sich allein im Geldverdienen und Konsum erschöpfen, ein Leben, in dem Religion keine Rolle spielt und in dem ein tieferer Sinn gar nicht erst in den Blick gerät.

Ich glaube, dass Religion in diesem Punkt der Kunst ähnelt. Auch Kunst kann einen Aufstand gegen die Banalität des Lebens anzetteln, indem sie den Menschen ganz andere Wirklichkeiten vor Augen führt.

Indem sie neue Welten schafft. Indem sie das Gespür dafür offen hält, dass die Dinge nicht so sein müssen, wie sie sind. Es kommt deshalb ja auch nicht von ungefähr, dass in Diktaturen die Kunstschaffenden oft zu den ersten gehören, die mundtot gemacht werden sollen.

Allein wegen dieser Eigenschaft ist alle Kunst für mich nichts Sekundäres und damit eben auch etwas Überlebenswichtiges – genauso wie Religion –, gerade in Corona-Zeiten. Sie ist ein entscheidendes Element in einer freien, vielfältigen Gesellschaft. Weniger Kultur oder sogar sterbende Kultur ist ein Schritt zu mehr Banalität. Und damit auch ein Schritt hin zu mehr Gleichgültigkeit, zu mehr Resignation, zu mehr Einförmigkeit. Deswegen kann Kunst nicht weg.

Dass wir auch künftig ein vielfältiges kulturelles Angebot genießen können, das wünsche ich Ihnen und mir. Ihre Claudia Nieser aus Paderborn.

 

Musik stiftet Einheit.

Guten Morgen!

Morgen findet in Hamburg, in der Evangelisch-Lutherischen Hauptkirche St. Petri, der zentrale Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Damit endet eine ganze Woche, in der Christinnen und Christen aller Konfessionen intensiv dafür gebetet haben, dass sie wieder zusammenfinden und es irgendwann nur noch eine Kirche gibt.

Ich glaube Luther hat Recht! Und man sollte die Musik viel mehr einsetzen, auch an anderen Orten. Es gibt so viele Spaltungen auf der Welt, die besorgniserregend sind. Bei allzu vielen davon stehen sich Menschen oder Gruppen einander feindlich und voller Hass gegenüber, bekämpfen einander, töten einander. Würde man für jeden dieser Konflikte eine Gebetswoche etablieren – die 52 Wochen eines Jahres würden nicht ausreichen.

Aber kann Musik tatsächlich etwas ausrichten gegen den Hass, der vielerorts herrscht und zu Gewalt und Krieg führt? Nun, es gibt zumindest Versuche.

Einer der bekanntesten ist das West-Eastern Divan Orchestra (Orchester des West-östlichen Divans). Es wurde 1999 in Weimar gegründet und besteht zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikerinnen und Musikern. Es gastiert weltweit, vor allem in den Herkunftsländern der Orchestermitglieder. Die Initiatoren des Orchesters sind dabei sehr realistisch, was ihr musikalisches Projekt im Nahostkonflikt ausrichten kann. In einem Programmheft zu einem der Auftritte heißt es:

„Musik allein kann selbstverständlich nicht den arabisch-israelischen Konflikt lösen. Jedoch gibt sie dem Einzelnen das Recht und die Verpflichtung, sich vollständig auszudrücken und dabei dem Nachbarn Gehör zu schenken.“

Das mag wenig aufsehenerregend klingen, doch es ist so wichtig, auch in unserem Miteinander. Wie häufig wird nicht nur in den Sozialen Medien einander das Recht abgesprochen, eine gegenteilige Meinung äußern zu dürfen? Wie oft bleibt das Zuhören auf der Strecke? Wie oft bleibt man lieber in seiner eigenen Blase und hält sich alle anderen Meinungen lieber vom Hals?

Anders dagegen das West-Eastern Divan Orchestra: Es schafft einen Raum, in dem ein friedliches Miteinander, ein friedliches Zusammenarbeiten möglich ist, weil Musik verbindet. Alleine die gemeinsame Begeisterung, die Probleme und Konflikte für eine Weile vergessen lässt – zumindest für den Zeitraum des gemeinsamen Musizierens. Ich glaube, dass solche Erfahrungen ungeheuer viel wert sind, so unscheinbar sie auch auf den ersten Blick erscheinen mögen. Und wie das wohl erst auf die Zuhörerschaft wirkt – ob da nicht ein Funke überspringt?

Ich glaube, in solchen Situationen wird spürbar, dass die Schönheit der Musik Menschen berührt und auch verbindet. Man erhält dann vielleicht eine Ahnung davon, dass es etwas gibt, das größer ist als alle Konflikte und Streitigkeiten.

Dass Sie die einheitsstiftende Kraft der Musik erfahren, wünscht Ihnen Claudia Nieser aus Paderborn.

Foto: Shutterstock/Monkey Business Images
Foto: Shutterstock/Monkey Business Images