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18
April
2020
18.April.2020

Morgenandachten im WDR von Claudius Rosenthal

Foto: privat
Foto: privat

Kirche in WDR 3+5
Morgenandachten
13. – 18. April 2020
von Diakon Claudius Rosenthal, Wenden

Foto: G-Stock Studio / Shutterstock.com
Foto: G-Stock Studio / Shutterstock.com

Immer an Deiner Seite

Auf dem Küchentisch liegt eine Karte. Eine Oster-Grußkarte. Von einem guten und lieben Freund, der mir zeigen will: Ich denke an Dich. Ich wünsche Dir alles Gute. Bleib gesund. Ich gebe zu: Ich bin immer etwas peinlich berührt, wenn ich den Briefkasten aufmache und darin dann einen solchen schönen Gruß finde. Denn da hat sich ja offenbar jemand die Mühe gemacht, eine schöne Karte gesucht – und auch gefunden. Er oder sie hat auch noch ein paar wohltuende Worte gefunden. „Berührt“ bin ich schließlich und vor allem aber deshalb, weil ich selbst so gar nicht gerne Karten schreibe. Im Gegenteil. Zumindest war das lange Zeit so. Und das lag unter anderem daran, weil ich im Schreibwarenladen immer ziemlich ratlos vor dieser völlig unübersichtlichen Auswahl an Motiven gestanden habe. Wobei … was heißt „unübersichtlich“? Die Blumenbilder waren mir häufig zu aussagelos. Die Schrift nicht selten zu kitschig. Und vom Inhalt mal ganz zu schweigen. Irgendwie fand ich mich in diesen Karten nie wieder. Den Anlass, für den sie bestimmt war, auch nicht. Und von der Person, die sie bekommen sollte, möchte ich gar nicht reden … Das passte einfach nicht. Nie!

Wie gesagt: Karten schreiben war lange nicht mein Ding. Meine Freunde würden jetzt sagen: „Mein Lieber – das ist es bis heute nicht!“ Auf eine Art haben sie damit sogar Recht. Denn wenn es einmal Post von mir gibt, dann bekommen sie immer dieselbe Karte. Zumindest immer mit demselben Motiv. Ziemlich einfallslos, nicht wahr? Aber eigentlich soll es gar nicht einfallslos sein. Denn wissen Sie: Auf dieser Karte sind zwei Männer zu sehen, die unterwegs sind. Wohin, ist nicht zu erkennen. Gesichter sieht man auch nicht. Aber neben diesen beiden Männern lässt sich noch schemenhaft, schattenartig eine dritte Person ausmachen. Bei oberflächlicher Betrachtung fällt die gar nicht auf. Man ist vielleicht eher irritiert, warum hier etwas Graues, Verschwommenes im Bild ist.

Abgebildet sind jedenfalls die beiden Jünger, die sich auf den Weg nach Emmaus machen. Und auf diesem Weg werden sie von einer Person begleitet, die sie nicht erkennen. Erst später am Abend begreifen die beiden dann, dass die ganze Zeit, den ganzen langen Weg Jesus selbst mit ihnen gegangen ist. Ihnen erklärt hat, was sie da in den vergangenen Tagen erlebt haben. Und warum das so passieren musste. Für mich ist das ein wunderbares Bild für mein Leben: Weil ich da ganz oft unterwegs bin und begleitet werde – aber gar nicht sehe, dass mir Gott zur Seite gestanden hat. Dass der an meiner Seite ist. Nur eben manchmal in einer Gestalt, die ich nicht sofort erkenne.

Und weil mir das so wichtig ist und mir so viel Mut und Zuversicht gibt, gehört das für mich eben auch zu jedem Gruß dazu, den ich verschicke: Dieser Wunsch, dass Jesus mitgeht. Das Leben begleitet. Bei der Taufe oder der Hochzeit, am Geburtstag oder bei der Beerdigung, zu Weihnachten oder zu Ostern. Ich wünsche, dass Jesus dabei ist. Erklärend und erläuternd, begleitend und bestärkend, beschützend und behütend.

Dass auch Sie solch eine Begleitung erfahren – an diesem Ostermontag und an allen Tagen ihres Lebens – das wünscht Ihnen Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

Foto: Gorlov-KV / Shutterstock.com
Foto: Gorlov-KV / Shutterstock.com

Systemrelevant

Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte sind systemrelevant. Polizisten auch. Die Frauen und Männer bei den Strom- und Wasserversorgen sind systemrelevant. Mein Metzger ist systemrelevant. Meine Apothekerin. Und der kleine Lebensmittelladen bei uns im Ort mit seinen Beschäftigten – der ist auch systemrelevant. Wenn ich mir anschaue, was die da alle Tag für Tag leisten, kann ich das gut verstehen. Allein das Risiko, dem sie sich aussetzen. Die Frau in der Apotheke, die unzähligen Menschen begegnet. Täglich. Die macht sich bestimmt Gedanken. Aber trotzdem ist sie da. Und trotzdem ist sie freundlich. Oder die vielen Frauen und Männer im Einzelhandel. Für die gehört ein Mindestmaß an Nähe zum täglichen Geschäft. Ohne das können die gar nicht. Und trotzdem machen die das. Die Ärzte und Arzthelfer, die vielen Pfleger, die ganz nah ran müssen an die Menschen – und die ihre Frau und ihren Mann stehen. Die alle tragen dazu bei, dass zumindest die wichtigsten Dinge weiterlaufen können. Dass ich auf die wesentlichen Dinge nicht verzichten muss. Und wo ich weiß: Wenn die jetzt nicht wären, dann ginge hier bald das Licht aus. Die sind im wahrsten Sinne des Wortes „systemrelevant“.

Ich hab mich die Tage mal gefragt: Ist mein Glaube systemrelevant? Und: Bin ich das gerade – ein Diakon der Kirche? „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, hat Jesus im Verhör bei Pilatus gesagt. Übersetzt in Krisensprech: Nicht systemrelevant. Nicht von dieser Welt. Für diese Welt hier nicht bedeutsam. Weil auf eine andere Wirklichkeit hin orientiert. Auf ein anderes Reich. Ein anderes „System“. Und manchmal hatte ich in den vergangenen Wochen genau diesen Eindruck: Dass ich eigentlich nicht systemrelevant bin – zumindest nicht der „gläubige Teil“ von mir. Denn es hat ja keiner etwas davon, wenn ich glaube – oder es eben bleiben lasse. Mein „gläubiges Ich“ macht mein Haus nicht warm – dafür braucht es Arme und Beine, um das Holz aus dem Keller zu holen. Mein „gläubiges Ich“ sorgt auch nicht für Strom, damit der Kühlschrank weiterläuft. Es hilft mir nicht, wenn ich neue Tabletten brauche. Und satt werde ich davon auch nicht.  Also: Dieser Teil von mir – der ist nicht systemrelevant.

Aber vielleicht ist das zu oberflächlich gedacht. Denn was treibt eigentlich diese ganzen Menschen dazu, weiter ihren Job zu machen – und ihn gut und mit Freude zu machen? Was motiviert den Pfleger oder die Polizistin, die Verkäuferin oder den Verwaltungsmitarbeiter morgen für morgen zur Arbeit zu gehen? Nur das Geld? Das glaube ich nicht. Und was treibt die nicht-systemrelevanten Frauen und Männer an, die sich in unserem Ort zusammengetan haben, um in dieser Zeit Einkäufe für Ältere oder Kranke zu übernehmen? Was motiviert Menschen, Tüten mit Lebensmitteln dort aufzuhängen, wo früher die Tafeln geöffnet hatten? Wahrscheinlich in allen diesen Fällen das systemrelevanteste Etwas, dass es überhaupt gibt: Nämlich das Wissen darum, dass wir nicht nur für uns alleine da sind. Dass wir Verantwortung haben. Für mich heißt das „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Für mich heißt das „Christ sein“ im ursprünglichsten Sinne. Offensichtlich gibt es ziemlich viele, die sich dieser Idee verpflichtet fühlen. Die ihre Systemrelevanz nicht mit einer Bescheinigung beweisen. Sondern mit dem, was sie tun. Mögen sie offiziell systemrelevant sein oder nicht, mögen sie Christen heißen oder auch nicht. Mich beeindruckt das. Und der „gläubige Teil in mir“ fühlt sich da bestätigt. Denn für Gott ist jeder Einzelne systemrelevant. Immer. In diesem Sinne heute Morgen mal keine guten Wünsche – sondern einfach mal: Danke an alle, die das verstanden haben und danach handeln.

Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

Begleitet

Es war eine traurige Veranstaltung. Ich hatte Josef über viele Jahre hinweg besucht. Und dann kam der Tag, der kommen musste. Mit 94 Jahren. Ein gesegnetes Alter. Und Josef hatte ein gesegnetes Leben. Mit Höhen und Tiefen. Mit vielen Kindern und noch mehr Enkelkindern und Urenkeln. Mit einem Ort, seinen Menschen und Vereinen, die alle um das Viele wusste, was er geleistet und getan hatte. Nur: Josef starb während der Corona-Krise, als an eine Beerdigung in der üblichen Weise nicht mehr zu denken war. Zunächst war dem Männergesangverein das Proben verboten worden – und in der Folge musste er auch seine Zusage zur Beerdigungsfeier zurückziehen. Wenig später folgten dann die Schützen. Und zu guter Letzt wurden auch die Gottesdienste untersagt. Am Ende versammelte sich nur noch der engste Familienkreis am Grab.

Kein Thema für einen guten, einen lebensfrohen Einstieg in den Tag, ich weiß. Aber eine Realität, die manch einer in den vergangenen Wochen zu spüren bekommen haben. Denn wie viele sterben in diesen Tagen und Wochen alleine? Wie viele werden zu Grabe getragen, ohne dass Verwandte und Bekannte Abschied nehmen können? Ein Freund erzählte mir, dass er vor Kurzem alleine am Sarg gestanden habe. Weil es keine engen Verwandten gab. Und ein anderer berichtete mir, dass eine Beerdigungsfeier aufgelöst wurde. Weil da zu viele Menschen am Grab versammelt waren. So etwas erleben zu müssen, schmerzt.

Klar weiß ich, warum das so ist. Warum diese Regeln zurzeit so sein müssen. Ich hinterfrage die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen deshalb nicht. Im Gegenteil. Trotzdem bedrückt mich das.

In den vergangenen Tagen musste ich dann daran denken, dass es in meiner Ausbildung zum Diakon einen Satz gab, den ich immer und immer wieder zu hören bekommen habe. Nämlich: Dass wir an einen Gott glauben, der Mensch geworden ist und der als Mensch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens durchschritten hat. Alle. Mir ist bei dieser Beerdigung vor ein paar Wochen noch einmal klar geworden, wie wahr das ist – dass es da wirklich nichts gibt, was Jesus nicht durchlebt hat. Nicht einmal eine Beerdigung in kleinstem Kreis. Denn als Jesus am Kreuz starb – da war er verlassen. Da fühlte er sich auch verlassen. Selbst von Gott. Und später dann war es nur eine Handvoll Menschen, die ihn ins Grab legte. Ihn beerdigte. Selbst der Sohn Gottes hat also erlebt und durchlebt, was in diesen Tagen so viele durchmachen müssen: Die sich von einem lieben Menschen verabschieden müssen und die nicht getragen werden von einer Gemeinde, die diesen letzten Weg mitgeht.

Dieses Wissen, dass auch Jesus mehr oder weniger alleine war – das macht die Situation nicht besser. Aber ich fühle mich doch ein wenig von ihm getröstet und begleitet. Ich spüre, dass er mich irgendwie verstehen kann. Dass er mitfühlt. Selbst diese Einsamkeit an den Gräbern. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben, dass sie gut und gesund durch den Tag und das Jahr kommen. Und dass Sie das in der Gewissheit tun können, dass Sie immer begleitet sind. Alle Tage. Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden.

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