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Pressemeldung
28
Januar
2021
Paderborn

Kerze leuchtet im Dom zum Gedenken an die Opfer

Ökumenischer Gottesdienst am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ im Paderborner Dom

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Paderborner Dom begingen am Mittwochabend, 27. Januar 2021, Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche in Verbindung mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn den bundesweiten „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Domkapitular Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer leitete den via Live-Stream übertragenen Gottesdienst in der Bischofskirche des Erzbistums Paderborn, Superintendent Volker Neuhoff vom Evangelischen Kirchenkreises Paderborn hielt die Predigt. Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde im Altarraum des Hohen Domes eine Kerze entzündet für verschiedene Opfergruppen: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Schwule und Lesben, politische Gegner des Nationalsozialismus, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, Mitglieder der christlichen Kirchen, Angehörige der Widerstandsbewegung.

Am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ feierten Domkapitular Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer (l.) und Superintendent Volker Neuhoff im Paderborner Dom einen ökumenischen Gottesdienst und sprachen ein Segensgebet. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

„Überheblichkeit sowie Macht und Gewalt, die über Leichen geht, gehören zu den dunklen Seiten des christlichen Glaubens und der christlichen Kirchen“, sagte Superintendent Volker Neuhoff in seiner Predigt. Das Christentum und die Kirche hätten über lange Strecken der Geschichte Antijudaismus legitimiert, betrieben und begrüßt, sie hätten geschwiegen und weggeschaut, mitgemacht anstatt daran zu hindern. Doch durch die Zerstörung der Beziehung zum jüdischen Volk habe das Christentum die Wurzel des eigenen Glaubens negiert, urteilte Superintendent Neuhoff. Der 27. Januar als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus sei eine Ermahnung, die Augen nicht zu verschließen, nicht blind zu sein und nicht zu den dunklen Seiten der Geschichte des Christentums und der Kirche zurückzukehren.

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde im Paderborner Dom von Superintendent Volker Neuhoff eine Kerze entzündet. Zuvor nannten Domkapitular Dr. Michael Menke-Peitzmeyer und der Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn verschiedene Opfergruppen: Juden, Menschen mit Behinderung, Schwule und Lesben, Mitglieder der christlichen Kirchen. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn
Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde im Paderborner Dom von Superintendent Volker Neuhoff eine Kerze entzündet. Zuvor nannten Domkapitular Dr. Michael Menke-Peitzmeyer und der Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn verschiedene Opfergruppen: Juden, Menschen mit Behinderung, Schwule und Lesben, Mitglieder der christlichen Kirchen. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

„Es geht um Mitmenschlichkeit. Um Respekt. Um Achtung, Um Würde. Und um die Sensibilität, wenn anderen genau dies verweigert wird. Einzelnen oder Gruppen. Minderheiten“, bekräftigte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Es komme darauf an, an der Seite derjenigen zu sein, die „neu erstarkender rassistischer Wahn zum Opfer machen will“. Das Engagement gegen rechtsradikale Gruppierungen und Parteien sei wichtig. Auch das Dagegenhalten, wenn Social Media als asoziale Foren missbraucht werde. Den zunehmenden unterschwelligen und offensichtlichen Äußerungen von Antisemitismus müsse widersprochen werden.

Erinnerung und Verantwortung

„Wenn wir unvoreingenommen auf das schauen, was in der Vergangenheit allein gegenüber den Juden an Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt geschehen ist, können wir nur zutiefst bedauern, was auch Christen während der Zeit des Nationalsozialismus den Juden und anderen marginalisierten Menschen angetan haben“, betonte Domkapitular Dr. Michael Menke-Peitzmeyer in einem dem Gottesdienst vorausgehenden Interview. Der Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn und Ansprechpartner für den jüdisch-christlichen Dialog im Geistlichen Rat des Erzbischofs von Paderborn plädiert darin für eine „Ethik der Erinnerung“ und fordert, dass jedes erste gedankliche oder verbale Anzeichen von Fremdenfeindlichkeit aufmerksam verfolgt und unterbunden werden müsse. Zudem sei eine christliche „Spiritualität der Erinnerung“ bedeutsam, die nicht an Konfessionsgrenzen gebunden sei und sich auch im gemeinsamen Gebet artikulieren soll.

„Wehret den Anfängen!“ – Interview mit Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus

zum Interview

Ein Beitrag von:

Thomas Throenle