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Pressemeldung
12
März
2021
Paderborn / Bielefeld / Eslohe / Korbach

Ist Glaube im Alter eine tragende Säule?

Seelsorgende berichten: Zugewandte Begleitung älterer Menschen schenkt kostbare Erfahrungen

Viele alte Menschen – vor allem diejenigen, die in Pflegeeinrichtungen leben – leiden unter den Belastungen der Corona-Pandemie. Dadurch ist auch die Kirche im Erzbistum Paderborn mehr denn je aufgefordert, für diese Menschen da zu sein. Wie begleiten Seelsorgerinnen und Seelsorger im Erzbistum Paderborn ältere Menschen in ihren Sorgen und Nöten, gerade auch unter Corona-Bedingungen? Zwei Gemeindereferentinnen aus Korbach und Eslohe sowie ein Priester aus Bielefeld berichten von ihrer Arbeit.

Angelika Schneider ist Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Korbach. In Seniorenheimen feiert sie regelmäßig Gottesdienste und besucht die Bewohnerinnen und Bewohner. „Ältere Menschen sind nicht gleich ältere Menschen“, macht die Seelsorgerin deutlich. Es gebe aktive Senioren, die noch Zuhause leben, Menschen in Seniorenheimen, Menschen mit körperlichen Gebrechen oder Demenz, einsame Senioren, die um eine Partnerin oder einen Partner trauern, oder Sterbende. „Unsere Angebote müssen zur jeweiligen Lebenssituation passen“, erklärt Schneider.

Es sei wichtig, älteren Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und die vorhandenen Ressourcen zu stärken. Dazu gehört für die Gemeindereferentin auch, „auf gesellschaftlicher Ebene ein Bewusstsein für den Wert und die Würde des Alters zu schaffen“. Viele alte Menschen würden damit hadern, dass sie nichts mehr leisten können. „Der christliche Glaube betont aber gerade den Wert jedes Menschen unabhängig von aller Leistung“, unterstreicht Schneider: „Ältere Menschen können gerade durch das Gebet etwas für andere tun und sich dadurch zu Recht wirksam fühlen.“

 

„Viele alte  Menschen hadern damit, dass sie nichts mehr leisten können. Der christliche Glaube betont aber gerade den Wert jedes Menschen unabhängig von aller Leistung.“

 

Angelika Schneider

Glaube kann stabilisieren

Bei ihrer Begleitung von älteren Menschen sieht Angelika Schneider oft Erkenntnisse aus der Integrativen Therapie bestätigt. In ihr sind fünf Säulen der Identität beschrieben: Die Leiblichkeit ist im Alter zunehmend eingeschränkt, der soziale Kontakt, die Leistungsfähigkeit und auch die materielle Sicherheit nehmen ab. „Das wird als Bedrohung für die eigene Identität empfunden“, erklärt die Gemeindereferentin. „Wenn all das weniger wird oder wegbricht, kann der Glaube als fünfte Säule in dieser Situation immer noch stabilisierend wirken.“

Pfarrer Achim Babel ist als Seelsorger in zwei Pflegeeinrichtungen in Bielefeld im Einsatz. Für zahlreiche Menschen bekomme der Glaube im letzten Lebensabschnitt eine zentrale Bedeutung, beschreibt der Geistliche: „Mit der Erinnerung und Aufarbeitung des gelebten Lebens drängen Themen wie Versöhnung oder Dankbarkeit in den Vordergrund. Viele Menschen möchten ihren Frieden mit sich, ihrer Umwelt und Gott finden.“ Er habe eine Dame, die ihre Beziehung zu Gott verloren hatte, in den letzten Monaten ihres Lebens begleitet, berichtet der Priester: „Irgendwann sagte sie zu mir: ‚Sie haben mir meinen Christus zurückgebracht‘“. Wöchentliche Gruppenangebote, Einzelbesuche und Gottesdienste seien meist der erste Kontakt zu den Menschen in den Pflegeeinrichtungen, erläutert Achim Babel. Daraus entstünden oft regelmäßige Begegnungen.

Bei seiner Arbeit profitiert der Priester von einer Weiterbildung zur Palliative Care Fachkraft, bei der er wichtige Grundlagen der palliativen Unterstützung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase kennengelernt hat. „Für mich ist das sehr hilfreich. Wir verstehen uns in den Einrichtungen als multiprofessionelles Team, wo jeder in seiner Disziplin zum Wohl der uns anvertrauten Menschen arbeitet.“

 

Sehnsucht nach Begleitung

Die Seniorenpastoral gehört auch zu den Aufgaben von Bernadette Klens. Die Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe nimmt bei ihren Begegnungen mit älteren Menschen unterschiedliche Glaubens-Perspektiven wahr: „Es gibt diejenigen, die sehr bewusst mit der Endlichkeit des Lebens umgehen, und diejenigen, die diese Endlichkeit verdrängen.“ Eindeutig sei aber eine Sehnsucht nach spiritueller Begleitung da. Das bestätigt auch Regina Fuchte, die als seelsorgliche Begleitung in einer Senioren-Einrichtung in Eslohe älteren Menschen zur Seite steht.

„Zusammen mit vielen Ehrenamtlichen haben wir hier im Pastoralen Raum Seniorinnen und Senioren gut im Blick“, sagt Bernadette Klens. Gerade im ersten Corona-Lockdown sei durch viele Aktionen und Initiativen mit großem Elan die Wertschätzung gegenüber älteren Menschen sichtbar geworden. „Nach den jetzt zurückliegenden langen Monaten ist natürlich inzwischen eine gewisse Ermüdung da“, räumt die Gemeindereferentin ein. Umso wichtiger sei es, gerade zu Ostern wieder eine „gute, zeichenhafte Ansprache für die älteren Menschen zu finden.“

Eine zugewandte Seelsorge wurde durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Wie viele Seelsorgerinnen und Seelsorger hat auch Pfarrer Achim Babel versucht, auf anderen Wegen für die älteren Menschen da zu sein: In einer Einrichtung hatte er über die Videoübertragungsanlage der Hauskapelle mehrmals pro Woche Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern in deren Zimmern. In einer anderen Einrichtung fanden Andachten im Garten statt, die vom Fenster aus mitgefeiert werden konnten. Gemeindereferentin Angelika Schneider konnte zwar zwischenzeitlich in den Alteneinrichtungen Gottesdienste feiern, aber natürlich nur unter Corona-Bedingungen und somit ohne Gesang: „Das ist schon schwer, denn gerade für ältere Menschen spielt das Singen eine große Rolle. Es weckt Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle“, beschreibt die Seelsorgerin.

 

„Wir haben während der Corona-Krise vieles gemacht, was möglich war. Aber das personale Angebot ist und bleibt das Wichtigste, auch für pflegende Angehörige.“

 

Bernadette Klens

Persönliche Anwesenheit ist das A und O

Das A und O der Seelsorge, gerade für ältere Menschen, bleiben für Pfarrer Achim Babel trotz aller kreativen Angebote in der Krise „persönliche Anwesenheit, Ansprache und Zuwendung“. Diese Einschätzung teilt auch Bernadette Klens: „Wir haben während der Corona-Krise vieles gemacht, was möglich war. Aber das personale Angebot ist und bleibt das Wichtigste, auch für pflegende Angehörige.“ Die Seelsorgerin, die im ländlichen Raum arbeitet, sieht hier für ältere Menschen den Vorteil, „dass man sich eher kennt und hilft“. Für Regina Fuchte und ihre seelsorgliche Arbeit im Pflegeheim in Eslohe gilt das nicht in gleicher Weise: „Die Situation in den Einrichtungen ist natürlich eine andere als im privaten Umfeld. Hier spielt das Thema Einsamkeit eine viel größere Rolle für die Menschen.“

Für zahlreiche Menschen bekommt der Glaube im Alter eine tragende Bedeutung. Foto: Maria Aßhauer/Erzbistum Paderborn.
Für zahlreiche Menschen bekommt der Glaube im Alter eine tragende Bedeutung. Foto: Maria Aßhauer/Erzbistum Paderborn.

Seelsorge ist oftmals ein Geben und Empfangen: „Die Lebensweisheit der alten Menschen berührt mich sehr“, sagt Pfarrer Babel. „Viele Menschen haben Krieg, Vertreibung und schlimmste persönliche Erlebnisse nur im Vertrauen auf Gott bewältigen können. Gerade in der Pandemie zeigte sich das in einer beruhigenden Gelassenheit der älteren Menschen. Ich habe oft Sätze gehört wie zum Beispiel ‚Wir müssen beten und vertrauen‘.“ Auch Angelika Schneider fühlt sich durch ihre Besuche in den Seniorenheimen bereichert: „Meistens nehme ich von meinen Besuchen mehr mit, als ich geben kann. Ich bin oft beeindruckt von den Lebensgeschichten der Menschen und dankbar für das Vertrauen und die Offenheit, mit der ich empfangen werde.“

Ein Beitrag von:

Maria Aßhauer
Redakteurin Team Presse