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18
November
2019
18.November.2019

“Ich richte mich danach, was mein Herz mir sagt”

Das Ehepaar Seppelt engagiert sich als Leih-Großeltern

Themenspecial Hoffnung

Seit etwas über einem Jahr besucht Paul* sie regelmäßig und hält bei seinen Besuchen Marita und Detlef Seppelt ganz schön auf Trapp. „Mit seinen fünf Jahren hat Paul eine ganze Menge Energie und möchte am liebsten gar nicht still sitzen. Das war für uns am Anfang eine ganz neue Erfahrung, aber wir möchten die Stunden mit ihm nicht mehr missen“, beschreibt Detlef Seppelt die Zeit mit Leih-Enkel Paul. Über den SkF, den Sozialdienst katholischer Frauen Gütersloh, haben seine Frau und er den Kontakt zu Paul und seiner Mutter vermittelt bekommen. Das Angebot des SkF ermöglicht allerziehenden Müttern und Vätern hin und wieder Zeit zum „Durchatmen“ im Alltag, in dem sie oft auf sich allein gestellt sind. Gleichzeitig wird Senioren Zeit mit Kindern geschenkt, die Freude im Umgang mit Kindern haben, und deren eigene Enkel vielleicht nicht in der Nähe wohnen.

„Meiner Frau und mir war es leider nicht vergönnt, eigene Kinder zu bekommen. Wir haben uns erst mit Anfang 40 kennengelernt, aber der Kinderwunsch hat sich leider nicht mehr erfüllt. Daher sind wir nun umso dankbarer, dass Paul so viel Leben in unseren Alltag bringt“, verdeutlicht Seppelt, der seit etwa einem Jahr Rentner ist. Ungefähr zeitgleich mit seinem Eintritt in den Ruhestand habe er einen Zeitungsartikel gelesen, in dem es um die Leih-Großelternschaft des SkF ging. „Ich habe ihn direkt meiner Frau gezeigt und obwohl sie noch berufstätig ist, war sie sofort einverstanden Kontakt zum SkF aufzunehmen.“

Exklusiv-Zeit genießen

Wann, wie lange und wie häufig der 5-Jährige das Ehepaar besucht, wird in individueller Absprache mit seiner Mutter getroffen. Das Angebot der Leih-Großelternschaft sieht keine regelmäßigen Termine vor. „Es ist nicht angedacht, dass die Kinder stets einen bestimmten Wochentag bei den Senioren verbringen oder sie regelmäßig von der Schule abholen“, erläutert Ingrid Kersting, Alleinerziehendenlotsin beim SkF Gütersloh. Das Angebot soll eine Ergänzung zum Leben aller Beteiligten sein und ist nicht dafür gedacht, dass Betreuungslücken gefüllt werden. „Die Kinder sollen eine Exklusiv-Zeit mit den Leih-Großeltern verbringen. Zeit, auf die sich beide Seiten freuen und die etwas Besonderes ist“, so Kersting.

Detlef Seppelt
"Leih-Opa" Detlef Seppelt. Foto: Lena Jordan
"Leih-Opa" Detlef Seppelt. Foto: Lena Jordan

Fahrrad fahren und schwimmen

„Ich habe Paul zum Beispiel schon einige Male von der Kita abgeholt, weil es sich für mich angeboten hat und wir den Nachmittag sowieso gemeinsam verbringen wollten“, erzählt Seppelt. „Dann gehen wir gemeinsam zu seinem Judo-Training oder Fußball-Spiel. Ich fiebere jedes Mal richtig mit, wenn Paul auf dem Platz steht, das hätte ich selbst gar nicht von mir erwartet.“ Bereits beim ersten Zusammentreffen mit Paul und seiner Mutter habe das Ehepaar gespürt, dass es passt, dass die Chemie stimme. „Aber auch wenn der Erstkontakt nicht so positiv verläuft, ist das gar kein Problem“, verdeutlicht Ingrid Kersting. Dann werde weitergesucht bis Leih-Großeltern und Mutter oder Vater und Kind gut harmonieren. „Wenn sich das Gefühl von Misstrauen unter den Parteien aufbaut oder einfach die Sympathie nicht stimmt, sollen alle offen ihre Empfindungen benennen dürfen. Schließlich möchten wir, dass die Verbindung möglichst lange bestehen bleibt.“

Das Verhältnis zwischen Paul, seiner Mutter und Marita und Detlef Seppelt ist nach einem Jahr Bekanntschaft zwar immer noch recht frisch, es fühle sich aber so an, als kennen sie sich schon viel länger. „Wir alle waren sogar schon zweimal gemeinsam im Urlaub, einmal an der Nordsee und einmal an der Ostsee. Meine Frau und ich haben dort schon oft Urlaub gemacht, aber mit einem Kleinkind ist es etwas gänzlich anderes. Wir erleben viel mehr, als wenn wir nur zu zweit verreisen“, erzählt Seppelt. „Letztens habe ich Paul Fahrrad fahren beigebracht. Wir haben ihm ein kleines Fahrrad geschenkt und sind ständig die Straße auf und ab gelaufen. Anfangs musste ich ihn noch ein wenig stützen, aber plötzlich ist er ganz von alleine gefahren und davon geradelt. Das hat mich ungemein stolz gemacht“, strahlt Seppelt und der Stolz schwingt in seiner Stimme mit. „Als nächstes möchte ich ihm schwimmen beibringen.“

Werte und Tugenden weitergeben

Die Zeit, die sie gemeinsam verbringen, genießen sie vollen Zügen. Gleichzeitig nutze der 67-Jährige die Zeit, um Paul etwas von seinen Wertvorstellungen mitzugeben. „Da wir keine eigenen Kinder haben, habe ich wenig Erfahrung in der Kindererziehung, aber ich möchte Paul auch nicht erziehen. Ich möchte ihm Werte und Tugenden nahe bringen, die mir selbst wichtig sind, wie beispielsweise Ehrlichkeit. Ich richte mich einfach danach, was mein Gefühl, was mein Herz mir sagt“, führt Detlef Seppelt aus. Besondere Freude bereite es ihm gemeinsame, kleine Rituale zu schaffen. „In meiner Familie war es üblich, dass wir Sonntagmorgens alle gemeinsam gefrühstückt haben. Dabei wurde die Woche besprochen und alle Familienmitglieder haben sich diese Zeit genommen. Wir nehmen Paul gerne mit zu unseren Mahlzeiten dazu und merken, dass ihm diese Zeit gut tut. Auch, wenn er es nicht immer schafft, geduldig bis zum Ende sitzen zu bleiben“, lacht Seppelt.

Kontakt zum SkF Gütersloh

Ingrid Kersting

Alleinerziehendenlotsin, Projektarbeit, Allgemeine Sozialberatung

Tel.: 05241- 961 85 18
i.kersting@skf-guetersloh.de

Sicherheit und Rückhalt

Diese Rituale mitzuerleben, Teil der Tagesstruktur und eines geordneten Haushalts zu sein, sei auch für die oft noch jungen Mütter sehr wertvoll. „Viele Mütter, die sich bei uns melden, sind gerade Anfang 20 und selbst noch auf der Suche nach Orientierung. Sie wünschen sich von der Lebenserfahrung der Leih-Großeltern zu profitieren. Sie gibt ihnen Sicherheit und Rückhalt“, berichtet Ingrid Kersting. „Oft höre ich, dass sie eine Betreuung bei den Leih-Großeltern einem gleichaltrigen oder jüngeren Babysitter vorziehen. Die Erfahrung der älteren Generation schätzen sie sehr.“

Paul hat bei Familie Seppelt mittlerweile ein eigenes Zimmer mit Bett bekommen. „Unser Haus ist groß und wir haben den Platz. Außerdem freuen wir uns, wenn Paul manchmal über Nacht bei uns bleibt“, beschreibt Detlef Seppelt. „Seine Mutter hat das Recht auch einmal einen freien Abend zu haben, auszugehen, Freunde zu treffen. Das, was die jungen Leute gerne so unternehmen. Dann nehmen wir Paul auch mal eine Nacht zu uns.“ Alles passiere aber stets in Absprache und nur so häufig, wie es für beide Seiten in Ordnung und nicht zu anstrengend sei. „Paul ist uns schon wirklich ans Herz gewachsen und ich muss zugeben, es fühlt sich so an als haben wir einen Enkel gewonnen.“

Auf die Frage, was sich Detlef Seppelt für Pauls Zukunft wünsche, hat er gar keine genaue Vorstellung „und da möchte ich mich auch gar nicht groß einmischen. Er muss gar kein großer Wissenschaftler oder Ähnliches werden – ein anständiger Mensch reicht schon. Und ich bin glücklich Paul auf diesem Weg ein wenig begleiten zu können.“

*Name geändert

Der SkF Gütersloh hat bisher bereits sechs Leih-Großeltern-Paare mit jungen Familien im Raum Gütersloh und Rietberg zusammengebracht. Auf der Warteliste stehen noch zehn weitere Familien, die auf der Suche nach Leih-Großeltern sind.

Wenn Sie sich gerne als Leih-Großeltern engagieren möchten oder Interesse daran haben Leih-Großeltern kennenzulernen, hilft Ihnen der SkF Gütersloh jederzeit weiter.

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